Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Mutter erschlagen und einbetoniert: Mord aus Habgier?
Die Region Göttingen Mutter erschlagen und einbetoniert: Mord aus Habgier?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:35 27.11.2018
Mord aus Habgier: Wegen dieses Vorwurfs muss sich seit Dienstag ein 47-jähriger Mann aus Herzberg vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Quelle: dpa
Göttingen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im September vergangenen Jahres seine 74-jährige Mutter in ihrem Wohnzimmer mit einem Schürhaken erschlagen zu haben. Um das Verbrechen zu vertuschen, soll er ihre Leiche in einer Blumenbank einbetoniert haben.

Der 47-Jährige habe seine Mutter getötet, weil diese nicht mehr seinen Lebensunterhalt finanzieren wollte. Bis dahin habe er von dem Geld seiner Eltern gelebt. Er sei arbeitslos und ohne eigene Einkünfte gewesen und habe Schulden in fünfstelliger Höhe gehabt. Er habe von dem Erlös aus einem Hausverkauf in Höhe von 65000 Euro und der Rente seiner Mutter leben wollen.

Leichenspürhunde finden einbetonierte Leiche

Die Tat war sieben Monate lang unentdeckt geblieben. Erst im April erhielt die Polizei einen Hinweis, dass die 74-jährige Rentnerin nicht anzutreffen und ihr Grundstück verwahrlost sei. Die Ermittler prüften daraufhin zunächst, ob sich die 74-Jährige bei ihrem Sohn in Schweden aufhielt. Da sie dort nicht zu erreichen war, erwirkte die Staatsanwaltschaft Göttingen einen Durchsuchungsbeschluss, um die Hintergründe ihres Verschwindens aufklären zu können. Nachdem eine erste Suchaktion ergebnislos verlief, setzte die Polizei bei einer erneuten Suche zwei Leichenspürhunde ein. Diese fanden dann die einbetonierte Leiche.

Schläge gegen Rippen und Schläfe

Obwohl das mutmaßliche Gewaltverbrechen schon so lange zurückliegt, können die Ermittler die Tat zeitlich offenbar relativ genau eingrenzen. Laut Anklage soll der 47-Jährige am 22. September 2017 in der Zeit zwischen 14.20 und 16.17 Uhr mehrfach mit einem auf dem Kaminsims abgelegten Schürhaken auf seine Mutter eingeschlagen haben, erst mindestens dreimal gegen die rechte untere Schläfe, danach ein- bis zweimal gegen die Rippen. Die Mutter sei durch die Schläge zu Boden gegangen und anschließend an den Folgen verstorben.

Zuletzt in Schweden gelebt

Der 47-Jährige, der sich von zwei Anwälten verteidigen lässt, machte zu Beginn des Prozesses nur Angaben zu seiner Person. Sein Anwalt Professor Steffen Stern erklärte, dass ein Mandant die Vorwürfe zunächst zurückweise. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er einen Beruf erlernt habe, sagte der Angeklagte, dass er in Göttingen Germanistik studiert habe. Er sei geschieden und habe zuletzt in Schweden gelebt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin nach Schweden auswandern wollte, um dort eine Husky-Farm zu gründen. Auf Internet-Portalen hatte sich der Angeklagte als Auswanderer präsentiert, der sich einen Traum von Freiheit und Abenteuer erfüllt habe.

Untersuchungshaft seit Mai

Der 47-Jährige war bereits frühzeitig ins Visier der Ermittler geraten. Zeugen hatten den Sohn der Ermordeten um die mutmaßliche Tatzeit in Herzberg gesehen. Nachdem sich der Verdacht erhärtet hatte, ließ die Staatsanwaltschaft Göttingen mit einem Europäischen Haftbefehl nach ihm fahnden.

Als die Polizei den 47-Jährigen an seinem Wohnort in Schweden verhaften wollte, war er verschwunden. Nach einer groß angelegten Fahndung mit Hubschraubern und Polizeihunden nahmen ihn die Beamten in der Provinz Västerbottens Iän fest. Einige Tage später wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Seit Ende Mai sitzt der 47-Jährige in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf in Untersuchungshaft.

Hobbyläufer des Jahres

Dort kannte man ihn bereits. Vor einigen Jahren hatte sich der 47-Jährige nach Südafrika abgesetzt, um einer von der bayerischen Justiz verhängten mehrjährigen Haftstrafe wegen Betruges zu entgehen.

Nachdem er einige Zeit in Südafrika im Gefängnis gesessen hatte, wurde er im Herbst 2011 nach Deutschland ausgeliefert und erregte dann in der JVA Rosdorf einige mediale Aufmerksamkeit. Weil er im Knast mit dem Lauftraining begonnen und an Marathonveranstaltungen teilgenommen hatte, kürte ihn der Deutsche Leichtathletikverband 2013 zum Hobbyläufer des Jahres.

Von Heidi Niemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen 16. Göttinger Entenrennen - Lions spenden 30.000 Euro

Elf Vereine, Einrichtungen und Initiativen dürfen sich in diesem Jahr über Spendenerlöse aus dem 16. Göttinger Entenrennen freuen. Vertreter der Lions übergaben am Montagabend symbolische Schecks.

27.11.2018

Betteln trotzt Grundsicherung? In Göttingen stellt sich diese Frage erneut: Govinda Hohmann sind die Bezüge gekürzt worden, weil er seine Einnahmen aus Spenden aufs Konto einzahlte.

28.11.2018

Weil er gemeinsam mit Komplizen zweimal einen Mann in dessen Wohnung im Stadtteil Weende überfallen und ausgeraubt hat, muss ein 27-jähriger Angeklagter aus Göttingen eine Freiheitsstrafe von vier Jahre verbüßen. Das hat das Landgericht Göttingen entschieden.

27.11.2018