Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Passat vor der Stilllegung
Die Region Göttingen Passat vor der Stilllegung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:59 11.03.2018
Dem VW Passat 2.0 TDI droht die Stilllegung. Quelle: M93

Der Göttinger Autobesitzer Thomas S. (wirklicher Name der Redaktion bekannt) ist einer davon. Sein Problem: Sein VW Passat 2,0 L TDI mit 140 PS ist mit dem Betrugsmotor EA 189 ausgerüstet. Der Wagen verfügt über die illegale Abgas-Abschaltvorrichtung, mit der die Abgasbehandlung zu einem erheblichen Teil aufgehoben wird, wenn der Wagen nicht auf einem Prüfstand steht. Damit stößt der Wagen deutlich größere Schadstoffmengen aus als zugelassen.

Gekauft hatte Thomas S. den Wagen, Baujahr 2013, im November 2015 direkt vom VW-Gebrauchtwagencenter, Abteilung Leasing GmbH – zwei Monate, nachdem US-Behörden die Manipulationen aufdeckten. Vor dem Kauf, sagt der Passat-Besitzer, sei ihm zugesichert worden, dass das Fahrzeug nicht betroffen sei.

Doch im Juli vorigen Jahres schickte Volkswagen dem Passat-Käufer eine Aufforderung, sein Fahrzeug zwecks „Software-Update“ in eine dazu autorisierte Fachwerkstatt zu bringen. Das lehnt Thomas S. bis heute ab. Seine Gründe: Zweifel, ob das angebotene Software-Update eine ausreichende Nacherfüllung zur Vermeidung von Fahrverboten darstelle und die Befürchtung, dass technische Schäden durch die Umrüstung nicht ausgeschlossen seien. Der Passat-Besitzer sieht sich durch Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte der Uni Duisburg-Essen, bestätigt, der geäußert hatte, die Update-Folgen müssten „eigentlich“ in Langzeit-Studien untersucht werden, „aber die gibt es nicht“.

Seine Bedenken teilte Thomas S. VW im August mit und schlug den Kauf eines neuen VW Tiguan bei gleichzeitiger Rückgabe seines Passat vor. Eine Antwort bekam er zunächst nicht.

Dafür meldete sich im Oktober 2017 das Kraftfahrt-Bundesamt. Mit einer Drohung: zum 9. Januar 2018 würden seine Halter- und Fahrzeugdaten an die Göttinger Zulassungsbehörde übermittelt. Die könne dann den Weiterbetrieb seines Wagens untersagen. „Um vorgenannte Konsequenzen zu vermeiden“, heißt es weiter, „wird dringend empfohlen, an der Ihr Fahrzeug betreffenden Rückrufaktion sehr zeitnah teilzunehmen.“

Anfang Dezember meldete sich VW doch noch, lehnte aber eine Rücknahme des Passat ab. VW habe schon immer erklärt und garantiert, dass dem Kunden durch das Software-Update (im VW-Jargon im Rahmen einer „Vertrauensbildenden Maßnahme“) keine Nachteile entstehen würden. Dies betreffe insbesondere Kraftstoffverbrauch, CO2-Ausstoß, Motorleistung, Drehmoment und Geräuschentwicklung. Thomas S. schrieb zurück, er fasse diese Zusage „als Garantie auf die durch das Update betroffenen Teile und möglichst erweitert auf den Partikelfilter“ auf, der laut Medienberichten nach der Umrüstung häufig Probleme bereite. Eine Antwort darauf kam jedoch nicht.

Anfang Februar 2018 wurde die Stadt Göttingen tätig. Der Fachbereich Ordnung und Umwelt forderte Thomas S. auf, sein Fahrzeug bis zum 6. März umrüsten zu lassen. Andernfalls müsse er mit der „Betriebsuntersagung des Fahrzeugs“ rechnen.

Damit steckt Thomas S. In einem Dilemma: Lässt er nicht umrüsten, droht die Stilllegung. Lässt er umrüsten, weiß er nicht, was mit dem Motor und der Abgastechnik seines Wagens geschieht. Und: Kommt es zu einem Rechtsstreit mit VW, beispielsweise über die Rückabwicklung des Kaufvertrags, wäre sein Wagen als Beweismittel unbrauchbar. Mit diesem Argument konnte kürzlich ein VW-Amarok-Fahrer die Stilllegung seines Fahrzeugs gerichtlich abwenden.

Volkswagen erklärt zum Fall des Passat von Thomas S., eine generelle Garantie könne der Konzern nicht geben. Dann könnten auch die Besitzer alter Fahrzeuge auf die Idee kommen, Schäden auf Garantie beheben zu lassen, die auch ohne Update aufgetreten wären. Statt einer allgemeinen Garantie biete VW seinen Kunden eine Kulanzlösung, die jedoch an einige Voraussetzungen gekoppelt sei, erläutert VW-Sprecher Nicolai Laude. Die Gesamtlaufleistung darf 250000 Kilometer nicht überschreiten, der Wagen muss alle durch den Hersteller empfohlenen Service- und Wartungsarbeiten durchlaufen haben und muss sachgemäß behandelt worden sein.

Angst vor Schäden durch das Update seien unbegründet, erklärt Laude. Weltweit seien bereits sieben Millionen der betroffenen Fahrzeuge mit der neuen Software versehen, die seitdem mittlerweile um die 1,5 Milliarden Kilometer zurückgelegt hätten: „Wenn es da systematische Probleme gegeben hätte, wüssten wir das“, meint Laude. Es habe jedoch nur in sehr wenigen Fällen Probleme gegeben, die dann in Zusammenarbeit mit den Fachwerkstätten möglichst kulant behandelt würden. Jeder Einzelfall werde geprüft.

Die Stilllegungsdrohung für den Passat von Thomas S. ist kein Einzelfall. Insgesamt fünf Fahrzeughalter hat die Stadt Göttingen mit der Androhung einer Zwangsstilllegung angeschrieben, erklärt Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Drei hätten ihr Auto mittlerweile einer Nachrüstung unterzogen, bei zweien stehe dies noch aus. Immer aber geschehe die Androhung auf Veranlassung des Kraftfahrzeug-Bundesamtes.

So ist es auch im Landkreis Göttingen. Dessen Verwaltung forderte sechs Fahrzeughalter auf, die Teilnahme an der Rückrufaktion zur Beseitigung der Abgasmanipulationssoftware nachzuweisen. Fünf haben mittlerweile daran teilgenommen, teilt Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann mit. Nur von einem Halter liege noch keine Rückmeldung vor. Erst wenn die Frist ohne Update abgelaufen sei, könne das Fahrzeug stillgelegt werden. Bundesweit betreffen die bislang ausgesprochenen Stilllegungen in erster Linie VW Golf, VW Passat und Audi A4.

Von Matthias Heinzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Kreisverband Göttingen - Piraten wählen neuen Vorstand

Einen neuen Vorstand haben die Göttinger Piraten während ihrer Kreismitgliederversammlung gewählt. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Francisco Welter-Schultes gewählt, Vorsitzender der Piraten- und Partei-Ratsgruppe. Der bisherige erste Vorsitzende Daniel Isberner ist künftig sein Stellvertreter.

11.03.2018
Göttingen Frei lebende Katzen in Niedersachsen - Kastrationsaktion: Fördersumme aufgebraucht

200000 Euro hatte das Land Niedersachsen für die Kastration wild lebender Katzen zur Verfügung gestellt. Bis zum 15. März sollten Tierschutzvereine, Tierheime und Betreuer von Katzenfutterstellen besitzerlose Tiere kastrieren lassen können. Doch die Gelder sind seit Anfang Februar schon aufgebraucht.

11.03.2018

Ihr Konzert im vergangenen Jahr in der TUI-Arena war in Windeseile ausverkauft. Aber jetzt gehen die „Toten Hosen“ in die Verlängerung: Am 1. Juni spielen die „Hosen“ auf der Expo-Plaza in Hannover. Der Ticketverkauf hat bereits begonnen. (siehe unten)

11.03.2018
Anzeige