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Göttingen Albaniplatz: Mit Autos oder ohne?
Die Region Göttingen Albaniplatz: Mit Autos oder ohne?
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21:14 04.12.2018
Albaniplatz von oben: Wo fließt der Verkehr künftig entlang? Quelle: Christina Hinzmann /
Göttingen, Göttingen

Wo sollen künftig Autos im Bereich der Göttinger Stadthalle entlang fahren? Die Halle wird umgebaut und saniert. Parallel dazu soll auch das Umfeld umgestaltet werden. Aber wie? Darüber diskutieren die Mitglieder des Bauausschusses des Rates in der Sitzung am Donnerstag, 6. Dezember.

Bereits im November wurde über das Thema ohne Beschluss im Ausschuss diskutiert, nun steht es erneut auf der Tagesordnung. Zwei Varianten der Verkehrsführung, nämlich 1 und 2a, sind gemäß der Verwaltungsvorlage möglich. Die Albani-Kirchengemeinde, Grüne und Piraten beispielsweise sprechen sich für eine „modifizierte Variante 3“ aus. Die wird nach Vorstellungen der Verwaltung allerdings nicht weiterverfolgt, weil sie „ungünstiger“ als die derzeitige Situation sei.

„Vorzugsvariante“ vor der Albanischule

Die Variante 1 verläuft durch den Cheltenhampark und hätte somit Baumfällungen und eine Verkehrsbelastung im Park zur Folge. Deshalb schlägt die Verwaltung vor, die Variante 2a weiter zu verfolgen. Die sieht vor, dass die Straße „Albaniplatz” verlegt wird. Und zwar von der Ostseite des Platzes auf die Westen, also von der Stadthallenseite auf die Seite der Albani-Kirche und der Albani-Schule. Diese Verkehrsführung wird von der Verwaltung als „Vorzugsvariante” angesehen und soll für die Umsetzung empfohlen werden. Dadurch könnte die Theaterstraße also gradlinig fortgesetzt werden. Gemäß der Verwaltungsvorlage habe man die „Bestandssituation gutachterlich untersucht und bewertet”. Das habe den Ausschlag für die Variante entlang der St.-Albani-Kirche und der Albanischule gegeben.

Variante eins war bereits ausgeschieden

In der Untersuchung sei an acht Knotenpunkten im direkten Umfeld der Stadthalle der Verkehr gezählt worden. In einem zweistufigen Verfahren wurden dann Kriterien wie die Leistungsfähigkeit, Einflüsse auf Nachbarknoten, Auswirkungen auf das Umfeld, die Grünanlagen und den den Radverkehr sowie Sicherheitsaspekte und Möglichkeiten der Platzgestaltung untersucht.

Quelle: Christina Hinzmann

Daraufhin schied die Variante eins aus. Gründe dagegen sind gemäß der Vorlage beispielsweise die „negativen Auswirkungen auf den Cheltenhampark”, die „Fällung von wertvollem gesunden Baumbestand” und „zusätzliche Lärm- und Abgasbelastungen am Hainholzweg”. „Maßgeblich dazu beigetragen haben auch die Konflikte der Querung der Nord-Süd-Radverkehrsachse von und zur Universität. Verkehrlich führt diese Variante zu keinen Verbesserungen gegenüber der Bestandssituation und führt zu Umwegfahrten”, so der Schluss der Stadtverwaltung.

Voraussichtlich 150 Fahrzeuge

Die Variante 2a führe zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit und ermögliche einen vom motorisierten Verkehr befreiten Übergang der beiden wichtigen öffentlichen Bereiche Albaniplatz und dem Naturdenkmal Cheltenhampark. Allerdings müssen, so die Stadtverwaltung, die Auswirkungen auf die Albanischule berücksichtigt werden. Um den Verkehr sicher vor Schule und Kirche entlang zu leiten, müssten beispielsweise Gehwegbreiten, Querungen und Kurzzeitparkplätze geplant werden.

Zu Spitzenzeiten fahren bis zu 258 Fahrzeuge pro Stunde über den Albaniplatz nebst Parkplatz. Das, so die Verwaltung, liege deutlich unter der für Wohnstraßen empfohlenen Menge von maximal 400 Autos. Wenn, wie in der Planung vorgesehen, die oberirdischen Parkplätze zugunsten einer Tiefgarage wegfallen, reduziere sich die Verkehrsstärke voraussichtlich auf unter 150 Fahrzeuge und entspräche somit dem Charakter eines Wohnwegs.

Der Bauausschuss tagt am Donnerstag, 6. Dezember, um 16 Uhr im Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende, Seminarraum in Haus 6; Dachgeschoss

Sieben Meinungen und drei Varianten: Das sagen Politik, Kirche und Pro City:

Über die künftige Gestaltung der Verkehrsführung im Bereich Stadthalle gibt es unterschiedliche Auffassungen. Bereits in der vergangenen Sitzung des Bauausschusses hatten sich Vertreter der Albanischule gegen die Variante 2a ausgesprochen.

Auch die ebenfalls direkt am Albaniplatz liegende Kirchengemeinde ist skeptisch. „Wir sollten jetzt in Ruhe überlegen und nicht auf die Schnelle planen”, sagt Martin Hauschild, Pastor an St.-Albani. Er begrüßt es, dass der Albaniplatz aufgewertet werden soll, und spricht sich auch dafür aus, den Wall wieder, ohne Unterbrechung herzustellen. „Es ist gut, dass sich etwas tut”, sagt der Pastor. Allerdings wünsche sich die Kirchengemeinde eine Variante, in der auch die Südseite als Platz aufgewertet wird und der Lieferverkehr über das Geismar Tor geführt wird – eine modifizierte Variante drei. Ein weiteres Argument für die Verlagerung des Verkehrs vom Albaniplatz weg: „Wir haben schon jetzt statische Probleme im Chorraum der Kirche”, sagt er.

Anders sieht das der Verein Pro City. Dort gibt es eine klar andere Meinung: „Wir sind für eine Verkehrsführung über den Albaniplatz“, teilt der Vorstand mit. „Nur mit der Variante 2a bleibt die Qualität und Funktionalität der Innenstadt erhalten, ohne dass weitere Nachteile entstehen“, so der stellvertretende Vorsitzende, Robert Vogel. Der Verein, der die Interessen der Innenstadtanlieger vertritt, spricht sich dafür aus, dass die Erreichbarkeit der Stadt mit sämtlichen Verkehrsmitteln schnell und unkompliziert gewährleistet sein soll. Die Aufhebung der Fußgängerzone in der Kurzen Geismarstraße und die damit verbundene Umkehrung der Einbahnstraßenregelung in der Langen Geismarstraße – wie es die Variante 3 vorsieht – lehnt Pro City ab. „Sie bietet für Fußgänger und Autofahrer nur Nachteile“, so Vogel. Pro City fordert zudem die zeitnahe Umsetzung eines Parkleitsystems, das bereits vom Rat der Stadt beschlossen ist. Eine Tiefgarage unter dem Albaniplatz begrüßt der Pro-City Vorstand ausdrücklich.

Abstimmen über das Vorhaben müssen die Ratspolitiker. Auch dort gehen die Meinungen auseinander. Die CDU-Fraktion: „Wir sprechen uns nach derzeitigem Stand der Faktenlage für die Variante 2a aus”, sagt Fraktionsvorsitzender Olaf Feuerstein. Mit dieser Lösung sei auch der Theaterplatz gut angebunden. „Das macht Sinn.” Für die detaillierte Planung müsse man aber noch Gespräche führen.

Ähnlich sieht das die FDP-Fraktion. Den Park dürfe man nicht opfern, findet Felicitas Oldenburg. Deshalb spreche sich die FPD für die Variante 2a aus. „Allerdings müssen die Belange der Albanischule und der Kirchengemeinde berücksichtigt werden“, sagt Oldenburg.

Die SPD-Fraktion hingegen spricht sich für die Variante 1 durch den Cheltenhampark aus. Der größte Vorteil ist nach Ansicht der SPD gegenüber der Variante 2a darin zu sehen, dass weder Albanischule noch Albanikirche eine Straße vor ihre Gebäude auf dem tiefen Niveau des jetzigen Pausenhofes bekommen. „Dies wird es mit der SPD-Ratsfraktion nicht geben“, so der Fraktionsvorsitzende Tom Wedrins. Darüber hinaus biete die Variante 1 „wesentlich mehr städtebauliche Gestaltungsmöglichkeiten entlang der Herzberger Landstraße“, so Sylvia Binkenstein. Dass eine Vielzahl von Bäumen gefällt werden müsse, sei falsch.

Anders die Grünen-Fraktion: „Wir sprechen uns schon seit Langem dafür aus, dass keine Straße über den Albaniplatz führt”, sagt Fraktionsvorsitzender Rolf Becker. Die Grünen favorisieren eine modifizierte Variante 3, die eine verkehrliche Erschließung über die Kurze Geismarstraße/Kaufland vorsieht. Die Abfahrt wäre dann über die Karspüle geregelt, der Albaniplatz frei vom Autoverkehr.

Das ist auch die Meinung der Piraten. Die wollen mit einem Antrag im Rat am 14. Dezember einen Antrag von Francisco Welter-Schultes einbringen. Ziel: das Innenstadtleitbild in Bereich der südöstlichen Parksuchschleife zu ändern. Damit soll Umkehrung der Einbahnstraßenregelung der Straßen unterhalb der Albanikirche ermöglicht werden. Außerdem fordern die Piraten eine Offenlegung der Verkehrsdaten. „Der Verzicht auf eine Kfz-Verkehrsführung könnte eine erhebliche Steigerung der Qualität in der städtebaulichen Gestaltung des Albaniplatzes mit sich bringen und sollte ernsthaft, mit den dazu notwendigen Verkehrsdaten geprüft werden“, so Welter-Schultes.

Von Britta Bielefeld

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