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Göttingen „Wir wollen keine Fahrradrennstrecke“
Die Region Göttingen „Wir wollen keine Fahrradrennstrecke“
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16:00 25.06.2018
Protest gegen Asphaltierung Jahnweg Quelle: r
Göttingen

Ein Weg mit „besonderem Flair“. Ein Ort, an dem man seine Kinder spielen lassen und Enten beobachten kann. „Ein ruhiger Weg für Mensch, Pflanze und Tier.“ Ein Weg, idyllisch von Weiden und Kleingärten eingegrenzt, direkt am Leinekanal. Diese Sätze beschreiben einen Weg zwischen Jahnstraße und Freibad am Brauweg und stammen von Menschen der Umgebung. Für sie ist die kurze Strecke offenbar mehr als die bloße Verbindung zwischen zwei Orten.

Am Donnerstag vergangener Woche sollte dieser Weg entsprechend der Planung des Nahmobilitätskonzepts für die Südstadt ausgebaut werden. Eine Gruppe von Menschen stellte sich den Baumaschinen entgegen, stoppte die Maßnahme und besuchte anschließend den Bauausschuss, um ihren Protest zu artikulieren. Am Wochenende nun luden sie zur Begehung des Weges ein – auch um zu zeigen, dass es sich hier nicht um den Protest Einzelner handelt. Und tatsächlich kamen rund 100 Menschen, 80 hätten sich in den eigens eingerichtete Mailverteiler eingetragen, heißt es in der Pressemitteilung des Bündnisses „Weg am Leinekanal“.

Ist ein breiter Weg sicherer?

Hauptanlass für den Protest ist die Befürchtung, der Weg könne nach seiner Asphaltierung und Verbreiterung zu einer Rennstrecke für rücksichtslose Fahrradfahrer werden und die Sicherheit damit auf der Strecke bleiben. „Ich konnte meine Kinder hier ohne Sorge spielen lassen, der Weg war nicht sonderlich breit und verlangte allen Passanten eine gegenseitige Rücksichtnahme ab“, erklärt Wiebke Freymuth. Ein breiter asphaltierter Weg hingegen verleite viele Radfahrer, hier richtig Gas zu geben, glaubt die Mutter. Auf einem der entlang des Weges aufgehängten Zettel heißt es passend dazu: „Wir wollen keine Fahrradrennstrecke“

Auch die Ratspolitik, die einst einstimmig für einen Ausbau der Strecke votiert hatte, argumentierte mit der Sicherheit. Für Eltern mit Kleinkindern, Menschen mit Gehhilfen oder auch Fahrradfahrer sei die unbefestigte Strecke nur mit Schwierigkeiten oder Risiko zu passieren. In der jetzigen Auseinandersetzung verweist die Verwaltung auf diesen Beschluss und ein damals mit die großer Bürgerbeteiligung abgeschlossenes Verfahren.

„Sowas tut nicht not“

Argumente, die bei den Menschen vor Ort kaum verfangen, so Paulus Paulerberg für die Initiative. Unter den protestierenden Anwohnern seien auffallend viele Eltern, Senioren oder Rollstuhlfahrer, also Menschen, die laut Verwaltung von dem Ausbau des Weges profitieren sollen. So erzählt ein 89-jähriger Bewohner des Quartiers, er habe viele Jahrzehnte den naturnahen Charakter des kleinen Wegs am Leinekanal genossen. Und auch wenn er heute oftmals auf den asphaltierten Fußweg am Brauweg ausweiche, betont er: „Hier ist es einfach wunderschön.“ Zu den Plänen der Verwaltung ergänzt er: „Wenn die mich gefragt hätten, hätte ich gesagt, sowas tut nicht not.“

Im Rathaus hat man derweil eine Rechnung aufgestellt. Durch die Verzögerung der Bauarbeiten seien mittlerweile Kosten von 4600 Euro entstanden: 800 Euro für die Entsorgung der bereits vorbereiteten Bitumen-Mischung und 3800 Euro für den Stillstand. Aktuell werde geprüft, ob man diese Summe den protestierenden Anwohnern in Rechnung stelle, so Verwaltungssprecher Dominik Kimyon.

Von Markus Scharf

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