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Göttingen Bioenergiezentrum im Rat umstritten
Die Region Göttingen Bioenergiezentrum im Rat umstritten
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23:15 14.01.2018
Quelle: CH
Göttingen

Beantragt hatte die Diskussion in der Dezember-Ratssitzung die Linke. Nicht umstritten ist der positive Effekt auf die CO2-Bilanz: Die Anlage soll mit Totholz oder anderweitigem nicht nutzbaren Holz betrieben werden. Streitpunkte sind hingegen die Frage, ob das bisher im Realbetrieb unerprobte Verfahren zu einem vermehrten Ausstoß von Feinstaub im Nano-Bereich und sogar des Supergifts Dioxin führen kann – und das mitten in der Stadt, am Maschmühlenweg/Ecke Hildebrandstraße. Die Planungen waren notwendig geworden, weil das Heizkraftwerk in der Godehardstraße in die Jahre gekommen ist.

Gerd Nier (Linke) erklärte im Rat, die Unbedenklichkeit und Ungefährlichkeit der geplanten Holzvergasung, die Verwertung der Aschen sowie vergaberechtliche und Haftungsfragen seien nicht geklärt. Mehrere Göttinger Wissenschaftler hätten dazu erhebliche Bedenken geäußert, sagte Nier.

Katharina Schüle-Rennschuh (CDU) erklärte, zu viele Fragen seien offen. Unter anderem seien in der Vereinbarung zwischen Göttinger Stadtwerken und der Boson Energy SA als Kraftwerkbauer sehr viele Fragen ungeklärt, beispielsweise zur Sicherheit, zur Haftung und zur Kontrolle während des Betriebes. Demgegenüber sagten Tom Wedrins (SPD) und Sabine Morgenroth (Grüne), die Anlage sei wichtig für den Klimaschutz und zudem nötig, um das Fernwärmenetz weiterhin wirtschaftlich betreiben zu können.

Weitere Kritik kam hingegen von Edgar Schu (Linke). Bei dem Versuch, Unterlagen zu dem Projekt einzusetzen, sei er als Ratsmitglied sehr zu einer positiven Haltung gedrängt worden. Seiner Kenntnis nach stehe das Luxemburger Unternehmen „auf der Kippe“ und drohe unterzugehen, wenn das Göttinger Projekt platze.

Geplant wird das Kraftwerk von den Göttinger Stadtwerken und der Boson Energy SA in Luxemburg. Das 2009 gegründete Unternehmen aus Luxemburg entwickelt Anlagen auf dem Gebiet der biogenen Wärme- und Energiegewinnung. Das neue Heizkraftwerk wird aus einem Holzhackschnitzelkessel und für eine Testphase von zwei Jahren aus einer Holzvergaseranlage bestehen, wofür die reichhaltigen Vorkommen an Holz und Altholz in Südniedersachsen genutzt werden sollen.

Bei der Holzvergasung wird die eingesetzte Biomasse unter Ausschluss von Sauerstoff zersetzt und in ein brennbares Gasgemisch überführt, das einen Gasmotor antreibt, der so Wärme und Strom erzeugt. Pyrolyse-Anlagen werden normalerweise bei Temperaturen ab 200 Grad Celsius betrieben. Boson habe aber das Patent auf die Pyrolyse im Hochtemperaturbereich ab 1000 Grad Celsius, bei dem alle schädlichen Prozessrückstände wie Ruß und Teer vermieden werden. Der Testbetrieb in Göttingen soll von der Göttinger Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) begleitet werden. Das neue Bioenergiezentrum soll vorwiegend Fernwärme liefern.

Der Spatenstich für das Bioenergiezentrum ist bislang für das Frühjahr 2018 geplant. Anfang 2019 soll es den Testbetrieb aufnehmen.

Von Matthias Heinzel

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