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Göttingen Nach Ärger um Baderegeln dürfen Eltern nun mitrutschen
Die Region Göttingen Nach Ärger um Baderegeln dürfen Eltern nun mitrutschen
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00:17 06.11.2018
Badeparadies Eiswiese in Göttingen: Hausverbot wird hier selten ausgesprochen. Quelle: Vetter
Göttingen

In diesen Tagen meldete sich Tabea Raad in der Tageblatt-Redaktion mit einer eher ungewöhnlichen Geschichte. Man habe sie unter Einsatz der Polizei aus dem Schwimmbad verwiesen und ihr Hausverbot erteilt, schilderte die junge Mutter. Ihr Vergehen: Sie sei mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter und einer Patentante Baden gewesen. Man habe sich überwiegend im Bereich des Kinderbeckens aufgehalten und ab und zu die kleine Rutsche benutzt – gemeinsam. Das Problem: Ein Schild an der Rutsche weist eindeutig darauf hin, dass diese nur von Kindern bis sechs Jahren genutzt werden darf.

Entsprechend wies der diensthabende Schwimmmeister die Frauen darauf hin, dass das Kind nur alleine rutschen könne. Das aber könne ihre Tochter aufgrund einer motorischen Einschränkung eben nicht, erzählte Raad dem Tageblatt. Als sie das dem Mitarbeiter habe erklären wollen, habe der geantwortet, dass ihn das nicht interessiere. Für die folgende Auseinandersetzung gehen die Schilderungen auseinander. Die Kundin sei ausfallend geworden, heißt es auf der einen Seite. Der Schwimmmeister habe mit der Alarmierung der Polizei völlig überreagiert, sagt die junge Mutter. Beleidigungen? „Nein, schon gar nicht vor den Kindern“, sagt sie. Er habe einen widerlichen Charakter, habe sie ihm lediglich attestiert.

„Sehr unglücklich“ gelaufen

Für Alexander Frey, Geschäftsführer der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH (GoeSF), ist die Situation „sehr unglücklich“ gelaufen. Der Kollege habe nicht sagen wollen, dass ihm die Erkrankung des Mädchens egal sei, sondern dass sie lediglich für die Auslegung der Baderegel keine Rolle spiele. Andererseits aber habe die Kundin betont, sie werde trotz des Verbots weiterhin mit ihrer Tochter dort rutschen. Auch sei sie der Aufforderung, das Bad zu verlassen, nicht nachgekommen. Beides seien klare Regelverstöße. Der Mitarbeiter habe in der Situation keine andere Möglichkeit gesehen, als die Polizei einzuschalten.

„Kein Schwimmmeister will eine solche Situation eskalieren lassen“, betont Frey. Alle Mitarbeiter würden im Zuge ihrer Ausbildung aber auch in regelmäßigen Schulungen auf schwierige Situationen im Umgang mit Badegästen vorbereitet. Es komme selten vor, dass Kunden des Bades verwiesen werden müssten. Mit Blick auf den damit verbundenen möglichen Imageschaden für das Bad durchaus nachvollziehbar.

Happy End im Badeland?

Ein klärendes Gespräch mit allen beteiligten Ende der Woche brachte zunächst keine Einigung. Und dennoch scheint die Geschichte ein glückliches Ende zu nehmen. Denn Frey hat die Kritik der Mutter zum Anlass genommen, die Regeln an der Kinderrutsche auf den Prüfstand zu stellen. „Wir haben bei der Herstellerfirma angerufen und erfragt, ob eine Nutzung durch Erwachsene technisch möglich ist und grünes Licht bekommen.“

Also wurde entschieden, dass Kinder hier künftig bei Bedarf in Begleitung der Eltern rutschen dürfen. Happy End für Raads kleine Tochter? Gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, wieder zum Baden und Rutschen in die Eiswiese zu gehen, sagte Raad: „Für die Kleine werde ich das wohl machen.“ Aber erst einmal müssen sich noch ein bisschen die Wogen glätten.

Von Markus Scharf

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