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Göttingen Streit um Leichentransport im Polizeiauftrag
Die Region Göttingen Streit um Leichentransport im Polizeiauftrag
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20:50 11.01.2010
Lukrativer Einsatz im Dienst der Öffentlichkeit: Leichentransport nach einem Tötungsdelikt. Quelle: Elsner
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Das Geschäft mit dem Tod ist heikel, offen darüber reden will kaum jemand. Dabei brodelt es mächtig in der Bestatterszene in und um Göttingen. Hintergrund sind Aufträge der Polizei. Sie bearbeitet in Stadt und Landkreis Göttingen nach Angaben ihrer Pressestelle jährlich etwa 400 Todesermittlungsverfahren. In vielen Fällen muss die Leiche dann für weitere Untersuchungen in die Gerichtsmedizin gebracht werden. Grundsätzlich entscheiden auch bei ungeklärtem und unnatürlichem Tod die Angehörigen, welcher Bestatter gerufen wird. Haben sie aber keinen entsprechenden Wunsch oder sind sie nicht erreichbar, beauftragt die Polizei ein Unternehmen. Das sind nach ihren Angaben etwa 80 Fälle im Jahr. Fälle, die einem Bestatter viel Geld einbringen können. Denn häufig schließen sich mehrere Fahrten zu Obduktionen an und nicht selten geben die Angehörigen später die gesamte Beerdigung in die Hand des Unternehmens.
Viele Behörden rufen die Bestatter abwechselnd an. „Das geht reihum nach der Liste aller Bestatter“, erklärt Göttingens Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Das Ordnungsamt habe jährlich etwa 100 Fälle dieser Art. Die Göttinger Polizei hingegen rufe „zu 90 Prozent“ einen „bevorzugten“ Göttinger Unternehmer an, klagen andere Bestatter. Das sei „unfair und wirtschaftspolitisch eine Katastrophe“. Dadurch habe er gerade erst eine Familie an die Konkurrenz verloren, die seit Jahrzehnten bei Todesfällen eigentlich seine Dienste in Anspruch genommen habe, sagt einer der Kritiker.

Kripo-Chef Volker Warecke streitet auch nicht ab, dass er und seine Kollegen gerne und häufiger als andere ein ganz bestimmtes Unternehmen rufen würden. Bei Ermittlungen nach einem Todesfall sei es wichtig, dass am Tatort und mit der Leiche behutsam und fachlich versiert gearbeitet werde. Und der Bestatter müsse zu jeder Zeit schnell, gut ausgestattet und mit genug Trägern am Einsatzort sein. In diesem Sinne habe sich das bevorzugte Unternehmen „über die Jahre sehr bewährt“. Eine Aussage, die andere Bestatter auf die Palme bringt. „Wir gehören zu den ältesten und erfahrensten Unternehmen in der Stadt und sind vom Dachverband sogar zertifiziert“, protestiert der Bestatter.

Vor gut einem Jahr wollte die Polizei selbst einen klar geregelten Weg einschlagen und hat die Transporte in ihrem Auftrag ausgeschrieben. Damals seien 25 Bestatter direkt angeschrieben worden, bestätigt Polizei-Pressesprecher Matthias Althaus – mit „wenig Resonanz“. Die Ausschreibung habe auch formale Fehler gehabt, erklärt Warnecke, warum sie im Januar zurückgezogen worden sei. Dass eine Neuauflage jetzt schon ein Jahr lang auf sich warten lässt, sei „sicher etwas ungeschickt, aber kein böser Wille“. Ein Grund dafür: Die Ausschreibung solle auf alle Inspektionen in Südniedersachsen ausgeweitet werden. Das erfordere eine umfangreiche Abstimmung.
Unklar ist unterdessen die Zielrichtung des Verfahrens. In einem Brief an die Bestatter erklärte Polizeipräsident Hans Wargel, dass es bei der Auswahl neben Schnelligkeit und Leistungsfähigkeit auch auf die „Wirtschaftlichkeit“ eines Unternehmens ankomme – also auf ein „kostengünstiges“ Angebot. Zugleich beschreibt er aber auch: Ziel sei ein Rotationsverfahren analog zum Vorgehen der Stadt. Warnecke sieht darin keinen Widerspruch. Gedacht sei an ein „Rotationsverfahren unter den leistungsfähigen und ähnlich günstigen“ Unternehmen. Bis die ermittelt sind, werde weiter nach dem „bewährten“ Verfahren angerufen.

Von Ulrich Schubert

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