Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Alle sind für Erdkabel, Streit gibt es trotzdem
Die Region Göttingen Alle sind für Erdkabel, Streit gibt es trotzdem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:33 27.09.2018
Erdkabel ja oder nein? Info-Veranstaltung des Ortsrates Groß Ellershausen Quelle: Brakemeier
Hetjershausen

Ortsrat Groß Ellershausen, Stadtverwaltung und Netzbetreiber Tennet wollen sie: die Erdverkabelung der geplanten Starkstromtrasse Wahle-Mecklar für das Teilstück zwischen Hetjershausen und Olenhusen auf Rosdorfer Gebiet. Doch mit welchen planerischen Mitteln kann hier die unterirdische Verlegung erreicht werden?

Knackpunkt, an dem sich am Mittwochabend bei einer Info-Veranstaltung des Ortsrates eine teils vehement geführte Diskussion entzündete, ist die Frage, ob im Südosten von Hetjershausen das von der Stadtverwaltung gewünschte Neubaugebiet Wakenbreite weiterhin geplant wird oder nicht. Vor rund 60 Zuhörern machten Stadtbaurat Thomas Dienberg und Tennet-Vertreter Ralf Schneider deutlich, dass das geplante Baugebiet den Planern der 380-Kilovolt-Starkstromtrasse gegenüber der Planfeststellungsbehörde ein weiteres Argument für eine Erdverkabelung auf dem 5,5 Kilometer lange Trassenstück geben würde.

Wirtschaftlich ab drei Kilometern

Nach jetzigen Plänen stellt die Nähe der geplanten Trasse zur Wohnbebauung in Olenhusen für Tennet ein so genanntes Auslösekriterium dar, das Kabel unter der Erde zu verlegen. Hier kann der im Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (EnLAG) festgelegte Mindestabstand von 400 Metern zur Wohnbebauung nicht eingehalten werden. Damit sich die im Vergleich zur Freileitung teurere Erdverkabelung wirtschaftlich rechnet, benötige die Trasse unter der Erde mindestens drei Kilometer, erläuterte Schneider. Ein drei Kilometer langer Trassenabschnitt würde bei der Autobahnauffahrt Göttingen beginnen und entlang von A 7 und Bahntrasse südwestlich von Olenhusen enden.

„90 Meter hohe“ Freileitungsmasten

Das Baugebiet Wakenbreite südwestlich von Hetjershausen wäre, so Schneider, ein weiteres Kriterium, die Trasse auch im nördlichen Abschnitt als Erdkabel zu verlegen. Auch hier wäre dann der Abstand der Leitung zu den neuen Häusern kleiner als 400 Meter. Ohne dieses gebe es das Risiko, dass im Bereich Hetjershausen doch eine Freileitung gebaut werden müsste. Dienberg und Schneider brachten „90 Meter hohe“ Freileitungsmasten ins Spiel, mit denen dann etwa das Wasserschutzgebiet am Gronespring überspannt werden müsste.

Mögliches Baugebiet Wakenbreite in Hetjershausen Quelle: Christina Hinzmann

Das Problem: Für das Baugebiet Wakenbreite gibt es derzeit nur einen Aufstellungsbeschluss. Um zu signalisieren, dass die Stadt Göttingen dort wirklich Bauland schaffen will, benötigt es nach Ausführungen Dienbergs weitere Schritte im Planungsverfahren. Der Ortsrat will die Ausweisung des Baugebietes inzwischen aber verhindern und hat sich in eine Zwickmühle katapultiert: Er habe, wie Ortsbürgermeisterin Heidrun von der Heide (SPD) formuliert, den Bürgern zwei Versprechen gegeben: Für die Starkstromtrasse wird es eine Erdverkabelung geben, und die Wakenbreite wird nicht als Baugebiet ausgewiesen.

Misstrauen im Ortsrat gegenüber Verwaltung

Wie betroffene Anwohner, denen durch die Neubauten die Sicht ins Leinetal verbaut würde, fürchtet der Ortsrat, dass der Ort „zerfasert“, wie von der Heide erläuterte. Zudem, so die Angst bei einigen Ortsratsmitgliedern und Anwohnern, würden durch das derzeit mit neun Grundstücken relativ klein geplante Gebiet „Tür und Tor“ für weitere Neubauflächen geöffnet. Dass potenzielle Bauunternehmer entsprechende Vorschläge im Bauausschuss bereits unterbreitet haben, nährt im Ortsrat das Misstrauen gegenüber der Verwaltung.

2014 hatten Ortsrat und Bauausschuss für den Aufstellungsbeschluss für die Wakenbreite gestimmt. Tennet war an die Verwaltung herangetreten mit der Bitte zu prüfen, ob die Freileitung im Bereich Hetjershausen in eine Erdverkabelung überführt werden könne, heißt es im Protokoll der Ortsratssitzung vom April. Auf die Nachfrage des Ortsrates, ab wann in der Wakenbreite gebaut werden könne, antwortete der Verwaltungsvertreter damals, dass eine Weiterführung der Bauleitplanung nicht geplant sei. Der heutige Ratsvorsitzende und damalige Vorsitzende des Bauausschusses, Christian Henze (SPD), nannte den Beschluss von damals am Mittwoch eine „Verhinderungsplanung“ gegen eine Freileitung.

Risiko Freileitung „überschaubar“

Der Ortsrat lehnt eine tatsächliche Bebauung in dem Bereich Wakenbreite aus den genannten Gründen ab. Die Verwaltung hingegen sucht angesichts knappen Wohnraums in der Stadt inzwischen nach Bauland. Auch deshalb plädiert Dienberg dafür, die Planungen für die Wakenbreite voranzutreiben.

Anders als Dienberg und Schneider, die die Chancen für eine Erdverkabelung durch das Baugebiet Wakenbreite erhöhen wollen, hält Ortsbürgermeisterin von der Heide das Risiko, das eine Freileitung im Bereich Hetjerhausen auch ohne das Baugebiet gebaut wird, für „überschaubar“. Sie stützte sich am Mittwoch auf Aussagen von Landtagsabgeordneten und Landesministerien. Wer die Aussagen getroffen hat, ließ die Orstbürgermeisterin unbeantwortet. Ohne Namen zu nennen, fasste Von der Heide die darin enthaltenen Antworten in eigenen Worten zusammen.

Von Michael Brakemeier

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Initiativen auch in Stadt und Landkreis Göttingen - Zu Fuß zur Schule statt mit dem „Elterntaxi“

Gemeinsam zu Fuß zur Grundschule gehen, statt mit dem „Elterntaxi“ direkt bis zum Schultor gebracht zu werden: Diese Idee findet auch in Stadt und Landkreis Göttingen immer mehr Befürworter. In einigen Kommunen wird sie bereits konkret umgesetzt.

27.09.2018

Zum zweiten Mal veranstaltet die Dorfinitiative Mingerode am Sonnabend, 29. September, das Apfelfest.

27.09.2018

Zwei Monate lang hatten Maya und Friedel Deventer am Fassadengemälde am Gebäude des Mittagstischs in Göttingen gearbeitet. Nun haben es Unbekannte, offenbar als Kritik an der Kunstaktion, zerstört.

29.09.2018