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Göttingen Survival-Trainer René Golz vermittelt das Überleben im Oberharz
Die Region Göttingen Survival-Trainer René Golz vermittelt das Überleben im Oberharz
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00:18 20.05.2013
Feuer muss sein, auch in der Wildnis: Survival-Trainer René Golz zeigt im Oberharz, wie es ohne Streichhölzer und Feuerzeug geht. Quelle: EF
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Göttingen

Letzteren muss der Outdoor-Gourmet Beine und Flügel entfernen. Anderenfalls bleiben ihm die Insekten aufgrund von Widerhaken im Hals stecken.

Käfer sind vor dem Essen leicht zu drücken. Wenn es dann schlecht riecht, lässt Golz sie weiterkrabbeln. Die anderen Käfer landen im Kochtopf.

Um größere Tiere zu erbeuten, baut der Trainer mit Kursteilnehmern auf dem 16 Hektar großen Übungsgelände im Oberharz Fallen. Sie werden im Anschluss sofort wieder demontiert, da Wilderei in deutschen Wäldern verboten ist. Vom Jäger erhält Golz frisch geschossenes Wild. Es wird an den Hinterbeinen aufgehängt.

Dann wird den Tieren das Fell über die Ohren gezogen. Ein Messer dürfen Teilnehmer mitnehmen, außerdem einen Schlafsack und eine Taschenlampe. Für Leute, die größere Herausforderungen suchen, gibt es Kurse über 24 Stunden oder mehrere Tage ohne jede Ausrüstung.

Feuer mit Birkenrinde

Wildnis-Fans können einiges lernen. Feuer ist zum Beispiel mit Flintsteinen zu machen. Beim Schlagen gilt es mit den sprühenden Funken abgeschabte Birkenrinde zum Glimmen zu bringen. Sie fängt aufgrund der enthaltenen ätherischen Öle selbst in nassem Zustand Feuer.

Bis es soweit ist, müssen Anfänger allerdings lange vorsichtig pusten. Ohne Feuer geht es nicht. Golz rät dringend davon ab, irgendetwas im Wald roh zu essen. Zu groß ist die Gefahr, sich unangenehme Parasiten und Krankheiten einzufangen. Die Kleingruppen von maximal fünf Personen essen neben Fleisch unter anderem Brennnesseln und Löwenzahn. Aus zerquetschten Fichten- oder Kiefer-Nadeln bereiten sie sich einen Tee zu.

Mindestens 100 Meter vom Platz entfernt, an dem die Lebensmittel aufbewahrt, das Essen zubereitet und verzehrt wird, entsteht das Schlaflager. Der Grund: Der Geruch des Essens lockt nachts zahlreiche Tiere an. Damit es nicht zu gefährlichen Begegnungen mit Waschbären oder Wildschweinen kommt, werden beide Bereiche großräumig voneinander getrennt.

Schlaflager getrennt von Essen

Als Schlaflager dient ein Unterstand, dessen Gerüst die Kursteilnehmer aus herumliegenden Baumstämmen errichten. Zur Abdeckung könnte man Zweige verwenden. Um die Natur zu schonen, stellt Golz Plastikfolie zur Verfügung.

Der gebürtige Hallenser bietet die Survivaltrainings seit Juni 2011 an. Das Waldgrundstück im Oberharz stellt ihm eine niederländische Firma zur Verfügung. Er schaut im Gegenzug auf dem Gelände nach dem Rechten. Golz bietet die Kurse auch an seinem Hauptwohnsitz in Südspanien an. Dorthin ist der gelernte Fotograf und umgeschulte Dreher 1998 ausgewandert. Er lebt mit Frau und Tochter auf einer Finca.

Weil die Finanzkrise von 2009 in Spanien die Arbeitslosigkeit nach oben schießen ließ, kam er zum Arbeiten zurück nach Deutschland. Er ist für die Firma F & K Haustechnik in Bodensee tätig.  Das Überleben in der Wildnis hat ihn schon während seiner Kindheit in einer DDR-Plattenbausiedlung fasziniert.

Flucht über Ungarn

Halle an der Saale gehörte zum Zentrum der Chemieindustrie und war entsprechend verseucht. Golz verbrachte die Ferien im Erzgebirge, wo der Vater mit ihm lange Wanderungen unternahm. Weil es ihn in sonnige Gefilde zog, flüchtete der 18-Jährige eine Woche nach Abschluss seiner Lehre mit einem Freund über Ungarn. Allerdings wurden sie gefasst. Wenn Golz über seine Zeit in DDR-Gefängnissen sprechen will, bleibt ihm noch immer die Stimme weg.

Er beginnt zu zittern. Zu schrecklich waren die Erlebnisse. Im Februar 1989 ist er von der Bundesrepublik freigekauft worden.

In Osnabrück fand er Arbeit. Seine Freizeit verbrachte er in der Natur. Wenn er anderen davon erzählte, stieß er auf reges Interesse. Auf Nachfrage begann er Leute mitzunehmen. Die meisten seiner heutigen Kursteilnehmer lieben die Natur und suchen das Abenteuer.

Sorgen um Zukunft

Ein Drittel sorgt sich um die Zukunft. Finanz- und Eurokrise lassen sie das Schlimmste befürchten. Sie wollen sich auf den Tag nach dem Zusammenbruch des Wirtschaftssystems vorbereiten. „Für mich ist das Schönste an den Kursen das Leuchten in den Augen der Leute, wenn sie merken, dass sie in der Wildnis klar kommen“, sagt Golz.

Kehren die Teilnehmer dann in den Alltag zurück, erscheint ihnen ihr bisheriges Leben surreal. Sie müssen nicht zwei Stunden mit knurrendem Magen arbeiten, bis das Frühstück fertig ist, sondern schalten einfach die Kaffeemaschine an.

Weitere Informationen unter survivaltours-abenteuer.de

Von Michael Caspar

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