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Göttingen Tageblatt-Wochenendkolumne von Markus Scharf
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21:38 25.10.2013
Von Markus Scharf
Markus Scharf
Göttingen

Und die euphorischen Stimmen sind zahlreich. Sicht- oder gar greifbare Relikte der Geschichte seien „identitätsstiftend“, ein Anziehungspunkt für Reisende und gar „archäologisches Kulturgut“.

Bei aller Freude am Vergangenen sollte man die tatsächliche historische Bedeutung der Entdeckungen aber nicht ganz aus den Augen verlieren. Nicht jedes Fundstück ist ein Exponat, nicht jeder unterirdische Wasseranschluss gehört unter Glas.

Im Fall des Brunnenfundaments auf dem Marktplatz hat Stadtarchäologin Betty Arndt herrlich unaufgeregt festgestellt, dass der Fund, von dem große Teile lediglich aus dem vergangene Jahrhundert stammen, unter der Erde sehr gut aufgehoben seien.

Bei den alten Römern hingegen darf man durchaus schon mal hysterisch historisch werden. Das will unsere Kreistagsmehrheit aber lieber nicht. Kostet Geld, nicht zuständig, und überhaupt sei da auf dem Hügel ja überhaupt nichts zu sehen.

Der christdemokratische Antrag, das „Juwel“ Römerlager nach Vorbild des Harzhorns aufzuwerten und eventuell mit einem Historienfest präsent zu machen, wird kassiert. Denn diese Rollenspieler mit ihren Tuniken aus Ikeagardinen sind doch nicht ganz echt. Stimmt. Aber eben doch hübsch historisch.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist: Unter dem Titel „Abgekupfert – Roms Antiken in den Reproduktionsmedien der Frühen Neuzeit“ zeigen zwei universitäre Sammlungen ab Sonntag Abgüsse der berühmtesten antiken Statuen Roms. Bewerben wir es mit Goethe: „Jetzt seh ich, jetzt genieß ich erst das Höchste, was vom Altertum übrig blieb, die Statuen.“

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