Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Kirchenspaltung war vermeidbar
Die Region Göttingen Kirchenspaltung war vermeidbar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 17.10.2016
Martin Luther Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

"Wäre es gelungen, Luther innerhalb der römischen Kirche zu halten, dann hätte sich die Geschichte des Christentums seit dem 16. Jahrhundert völlig anders entwickelt", sagte Kaufmann. Stattdessen habe der Papst den kritischen Mönch und Professor Martin Luther (1483-1546) zum Ketzer erklärt und exkommuniziert.

Vorstellung auf Frankfurter Buchmesse

Im Streit um Luther hatte sich die abendländische Kirche in einen evangelischen und einen römisch-katholischen Zweig gespalten. Der evangelische Theologie-Professor Kaufmann fasst die umwälzenden Ereignisse in seinem neuen Buch "Erlöste und Verdammte" zum 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017 auf dem jüngsten Stand der Forschung zusammen. Er ordnet das Geschehen in die europäische Geschichte der frühen Neuzeit ein und wirft einen Blick auf die Wirkung jener Epoche bis heute. Kaufmann gilt als einer der führenden Reformationshistoriker in Deutschland. Sein Werk wird vom 19. bis 23. Oktober bei der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

Nach der Logik des frühen 16. Jahrhunderts habe sich der Papst in Rom mit dem Bann gegen Luther eines Kritikers entledigen wollen, sagte Kaufmann: "Der Mann hat gestört." Durch seine Ernsthaftigkeit habe Luther "bestimmte Erscheinungen des zutiefst dekadenten römisch-katholischen Kirchenwesens der Zeit" infrage gestellt. Luther verdanke sein Überleben vor allem der Tatsache, dass der sächsische Kurfürst ihn geschützt habe: "Ansonsten wäre er den Weg aller Ketzer gegangen, und das heißt: die Exekution durch das Feuer."

Nachlass im Jenseits

Luther hatte Ende Oktober 1517 mit seinen berühmten 95 Thesen zum Ablasswesen eine Ereigniskette ausgelöst, die am Ende zur Gründung der evangelischen Kirche führte. Mit "Ablassbriefen" versprach die Kirche damals den Menschen gegen Geldzahlung einen Nachlass bei den Sündenstrafen im Jenseits. Laut Kaufmann gab es anfangs hochrangige Kirchenführer, die Luthers Ablasskritik für zutiefst berechtigt hielten. Eine verbindliche Kirchenlehre vom Ablass habe es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. "Es war zunächst eine offene Situation."

Am Ende habe sich eine bestimmte papstzentrierte Lesart der Ablasslehre durchgesetzt und das weitere Vorgehen Roms bestimmt. Die Rechtsgrundlage, um Luther zum Ketzer zu erklären, sei sogar erst nachträglich formuliert worden - im November 1518. "Die Kirche erkennt, dass ihre disziplinarischen Möglichkeiten im Hinblick auf diesen verworfenen Ketzer nicht mehr funktionieren und gibt ihn der Verdammnis preis", sagte Kaufmann. Luther habe dieses "Nein der Papstkirche" dann seinerseits bejaht und die Papstkirche verworfen. epd lnb mig mil

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Tierparkbesuche, Kirmes, Handarbeitsmessen und mehr: Das Wochenende in Südniedersachsen lädt zu Unternehmungen ein. Hier einige Tipps der Redaktion zu Veranstaltungen am Wochenende.

14.10.2016

Ein Bleiberecht für Kosovo-Roma, die 1999 nach Deutschland geflohen sind, ist am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen gefordert worden. Schlechte Noten und häufige Fehlzeiten in der Schule seien „kein Zeichen mangelnder Integration“, sagte Rechtsanwältin Fatme Merve Özdemir.

16.10.2016
Göttingen 90 Millionen Euro - Wer knackt den Jackpot?

Noch ist es ruhig gewesen in den Göttinger und Duderstädter Lottoannahmestellen am Donnerstag. Doch am Freitag um 18.50 Uhr schließt die Annahme der Eurojackpot-Zettel - mit nur sieben Kreuzen lassen sich 90 Millionen Euro gewinnen, mehr geht nicht. Ein Anreiz für viele, auf ihr Glück zu setzen.

16.10.2016
Anzeige