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Göttingen Einmal über die Alpen
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00:25 10.09.2018
Thomas Oppermann (links) und Stephan Weil (Zweiter von rechts) überqueren mit Freunden die Alpen. Quelle: r
Göttingen

Dass Thomas Oppermann einmal im Jahr eine Woche lang wandert, ist nichts Neues. Das tut er seit fast 40 Jahren, immer in Begleitung alter Studienfreunde. Anders als sonst: In diesem Jahr ist der Bundestagsvizepräsident nach einer Woche weitermarschiert. Einmal über die Alpen.

19.000 Höhenmeter in 20 Tagen

Einfach einmal aussteigen? Etwas ganz anderes machen? Und wenn es nur für eine kurze Zeit ist? Die eigenen Grenzen ausloten und den Kopf freibekommen? Den einen ist das alles zu sehr Klischee, den anderen tiefes Bedürfnis, aber vermutlich die wenigsten gehen es wirklich an. Thomas Oppermann hat genau das jetzt getan. Er hat im Sommer zu Fuß die Alpen überquert. 340 Kilometer, 19.000 Höhenmeter in 20 Tagen – das ist die Bilanz in dürren Zahlen. Tatsächlich aber war es eine Reise voller Erfahrungen, die auf den ersten Blick simpel wirken, im Arbeitsalltag aber schnell unter die Räder kommen. Gelegentlich sogar buchstäblich.

Wandern seit der gemeinsamen Studienzeit in Göttingen

Seit fast vier Jahrzehnten wandert Oppermann mit vier Studienfreunden jeweils eine Woche lang. Zu der Gruppe gehören der Rechtsanwalt Manfred Wiegandt, der Richter am Bundesgerichtshof Nikolaus Berger, der Generalstaatsanwalt Norbert Wolf und der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. Oppermann über seine Studienfreunde: „Wir kennen uns seit 38 Jahren und haben uns während unseres Studiums in Göttingen kennengelernt. Es gibt nicht viele Freundschaften, die seit dem ersten Semester über vier Jahrzehnte bestehen. Wenn die richtigen Leute zusammenkommen, dann lässt sich jeder Berg überwinden. Das war im Studium so und ist bis heute so geblieben.“

Einmal über die Alpen

In diesem Jahr ist’s nicht bei einem Berg geblieben. Oppermann hatte sich gleich die Alpen vorgenommen. Genauer: die Strecke von Bad Tölz nach Belluno, eine Teilstrecke des Traumpfades von München nach Venedig. In der ersten Woche haben den Göttinger Bundestagsabgeordneten seine Freunde begleitet, die übrigen zwei Wochen ist er alleine weitermarschiert. „Mit der Alpenüberquerung habe ich mir einen langgehegten Traum erfüllt“, sagt Oppermann. „In den zehn Jahren an der Spitze der SPD-Bundestagsfraktion war ich so stark eingebunden, dass ich diese Möglichkeit nicht gehabt habe.“

Berghütten, Dachböden, Kuhställe

Von Bad Tölz ging es über Brauneck und Jachenau mit einer Zwischenstation an der Benediktenwand ins österreichische Hinterriß. Weiter ging es über das Karwendel-Gebirge, die Tuxer Alpen und die Zillertaler Alpen nach Südtirol, dann durch die Dolomiten und schließlich nach Belluno. Die ersten fünf Tage ist die Gruppe gemeinsam gewandert, vom Karwendel aus hat der Sozialdemokrat seinen Weg alleine fortgesetzt. Einmal pro Woche hat sich Oppermann ein Hotelzimmer gegönnt, die anderen Nächte in Berghütten, auf Dachböden und ehemaligen Kuhställen verbracht. Ausgestattet nur mit dem, was in seinen Rucksack gepasst hat. Gewichtslimit: 9 Kilo. Seine Rückschau darauf: „Nach stundenlangem Wandern und Klettern freut man sich auf die einfachen Dinge: ein warmes Abendessen und einen trockenen Schlafplatz auf der Hütte.“ Und: „Unbezahlbar: Auf der Hütte mit Menschen zusammenzurücken, die man zwar nicht kennt, aber die dasselbe Ziel haben.“

Sisyphos als glücklicher Mensch

Ganz geheim war der Plan der Alpenüberquerung allerdings nicht. Oppermann hatte die ungefähre Absicht einmal bei Markus Lanz geäußert und nach der Talkshow einige Zuschriften mit konkreten Routenvorschlägen bekommen. Damit war die Entscheidung dann gefallen. Hat er es bereut? Offensichtlich nicht: „Wenn man einen ganzen Tag in der einzigartigen Naturlandschaft der Alpen gewandert ist und die Tagesetappe geschafft hat, empfindet man eine ganz tiefe Zufriedenheit. Es gibt kein besseres Mittel, um den Kopf richtig frei zu bekommen.“ Und: „Immer wieder Berggipfel zu erklimmen und wieder abzusteigen, nur, um dann wieder auf den nächsten Berg zu kommen, erinnert ein bisschen an Sisyphos. Aber Albert Camus hat gesagt: Man muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ Thomas Oppermanns wesentliche Erkenntnis nach dieser besonderen Wanderung: „Es ist im Leben wie beim Wandern: Man steht auf, schnürt die Schuhe, packt seine Sachen und macht sich auf den Weg. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen, aber auch Chancen. Und neue Wegbegleiter, die das Leben bereichern können.“

Von Christoph Oppermann

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