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Göttingen „Tiere werden Menschen vorgezogen“
Die Region Göttingen „Tiere werden Menschen vorgezogen“
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19:43 23.02.2012
Brücken-Diskussion: Mehr als 100 Besucher haben viele Fragen und machen ihrem Unmut Luft. Quelle: CR
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Roringen/Waake

Aber sie wollen auch ihren Ärger loswerden: über das Planungsverfahren, die Brücke selbst und ihre Leitzäune an der Straße. Das Land Niedersachsen baut am Södderich für 2,6 Millionen Euro eine 50 Meter breite Brücke über die B 27. Sie soll der seltenen Wildkatze und anderen Waldtieren einen sicheren Weg über die viel befahrene Straße bieten. Bezahlt wird sie aus dem Konjunkturförderprogramm des Bundes. Bei der Vorbereitung seien Vertreter der Kommunen – Bovenden, Stadt Göttingen und Radolfshausen – einbezogen worden, versicherte Harro Herzberg vom Dezernat Planung und Umweltmanagement der Landesbehörde für Straßenbau. Zuvor hatten sich Ortspolitiker aus Roringen und Waake beklagt, dass alle Entscheidungen heimlich und ohne Öffentlichkeit getroffen worden seien. Wenigstens die Orts- und Gemeinderäte hätten informiert werden müssen.

Wissen wollten auch viele Kritiker, warum die Brücke  gerade an diesem Standort gebaut wird. Zum einen gebe es offenbar keine gesicherten Zahlen über die Wildkatzenpopulation, nur zehn überfahrene Wildkatzen in zehn Jahren zwischen Roringen und Ebergötzen und davon die meisten auch noch auf der Ostseite des Ortes. Herzbergs Erklärung: Mehrere Untersuchungen würden deutlich zeigen, dass ein wichtiger Wander- und Lebensraumkorridor der Tiere um Waake führt. Auf  der Ostseite gebe es zwar mehr Wildunfälle, aber der Standort Södderich habe viele andere Vorteile für einen Brückenbau – zum Beispiel die Topografie. „Und zwei Brücken können wir uns nicht leisten“, so der Planer.

Der dritte Kritikpunkt: Damit die Tiere die Brücke annehmen, soll sie für Menschen tabu sein. „Wir können sie nicht sperren, legen aber auch keine Wege an“, so Herzberg. „Da werden also Tiere dem Menschen vorgezogen“, klagte ein Zuhörer. Damit die Tiere die Brücke finden, wird beidseitig ein zwei Kilometer langer Zaun an der Straße aufgestellt. Auch dadurch fühlen sich viele eingeengt, die vorgesehenen Tore für Forst und Wanderer seien zu wenige. Zudem soll ein vielgenutzter alter Weg zur Mackenröder Spitze offenbar gesperrt bleiben,  weil es dort im Vorjahr einen tödlichen Unfall gab. Über die Durchlässe „können wir noch reden“, versicherte der Planer.

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