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Göttingen Till Rummenhohl rettet Flüchtlinge im Mittelmeer
Die Region Göttingen Till Rummenhohl rettet Flüchtlinge im Mittelmeer
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00:18 24.09.2017
Till Rummenhohl rettet Flüchtlinge im Mittelmeer. Quelle: Kenny Karpov/SOS MEDITERRANEE
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Göttingen

„Sterben für das Paradies - Erlebnisse einer Rettungsmission auf dem Mittelmeer“ lautete der Titel des fast zweistündigen Vortrags. Rummenhohl zeigte zu Beginn einen kurzen Film mit Bildern aus verschiedenen Krisenregionen. „Man muss das anschauen, um zu verstehen, warum die Menschen her wollen“, erklärte er. Sein Ziel sei es, den Zuhörern diejenigen näher zu bringen, die über das Mittelmeer nach Europa kämen. Die meisten Flüchtlinge stammten aus West- und Ostafrika.

Anhand kurzer Stichpunkte gab der Schiffbaustudent einen knappen Überblick über die oft desaströse politische Situation in Ländern wie Senegal, Guinea, Mali, Somalia oder Eritrea. Anhand eines kurzen Dokumentarfilms versuchte Rummenhohl dann zu veranschaulichen, wie gefährlich bereits der Weg durch die Sahara nach Libyen sei, den die Migranten zumeist mit Hilfe von Schleppern und unter ständiger Bedrohung, gekidnappt zu werden, auf sich nähmen. Es würden dreimal so viele Menschen in der Wüste sterben wie im Mittelmeer, sagte der 25-Jährige.

Ein halbes Jahr auf dem Meer

Anschließend nannte er ein paar Zahlen. So seien im vergangenen Jahr etwa 360000 Menschen nach Europa geflohen, ungefähr 4400 hätten im Mittelmeer den Tod gefunden. Im aktuellen Jahr seien bereits jetzt schon 30 Prozent mehr Menschen ertrunken als im Vorjahr. Um möglichst viele zu retten, gebe es Hilfsorganisationen wie SOS Méditerranée, der sich Rummenhohl im August des letzten Jahres angeschlossen habe, um vor der libyschen Küste Menschenleben zu retten. Seitdem habe er an drei Missionen teilgenommen und sei insgesamt fast ein halbes Jahr auf dem Meer unterwegs gewesen, sagte der Student. Das erste Mal habe er sich bereits mit 15 im Zuge einer Facharbeit mit der afrikanischen Migrationsproblematik auseinandergesetzt.

Till Rummenhohl rettet Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Quelle: Kenny Karpov/SOS MEDITERRANEE

Mehr als 23000 Menschen habe SOS Méditerranée seit Februar 2016 an Bord ihres Schiffes versorgt, 82 Prozent davon seien männlich, da Frauen oft nicht das nötige Geld für die Reise aufbringen könnten. Eine Besonderheit seiner Hilfsorganisation sei, dass sie ganzjährig im Einsatz ist, so Rummenhohl. „Auch im Winter, während andere Organisationen sich zurückziehen müssen aufgrund des Wetters, bleiben wir draußen.“ 11000 Euro koste jeder Tag die Nichtregierungsorganisation, die sich durch private Spenden finanziere.

Ablauf einer Rettungsmission

Anhand eines Videos erläuterte Rummenhohl schließlich den Ablauf einer Rettungsmission und erklärte, welche Schritte von den Helfern eingeleitet werden, sobald sie ein Flüchtlingsboot auf offener See entdeckt haben. Besonders wichtig sei, dass die Rettung ruhig und geordnet ablaufe. „Wir haben erfahren, dass bei den Rettungen die Menschen nicht sterben, weil sie ertrinken, sondern weil sie sich in einer Massenpanik selbst erdrücken.“

Am Ende seines Vortrags warb der Student noch um Menschlichkeit und Verständnis für die Flüchtlinge hierzulande. Es müsse den Migranten geholfen werden, damit sie nicht in die Strukturen ihres alten Lebens zurückfielen. „Drogenhandel und Prostitution, ja, das ist eben der Weg, Geld zu kriegen, wenn man keine andere Möglichkeit hat.“ Er sei jedes Mal glücklich, wenn er von einer Mission komme, weil er anderen Menschen geholfen habe und eine Zeit lang menschlich gewesen sei, sagte Rummenhohl. „Menschlichkeit ist was Schönes und es macht süchtig. Und irgendwie haben wir vergessen, dass wir eigentlich alle menschlich sind.“

Von Maximilian Zech

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