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Göttingen Verstorbenen das letzte Geleit geben
Die Region Göttingen Verstorbenen das letzte Geleit geben
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13:51 12.09.2018
Mitglieder der Tobiasbruderschaft bei einer der Trauerfeiern. Quelle: r
Göttingen

Seit fast zehn Jahren organisiert die Tobiasbruderschaft Göttingen würdige Trauerfeiern für Verstorbene, die keine Familie mehr haben. Derzeit engagieren sich 40 Mitglieder in der evangelischen Gemeinschaft. Am Donnerstag wird Landesbischof Ralf Meister nach Göttingen kommen, um gemeinsam mit der Bruderschaft in der Corvinuskirche um 18 Uhr den Tobiastag zu feiern.

Wie eine „Ersatzfamilie“ kümmere sich die Tobiasbruderschaft in Göttingen um etwa 70 Verstorbene pro Jahr, die keine Familie mehr haben, erklärt Pastor Martin Hauschild. Dafür kommen die Brüder einmal im Quartal zusammen, um den Toten „das letzte Geleit“ zu geben. Bevor sich die Tobiasbruderschaft gegründet hat, seien die Verstorbenen gesammelt beigesetzt worden. „Das war nicht gut“, sagt Hauschild. Zwar kümmere sich die Stadt um die Beerdigung und den Grabstein, eine Trauerfeier habe es aber nicht gegeben. Deshalb habe sich die Tobiasbruderschaft gegründet. „Es ist eine wunderbare Aufgabe, die nichts kostet außer ein bisschen Lebenszeit“, sagt Hauschild.

Zu den Feiern lädt die Bruderschaft eine Woche vorher mit einer Traueranzeige, die die Namen aller Verstorbenen enthält, in der Zeitung ein. So soll Nachbarn, Freunden oder Kollegen die Möglichkeit gegeben werden, sich in würdigem Rahmen zu verabschieden. „Wir sind so etwas wie ein Kristallisationspunkt, zu dem ganz viele Menschen kommen“, erklärt Hauschild. Von 8.55 bis 9.05 werden dann die Glocken der vier evangelisch-lutherischen Innenstadtkirchen geläutet. „Das ist ein Zeichen, das wir der Stadt senden wollen: Vergesst sie nicht.“

Trauern einen Ort und eine Form geben

Wie bei Trauerfeiern üblich gibt es auch bei der Tobiasbruderschaft eine Predigt und es wird gemeinsam gebetet und gesungen. „Es ist etwas ganz Schlichtes, aber ganz wirkungsvoll“, sagt Hauschild. Jede Urne trage ein Namensschild und sei um eine große Kerze herum arrangiert. Angehörige könnten dann ein kleines Teelicht entzünden und vor die entsprechende Urne stellen. „Es ist schön zu sehen, wer zu wem gehört“, findet Hauschild. Trauern solle so ein Ort und eine Form gegeben werden.

Das Engagement der Tobiasbruderschaft, die nach eigenen Angaben allen Männern, die sich in christlicher Verantwortung sozial-diakonisch engagieren möchten, offen steht, werde positiv aufgenommen. „Manchmal bekommen wir Post von Menschen, die sich bedanken, viele tun das aber auch schon auf dem Friedhof“, erzählt Hauschild.

Die Toten, um die sich die Tobiasbruderschaft kümmert, werden anschließend in einer gemeinsamen Urnenstelle beigesetzt. Über die Jahre habe die Zahl der Verstorbenen, die keine Familie haben, zugenommen, berichtet Hauschild. Das sei aber ein deutschlandweites Phänomen und nicht nur in Göttingen zu beobachten.

Der Namen Tobiasbruderschaft gehe auf einen Bruder Tobias im Alten Testament zurück, berichtet Hauschild. Dieser habe Tote heimlich unter Lebensgefahr begraben, weil dies verboten worden war. Und so feiert die Tobiasbruderschaft jedes Jahr am 13. September den Tobiastag.

Von Nora Garben

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