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Göttingen Übergriff am Ostersonntag – mitten im Lager
Die Region Göttingen Übergriff am Ostersonntag – mitten im Lager
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15:33 18.10.2017
Quelle: dpa
Göttingen

Der schmächtige Mann auf der Anklagebank wirkt zwischen Verteidiger und Dolmetscher fast ein wenig teilnahmslos. Gerade hatte er über Rechtsanwalt Stefan Heuer erklären lassen, dass er den Großteil der Vorwürfe einräume und die Taten ernsthaft bedauere. Er könne sich selber nicht erklären, wie es dazu habe kommen können und wolle sich entschuldigen. Auf Nachfrage des Gerichts, ob er diese Ausführungen persönlich noch etwas hinzufügen möchte, verweist der Angeklagte auf deutliche Erinnerungslücken.

Dabei liegt die Tat, die in dem Reigen der Anklagen am schwersten wiegt, noch nicht lange zurück. Eine junge Frau, die erst wenige Wochen zuvor nach Deutschland gekommen war, saß am Nachmittag des Ostersonntags mit ihrem Ehemann auf einer Bank im Grenzdurchgangslager Friedland – in der Nähe der Kapelle, wo der Handyempfang besser ist. Als ihr Mann kurz weggegangen war, sei sie von einem Fremden in einer ihr unbekannten Sprache angesprochen worden.

Von der Bank auf den Boden gezogen

Gegenüber der Polizei schilderte sie später, der Mann habe sie von der Bank auf den Boden gezogen, sich auf sie gesetzt, ihr vorübergehend den Mund zugehalten und versucht, ihr die Hose herunterzuziehen. Trotz ihrer Gegenwehr sei es dem Angreifer gelungen, sich und sein Opfer teilweise zu entkleiden. Dem Eingreifen eines weiteren Bewohners des Lagers war es zu verdanken, dass es nicht zur Penetration gekommen sei. Ihr Retter – ein Landsmann des Angeklagten – hatte die Hilferufe der Frau gehört und den 26-Jährigen von ihr heruntergezogen. Ihm gegenüber soll der Angeklagte gesagt haben: „Gib mir noch Zeit“ und „Halt dich da raus.“ Das tat er nicht. Statt dessen übergab er den Mann an Mitarbeiter der Landesaufnahmebehörde.

Laut Polizei war der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt bereits aus zwei anderen Flüchtlingsaufnahmeeinrichtungen wegen sexueller Delikte verwiesen worden. Die Anklageschrift listet zwei Fälle in Bad Fallingbostel und einen weiteren in Westerode auf, wo er Frauen gegen ihren Willen angefasst, an sich gezogen oder geküsst haben soll. Das Gericht und die prozessbeteiligten Parteien signalisierten allerdings schon am ersten Verhandlungstag, dass diese Taten sich wohl nicht entscheidend auf das Gesamtstrafmaß auswirken würden, zumal sie schwer zu beweisen sein dürften. Einige Zeuginnen haben nicht auf die Ladungen des Gerichts reagiert.

Übergriffe im Regionalzug

Anders sieht die Beweislast in zwei Fällen aus, bei denen der 26-Jährige in einem Regionalzug zwischen Göttingen und Friedland Frauen belästigt und angefasst haben soll. Hier unterstützen Filmaufnahmen die Aussagen der Opfer. Der 26-Jährige habe jeweils zunächst signalisiert, ein Gespräch beginnen zu wollen, dann aber schnell körperlichen Kontakt gesucht und schließlich die Frauen an Brust und Gesäß angefasst. Heftige Gegenwehr und das Eingreifen von Mitreisenden verhinderten Schlimmeres.

Das Verfahren wird in der kommenden Woche fortgesetzt, der Angeklagte bleibt in Untersuchungshaft.

Von Markus Scharf

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