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Göttingen Ansprache trinkfreudiger Jugendlicher
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15:30 26.02.2018
Manche Jugendlichen neigen zu riskantem Konsum von Alkohol. Quelle: Patrice Kunte
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Göttingen/Duderstadt

„Bei der Arbeit mit jungen Menschen fallen immer mal wieder einzelne auf, die zu einem riskanten Konsum von Alkohol und leichten Drogen neigen“, berichtet Steiniger, die beim Landkreis für den erzieherischen Jugendschutz zuständig ist. Die Betroffenen hielten sich in der Regel für nicht gefährdet, da noch keine schwerwiegenden Folgeprobleme aufgetreten seien. Sie nutzten daher kaum Beratungsangebote. „Sozialarbeiter und Lehrer wiederum scheuen oft davor zurück, Betroffene anzusprechen“, weiß die Mitarbeiterin des Landkreises. Häufig seien sich die Pädagogen nicht sicher, ob sie mit ihren Beobachtungen richtig lägen.

„Move vermittelt Kenntnisse, um riskanten Konsum zu erkennen“, führt Steininger aus. „Mir hat es geholfen, mehr über die verschiedenen Stadien einer Suchtkarriere zu erfahren“, sagt Johannes Roger Hanses vom Duderstädter Kinder- und Jugendtreff Jufi. Er habe das Programm vor gut einem Jahr durchlaufen und könne nun besser einschätzen, wo jemand gerade stehe. „Move richtet sich an Gefährdete, nicht an Abhängige“, betont Steininger.

Handwerkszeug für Gespräche

Das praxisorientierte Programm, so die Jugendschützerin, vermittle das Handwerkszeug für kurze Gespräche über das Konsumverhalten und dessen Folgen. Dabei würden bestehende Alltagskontakte genutzt. „Während der dreitägigen, sehr intensiven Fortbildung, haben wir in Kleingruppen das Führen von beiläufigen Gesprächen zwischen Tür und Angel geübt und uns gegenseitig Feedback gegeben“, erzählt Hanses. Dabei habe sich gezeigt, dass viele gewohnte Gesprächsmuster „korrekturbedürftig“ seien. Wenn zum Beispiel jemand mit einem Problem komme, neigten viele dazu, die eigene Leidensgeschichte zu erzählen. Im Kontakt mit suchtgefährdeten Jugendlichen gehe es aber nicht um „eine Therapie für mich“, meint Hanses. Zielführender sei des, zu zuhören und herauszufinden, wo das Problem des jungen Menschen liege.

Nicht den Pfadfinder spielen

„Ein anderer typischer Fehler ist, dass wir sofort den Pfadfinder spielen“, meint Hanses. Nur zu schnell sage ein Erwachsener: „Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich dies oder jenes tun.“ Damit überfahre er junge Menschen. Bei Move unterstütze der Erwachsene Betroffene dabei, selbst eine Lösung für ihre Probleme zu finden.

„Wir wollen nicht belehren, sondern zum Nachdenken über kritische Verhaltensweisen anregen“, ergänzt Steininger. Move mache keine Vorschriften. Diese werden ohnehin oft missachtet. Stattdessen gelte es, die Motivation zu Veränderungen zu wecken und zu stärken. Der junge Mensch bestimme dabei das Tempo. „Die Entscheidung liegt bei den Betroffenen“, betont die Mitarbeiterin des Landkreises. Betreuer bräuchten einen langen Atem.

Der Kurs des Landkreises, der Ende Februar beginnt, ist für Beschäftigte in der Jugendarbeit, aber auch für Lehrpersonal gedacht. Infos und Anmeldung bei Helga Steininger vom Kinder- und Jugendbüro, Tel. 0551/525-2110, E-Mail: steininger@landkreisgoettingen.de

Von Michael Caspar

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