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Göttingen Umweltverbände fürchten „Degradierung des Stadtforstes“
Die Region Göttingen Umweltverbände fürchten „Degradierung des Stadtforstes“
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17:28 29.11.2018
Umweltverbände fürchten auch um ihre künftige Rolle: Lena Dzeia, Leiterin des Göttinger Stadtwalds, bei einem Pressetermin am Kehr. Quelle: Pförtner
Göttingen

Wer auf dem Internetportal der Stadt Göttingen derzeit nach dem Stichwort Stadtwald sucht, landet zunächst auf einer leeren Seite. Der zwei Anlauf führt dann in den Fachbereich Baubetrieb. Und genau das ist der Punkt, an dem sich umweltpolitisch engagierte Göttinger massiv zu stören scheinen. In einem zweiseitigen Schreiben formulierte die Gruppe aus Biologischer Schutzgemeinschaft, BUND, Nabu, den Naturfreunden und der Naturschatzbeauftragten der Stadt Britta Walbrun ihre Kritik an der Änderung des städtischen Organigramms. Unterstützt werden sie dabei von Professoren und Dozenten der Uni Göttingen aus den Bereichen Waldökologie, Waldökosytemforschung und Naturschutz.

„Jeder unbefangene Bürger würde wohl den Stadtwald organisatorisch bei der Verwaltungseinheit Stadtgrün und Umwelt“ vermuten – da war bisher und dort gehört er auch hin“, beginnt der Brief an Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Die Eingliederung in den Baubetriebshof laufe den Erfordernissen einer modernen urbanen Forstwirtschaft diametral entgegen, so die Unterzeichner. Der schon seit 1925 naturnah bewirtschaftete Stadtwald stehe in weiten Teilen unter Naturschutz, sei Teil des europaweiten Biotopnetzes Natura 2000 und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.

Lange Liste der befürchteten Konsequenzen

Zudem spiele der Wald für die Waldpädagogik und Forschungsprojekte der Universität eine Rolle. All diese Aspekte bedürften einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Forstmitarbeitern und anderen Umweltexperten in Verwaltung, Politik und Universität. „Sie dürfen nicht durch eine Degradierung des Stadtforstes zu einem ausgelagerten technischen Betrieb verkümmern“, so die jetzt formulierte Forderung.

Auf mehr als einer Din-A4-Seite listet der Brief die befürchteten negativen Konsequenzen auf. Diese beginnen beim Personal. So müsse sich die neue Leiterin des Stadtforstamtes Lena Dzeia jetzt gleichzeitig auch als stellvertretende Leiterin um den Baubetrieb kümmern – eine Abteilung mit 120 Mitarbeitern. Da sei die Gefahr groß, dass viele der zahlreichen Aufgaben im Stadtwald künftig zu kurz kommen. Der Leistungskatalog des Stadtforstamts weise 50 fachlich wichtig Aufgaben aus, von der Waldbewirtschaftung über den Naturschutz bis hin zur Forschung.

Erschwerte Kommunikation durch Umzug in den Rinschenrott

Zudem sei durch den Umzug der Waldexperten in den Rinschenrott der Austausch mit den Fachkollegen vom Grünflächenamt oder der Unteren Naturschutzbehörde im Neuen Rathaus nur eingeschränkt möglich. Auch die Kommunikation mit der Bevölkerung sehen die Umweltschützer erschwert. Die sicherlich sinnvolle Zusammenarbeit von Forstarbeitern und Mitarbeitern des Baubetriebs im Bereich der Baum- und Heckenpflege sei hingegen auch ohne eine Zusammenlegung der Bereiche möglich.

Außerdem fürchten die Unterzeichner des Briefes um die Finanzmittel, die dringend für den Wald benötigt würden. Das Geld könnte künftig im Topf des Baubetriebshofes aufgehen und im schlimmsten Fall anderweitig verwendet werden. Zumal es kaum noch politisch und fachlich versierte Begleitung mehr geben werde. Denn durch die administrative Verlegung, so die Sorge, untersteht der Stadtwald künftig auch nicht mehr dem Umweltausschuss sondern dem Betriebsausschuss.

OB: Für die Zuordnung gibt es gute Gründe

„Wir alle wissen, dass unser Stadtwald kein öder Forst ist, der nur technisch betreut werden muss“, schließt der Brief. Daher dürfe der Fachdienst Stadtwald nicht abgewertet werden, sondern wieder dem Fachbereich Stadtgrün und Umwelt unterstellt werden. Das sieht man im Neuen Rathaus allerdings völlig anders: „Für die organisatorische Zuordnung des Stadtwaldes zum Baubetriebshof gab und gibt es gute Gründe. An der bisherigen qualitativen Ausrichtung der Arbeit im Stadtwald wird sich dadurch nichts ändern“, sagt Köhler in einer Stellungnahme.

Mit der Entscheidung will die Stadtverwaltung erreichen, dass manuelle Arbeitsbereiche zusammengeführt und dadurch Synergieeffekte erlangt werden, so Köhler. Personalkosten würden nur dann entstehen, wenn Personal wirklich benötigt werde, ein Leerlauf würde dadurch vermieden. Beispielsweise nach Stürmen stünden für ein schnelles Eingreifen sämtliche Forstwirte und Spezialmaschinen des Pools bereit. Außerdem könnten wesentlich mehr Bäume im Stadtgebiet mit eigenem Personal gepflegt werden. „Wie von Stadtbaurat Thomas Dienberg angekündigt, werden in einem der nächsten Ausschüsse im kommenden Jahr Zahlen hierzu präsentiert“, so der Oberbürgermeister.

Von Markus Scharf

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