Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Unbekannte beschmieren Fassadengemälde des Mittagstischs
Die Region Göttingen Unbekannte beschmieren Fassadengemälde des Mittagstischs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:58 29.09.2018
Das Wandbild am Gebäude des Mittagstischs von St. Michael in Göttingen ist in der Nacht zu Donnerstag mit weißer Farbe zerstört worden. Quelle: Christina Hinzmann / GT
Göttingen

Die Fertigstellung des fotorealistischen Wandgemäldes sollte am Sonntag, 30. September, ab 15 Uhr bei Kaffee und Kuchen, Führungen und Live-Musik der Street Doves gefeiert werden. Seit Mitte Juli hatte der Künstler Friedel Deventer aus Kassel daran gearbeitet.

Stadt Göttingen, die Diakonie, der Landschaftsverband Südniedersachsen, die katholischen Gemeinden, Spender und eine Crowdfounding-Aktion hatten die Umsetzung des ungefähr 40 000 Euro teuren Projektes im Sommer 2018 ermöglicht.

„Das ist kriminell und primitiv“

Wer das Kunstwerk mit weißer Farbe beschmiert hat, ist noch unklar. Die Polizei hat die Ermittlungen bereits aufgenommen. Ein an der Wand angebrachtes Bekennerschreiben soll Aufschluss geben: „Wir werden die Nachricht auswerten und auf Hinweise prüfen“, sagt Polizeisprecherin Jasmin Kaatz. „Ansonsten hoffen wir auf Hinweise aus der Bevölkerung.“ Das Bekennerschreiben erklärt die Aktion als Kritik an dem Fassadengemälde. Die Verfasser behaupten darin, das Künstlerehepaar habe sich fremder Ideen bedient und von Spenden profitiert, die somit nicht mehr sozialen Projekten zukommen könnten.

Fassadengemälde am Gebäude des Mittagstisches

Für Friedel Deventer ist die Zerstörung seiner Arbeit ein Schock. In einer ersten Reaktion spricht er am Donnerstagmorgen von einem Vernichtungsschlag gegen eine von Spenden getragene Aktion. „Alle Figuren wurden neutralisiert. Das ist kriminell und primitiv.“ Aus dem Bekennerschreiben spreche ganz viel Hass und Wut, die sich gegen sie als Künstler aber auch gegen die Initiatoren des Projekts und die Gesellschaft richte. Auch Anna Werner-Parker, Leiterin des Mittagstischs, hat kein Verständnis für die Tat: „Wir haben im Vorfeld der Aktion viel Gedanken gemacht und mit unseren Gästen darüber geredet. Wenn sich jemand gestört gefühlt hat, hätte er jederzeit mit uns reden können.“

Restaurierung bis zum Fest nicht möglich

Bis Sonntag werde Deventer nun versuchen, den Schaden zu reduzieren und die Schmierereien wiederum mit dem Hintergrundmotiv zu übermalen. Zwei Drittel des Gesamtauftrags seien beschädigt, so seine Schätzung. An eine vollständige Restauration bis zur Feier sei daher nicht zu denken. Am Morgen nach der Tat gab es von Seiten der Gemeinde St. Michael noch keine Entscheidung darüber, was anschließend mit dem Gemälde passieren soll. „Wir werden uns am Wochenende mit allen Beteiligten zusammensetzen und darüber beraten“, sagt Werner-Parker. Ob das Gemälde wiederhergestellt werden könne, sei auch eine finanzielle Frage.

Deventer vermutet, dass eine Gruppe von Künstlern hinter den Schmierereien stecken könnte. Das leite er aus Passagen des Schreibens ab, in denen es heißt, das Künstlerehepaar Deventer habe Motive der letzten Antidokumenta für ihr Wandgemälde kopiert. Die Verfasser des Schreibens formulieren die indirekte Forderung, die Hälfte des Honorars von 10 000 Euro hätte ihnen zugestanden. Gleichzeitig bezeichnen sich die Autoren als „von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffene Menschen“ und „Nutzer*_Innen des Mittagstisches“.

Von Nadine Eckermann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schlechte Nachrichten für Göttingen: Die Universität erhält nur einen Exzellenzcluster. Damit kann die Hochschule nicht mehr am weiteren Wettbewerb teilnehmen und wieder Exzellenz-Uni werden.

27.09.2018

Damit das Göttinger Inklusionstheater weiterhin Projekte realisieren kann, wird es von der Brauerei Krombacher unterstützt. Bei der Theatergruppe spielen Menschen mit und ohne Behinderung.

27.09.2018

Auch 2019 soll es wieder ein GT-Autokino auf dem Göttinger Schützenplatz geben. Mit knapp 2000 Besuchern war die zweite Auflage in diesem Jahr noch erfolgreicher als die Premiere im Vorjahr.

27.09.2018