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Göttingen Vor dem Wechsel: Geht Vorstandssprecher Kroemer zur Charité?
Die Region Göttingen Vor dem Wechsel: Geht Vorstandssprecher Kroemer zur Charité?
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19:24 22.08.2018
Prof. Dr. Heyo Kroemer, Vorstandssprecher der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Der Berliner Senat hat sich nach Informationen des „Tagesspiegel“ auf Kroemer geeinigt, die Auswahlkommission habe einstimmig für den UMG-Chef votiert. Für Kroemer wäre das ein bedeutender Karriereschritt, für die medizinische Fakultät in Göttingen eine personelle Zäsur zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: mitten in der heißen Konzept- und Planungsphase des UMG-Neubaus.

Initiator des UMG-Neubaus

Dass Kroemer Göttingen verlässt, scheint allerdings noch nicht ausgemacht. Der Dekan der medizinischen Fakultät und Chef des Universitätsklinikums bestätigt lediglich Kontakt zu und Gespräche mit der Charité, allerdings nichts darüber hinaus. Dem Vernehmen nach hat sich Kroemer tatsächlich noch nicht entschieden. Der Pharmazeut und Pharmakologe gilt als persönlich uneitel, aber seinen selbstgewählten Aufgaben äußerst verhaftet und stark auf diese fokussiert. Das könnte zum Schluss eventuell doch den Ausschlag für Göttingen geben. Dort hat er den geplanten UMG-Neubau angeschoben, kann getrost als dessen Initiator und Motor betrachtet werden und bekommt die Chance, eine neue Uni-Medizin nach neuesten Anforderungen und einigen eigenen Vorstellungen zu konzipieren.

Der Masterplan UMG

Es ist ein großes, teures und ehrgeiziges Bauprojekt in Südniedersachsen: Der Masterplan der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Das Ziel: 2035 steht von den heutigen maroden Gebäuden kaum noch eines, sie werden nach und nach durch Neubauten ersetzt. 2,1 Milliarden Euro Sondervermögen des Landes Niedersachsen sind für die Modernisierung der beiden Universitätskliniken in Göttingen und Hannover vorgesehen. Die komplette Erneuerung bis 2050 soll ohne Interims-Gebäude auskommen. Die UMG wartet seit Längerem auf die Zusage aus Hannover für die Gründung ihrer dafür nötigen Bau-GmbH. Nach der Freigabe der Mittel aus dem Sondervermögen soll dann als Erstes der OP-Neubau entstehen. Die Infrastruktur der benachbarten aktuellen Baustelle für das neue Bettenhaus, das noch aus alten Finanzmitteln gebaut wird, soll möglichst genutzt werden.

Wie sexy ist arm?

Konkurrenz dazu ist die Charité, das wohl bekannteste deutsche Krankenhaus und die sicherlich renommierteste Universitätsmedizin in Deutschland. Mit Blick auf Betten und Personal etwa doppelt so groß wie die UMG hält die Einrichtung, die zu den größten Universitätskliniken Europas gezählt wird, auch besondere Herausforderungen bereit. Das fängt mit der Berliner Stadtkasse an, deren spärlichem Innenleben Klaus Wowereit zu bundesweiter Bekanntheit in sprichwortgleicher Form verholfen hat. Offen bleibt, wie sexy arm für Wissenschafts- und Krankenhausbetrieb wirklich ist.

Schlüssel liegt in Hannover

Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings nicht sorgenfreies Planen und Bauen in Südniedersachsen. Zwar hat die Landesregierung zu UMG-Planungen und -Neubau grünes Licht gegeben und ein Sondervermögen gebildet, doch ist das Göttinger Vorhaben kein Solitär, sondern eng mit dem Neubau der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) verknüpft. Das scheint den Prozess derzeit zu verlangsamen. Beide Einrichtungen, UMG wie MHH, leiden an denselben Problemen: marode Bausubstanz nach nicht einmal 50 Jahren und Raum- und Gebäudekonzepte, die mit heutigen Anforderungen von Forschung, Lehre und Krankenhausbetrieb nicht mehr viel zu tun haben. Der Schlüssel dazu, den Prozess von Planung zu Umsetzung beim UMG-Projekt weniger zäh zu gestalten, liegt offenbar in Hannover, genauer: bei der Landesregierung.

Dekan seit 2012

Heyo Kroemer, Jahrgang 1960, ist seit dem 1. September 2012 Dekan und Sprecher des UMG-Vorstandes. Zuvor war er Dekan der Medizinischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und seit 2011 Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald. Ehrenamtlich ist Kroemer auch Vorsitzender der Gesundheitsregion Göttingen.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: https://twitter.com/tooppermann

Facebook: https://www.facebook.com/christoph.oppermann

Einen Kommentar zum möglichen Wechsel Kroemers lesen Sie hier.

Von Christoph Oppermann

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