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Göttingen Uni-Mitarbeiter stiehlt äußerst kostbares Buch
Die Region Göttingen Uni-Mitarbeiter stiehlt äußerst kostbares Buch
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19:40 02.12.2009
Wieder im Tresor: das kostbare Seefahrerbuch aus der Universitätsbibliothek. Quelle: Theodoro da Silva
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Der Antiquar, dem das Buch angeboten wurde, schöpfte jedoch Verdacht und informierte die Universität. Am vergangenen Montag wurde der Mann unter dringendem Tatverdacht vorläufig festgenommen. Polizei und Staatsanwaltschaft halten den Fall für aufgeklärt, auch wenn weiter ermittelt wird.

Von dem im Jahr 1545 in spanischer Sprache erschienenen Werk „Arte de Navegare“ („Kunst des Navigierens“) von Pedro de Medina (1493-1567) sind weltweit nur elf Exemplare bekannt. Entsprechend kostbar ist das äußerlich unscheinbare Exemplar der Universitätsbibliothek: Eine vergleichbare Ausgabe brachte bei einer Versteigerung des Auktionshauses Christie‘s kürzlich 370 000 Euro.

Der Wert war für den Bibliotheksmitarbeiter offenbar so verlockend, dass er versuchte, das Buch zu Geld zu machen. Aus dem für besonders wertvolle Bücher vorgesehenen Tresorbereich nahm er, so der bisherige Kenntnisstand, das Buch heraus, wozu er wie nur eine Handvoll anderer Bibliotheksmitarbeiter auch berechtigt war. Dann jedoch täuschte er einen Leihvorgang vor. Nachdem er das Buch einem holländischen Antiquar angeblich im Uni-Auftrag angeboten hatte, schickte er es in einem einfachen Postpaket nach Utrecht. Der Antiquar jedoch schöpfte wegen der Seltenheit des Werks und der ungewöhnlich niedrigen Forderung von 100 000 Euro Verdacht. Ein Anruf in der Uni-Bibliothek brachte den Diebstahl an den Tag. Die Uni schaltete die Polizei ein.
Unter dem Vorwand der Geldübergabe lockten die Ermittler den Mann am Montag auf den Autobahnrastplatz Göttingen: „Statt des Geldboten kam dann aber das mobile Einsatzkommando“, erklärt Göttingens Kripo-Chef Volker Warnecke. Die Beamten nahmen den mittlerweile geständigen Bibliotheks-Mitarbeiter vorläufig fest und durchsuchten seine Wohnung. Ob es Mittäter gebe, sei noch unklar: Die genauen Umstände des Diebstahls würden noch ermittelt. Der Mann, so Staatsanwaltschaftssprecher Hans-Hugo Heimgärtner, sei jedoch mangels ausreichender Haftgründe wieder auf freiem Fuß.
Universitätssprecher Bernd Ebeling erklärte, der mutmaßliche Bücherdieb sei vom Dienst suspendiert worden und habe Hausverbot erhalten. Die Uni strebe außerdem die Entlassung des Mannes an.

Nach Erscheinen des Buches Mitte des 16. Jahrhunderts im nordspanischen Valladolid wurde „Arte de Navegare“ schnell zum Standardwerk und Handbuch für Seefahrer. Das Werk beschreibt zum ersten Mal die Verwendung des magnetischen Kompasses, der auf Schiffen erst in dieser Zeit allgemeine Verbreitung fand. Das Buch wurde bis 1633 in verschiedenen Ausgaben und Übersetzungen ins Italienische, Französische, Holländische und Englische herausgebracht und diente als Lehrbuch für Seefahrer aus ganz Europa.

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Von Matthias Heinzel

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