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Göttingen Drei Partner wollen Versandverpackungen verbessern
Die Region Göttingen Drei Partner wollen Versandverpackungen verbessern
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00:20 29.05.2018
Geschäftsführer Günther Opitz (l.) erläutert Detlev Barth und Mascha Albrecht die Produktion. Quelle: r
Göttingen

„Drei Partner aus drei Landkreisen und ein gemeinsames Projekt“: Mit dieser Formel beschreibt Mascha Albrecht, Leiterin der Geschäftsstelle des Südniedersachsen-Innovationscampus (SNIC), das Konzept der Kooperation, die in Kalefeld besiegelt wurde. Die Beteiligten wollen ein voll automatisiertes Verfahren entwickeln, das Versandverpackungen verbessere, indem sie wirtschaftlicher und ressourcensparender werden. Initiiert wurde das Verbundprojekt im Zuge der SNIC-Technologieberatung. Das Bundeswirtschaftsministerium fördere die damit verbundenen Kosten im Rahmen der Zentralen Innovationsförderung Mittelstand (ZIM) bis Ende 2019 zu 45 Prozent, berichtet Florian Renneberg, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des SNIC.

Partner der Kooperation kommen ins Spiel

Der patentierte Volumen-Reduzierer Vario 558 der Firma Opitz Maschinentechnik schneide den Versandkarton vollautomatisch auf die minimal benötigte Höhe ein und versiegele ihn, erklärt Renneberg. So entfielen Einkauf und Lagerung von verschiedenen Kartongrößen sowie der Personal- und Arbeitsaufwand. Bei einigen Waren sei die Beigabe von Luftpolsterfolie für einen sicheren Versand jedoch unerlässlich.

Hier kämen die Kooperationspartner ins Spiel: Um die Menge des Füllmaterials zu optimieren, werde per Scanner ein komplettes 3D-Bild der im Karton enthaltenen Ware erstellt. Das Know-how stamme vom Lehrstuhl für Waldinventur und Fernerkundung an der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen, den Prof. Christoph Kleinn leite. Anhand des 3D-Bildes werde die optimale Befüllung der Endverpackung berechnet – den entsprechenden Algorithmus liefere die Arbeitsgruppe Diskrete Optimierung am Institut für Angewandte Stochastik und Operations Research der TU Clausthal unter Leitung von Prof. Stephan Westphal. Die Firma Opitz Maschinentechnik baue schließlich einen Roboter, der die Folie anhand der berechneten Informationen voll automatisiert in den jeweiligen Versandkarton einlege.

Wissenschaftler suchen nach schneller Lösung

Das Projekt berge jedoch einige Herausforderungen: „Die Besonderheit ist, dass Luftpolsterfolie nicht starr, sondern elastisch ist“, erklärt Westphal. Zudem befülle der Roboter die unterschiedlichen Verpackungen im Vier-Sekunden-Takt. „Wir müssen also nicht nur eine gute, sondern auch eine schnelle Lösungen finden“, betont der Clausthaler Professor. Während Packungsprobleme in seinem Fachbereich zu den Klassikern gehören, erscheint die Beteiligung der Göttinger Forstwissenschaftler auf den ersten Blick überraschend.

„Wir setzen die verwendete Scan-Technologie für die Lufterkundung von Wäldern ein“, berichtet Dr. Lutz Fehrmann. Dass dies nun bei der Optimierung von Versandverpackungen zum Einsatz kommt, ist dem SNIC zu verdanken. Denn auf der Suche nach Partnern, mit denen die Firma Opitz Maschinentechnik das Projekt umsetzen kann, tauschte sich SNIC-Technologieberater Dr. Peter Oswald von der Wirtschaftsförderung Region Goslar mit SNIC-Innovationsscout Dr. Bettina Otto von der Universität Göttingen aus. Sie durchforstet mit ihren Kollegen die Hochschulen der Region nach wirtschaftlich verwertbaren Forschungsergebnissen. Ihr Gedanke: „Wenn die Technologie bei Bäumen funktioniert, funktioniert sie auch bei Kisten.“

Musterbeispiel für ganzheitliche Technologieberatung

„Das ist ein Musterbeispiel für eine ganzheitliche Technologieberatung und einen gelungenen Wissenstransfer“, freut sich Detlev Barth, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Göttingen und zugleich Koordinator der SNIC-Technologieberatung. Er sieht darin einen Meilenstein – sowohl für die beteiligten Partner als auch für die gesamte Region. Vor diesem Hintergrund äußert sein Kollege Stefan Wolfgang von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Northeim die Hoffnung, dass dieses Beispiel weiteren kleinen und mittleren Unternehmen Mut macht, die kostenlose Technologieberatung in Anspruch zu nehmen: „In den Betrieben der Region schlummern zahlreiche gute Ideen – durch den SNIC werden diese Potenziale erst richtig nutzbar.“

Für die 2002 gegründete Firma Opitz Maschinentechnik würde ein Erfolg des Projekts einen immensen Entwicklungsschub bedeuten, führte Geschäftsführer Günther Opitz aus: „Der Roboter wäre weltweit einzigartig“ Es gebe bereits Nachfragen für einen globalen Vertrieb. Bislang vertreibt das 36 Mitarbeiter umfassende Unternehmen seine Maschinen vor allem innerhalb Deutschlands sowie im deutschsprachigen Ausland, den Benelux-Staaten sowie Frankreich und Polen.

Von Axel Artmann

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