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Göttingen Universität des dritten Lebensalters: Klaus Düwel sucht Nachfolger
Die Region Göttingen Universität des dritten Lebensalters: Klaus Düwel sucht Nachfolger
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00:19 08.04.2013
„Muss auch an mich selbst denken“: Klaus Düwel, Vorsitzender der Universität des dritten Lebensalters, will sich Kräfte besser einteilen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Als er 2001 in den Ruhestand ging, übernahm er den Vorsitz der Universität des dritten Lebensalters (UdL), den er bis heute inne hat. Jetzt aber sucht Düwel einen Nachfolger. Die Runen lassen ihn nicht los.

„Ich wollte schon vor zwei Jahren aufhören. Zehn Jahre als Vorsitzender genügen eigentlich. Jetzt sind es zwölf Jahre. Aufgrund meines Alters möchte ich hier jetzt gerne einen Schnitt machen“, sagt der 77-Jährige. Abtreten möchte er aber erst, wenn ein Nachfolger gefunden ist. Und die Suche gestaltet sich schwierig.

Denn für den Vorstandsvorsitz der UdL komme eigentlich nur ein „Kollege aus der Professorenschaft“ in Betracht. Nur die verfügten in der Regel über die richtigen Kontakte, die für die Gewinnung von Dozenten für die UdL unerlässlich seien. Das Problem: „Die Kollegen haben naturgemäß viel vor, wenn sie aufhören“, weiß Düwel aus eigener Erfahrung.

Außerdem gebe es „leider kein Verzeichnis der entpflichteten Professoren“. Daher schreibe er derzeit alle Dekanate einzeln an und bitte um Hilfe.

800 Studenten ab 50

Auch ihn hatte man damals um Hilfe gebeten. „Am Ende meiner Uni-Zeit hat mich Ruth Lotze, die Gründerin der UdL, gefragt, ob ich nicht in der UdL mitmachen möchte“, erinnert sich Düwel. „Ich habe sofort zugesagt. Erwachsenen-Bildung interessiert mich schon sehr lange, schließlich war ich von 1977 bis 1994 Vorsitzender der VHS Göttingen.“

Als ehrenamtlicher Vorsitzender der UdL leitete Düwel fortan die alle drei Monate stattfindenden Sitzungen. Er nimmt repräsentative Aufgaben wahr und kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit. „Auch das Ausstellen der Verträge für etwa 30 Dozenten pro Semester“ gehört zu seinen Aufgaben.

Parallel entwickelte sich die UdL unter seiner Ägide zu einem Erfolgsmodell. 800 Studenten ab 50 besuchen mittlerweile die Seminare und Vorlesungen. Sie kommen schon längst nicht mehr nur aus Göttingen, sondern auch aus dem Eichsfeld, aus Kassel, Northeim und Hannover. „Unser Angebot wird gut angenommen“, konstatiert Düwel, der gerne mit seiner Frau Themen, Ideen und Lektüre diskutiert. „Die UdL wirkt wie ein Anziehungspunkt.“

Das Schönste für ihn sind aber die Rückmeldungen der Studenten. „Die UdL-Veranstaltungen würden ihnen den Eintritt in den Ruhestand erleichtern. Endlich könnten sie Dinge machen, die im Beruf so nicht möglich waren“, sagt Düwel. „Die Udl gibt vielen den Ablauf der Woche vor. Ein bisschen ist das wie im früheren Studentenleben“, sagt er und lacht. „Für solche Wirkungen lohnt es sich, sich einzusetzen.“

„Eine generelle Abservierung mit 65 ist zu früh“

Jetzt aber „muss ich auch ein bisschen an mich selbst denken“, sagt Düwel. Er, der bereits als „junger Spund“ das weltweit anerkannte Standardwerk „Runenkunde“ geschrieben hat, will sich wieder mehr seiner Forschungsarbeit widmen. Die hätte er auch als Professor noch gerne fortgesetzt.

Stattdessen sei er 2001 „in den Ruhestand getreten worden“, erklärt Düwel. „Eine generelle Abservierung mit 65 ist zu früh.“ Obwohl, schränkt er ein, natürlich auch irgendwann mal der Nachwuchs an der Reihe sein müsse. Düwels Ärger ist schnell wieder verflogen. Er hat Wichtigeres zu tun.

Derzeit arbeitet er jedenfalls an einer Edition der südgermanischen Runeninschriften. „Dafür will ich meine volle Kraft einsetzen. Und das Alter macht sich bemerkbar. Zehn Stunden am Tag voll arbeiten, das geht nicht mehr.“ Dabei werden auch heute noch immer wieder Funde bei Grabungen gemacht.

Und er will sie sehen. „Es ist immer aufregend, wenn man einen neuen Fund vor sich hat und als erster einen Blick darauf werfen kann“, sagt er mit glänzenden Augen. „Was haben die Menschen früher geschrieben? Das hat mich schon immer gereizt.“

Diese Leidenschaft gibt der Vater dreier Kinder gerne weiter. Zum Beispiel an seine neun Enkel. „Man kann die Runen heute sehr gut als Geheimschrift nutzen. Und das mache ich mit meinen Enkeln“, sagt er. Mit der Ältesten schreibe er sich auf diese Weise sogar Karten. „Und kein anderer kann das lesen“, sagt er und lächelt.

Auftakt des neuen Semesters

„Der Archäologe und der Tod – Krankheit und Tod im archäologischen Befund“: Zu diesem Thema referiert Prof. Michael Schultz bei der Sommersemester-Auftaktveranstaltung der UdL. Sie beginnt am Montag, 8. April, um 12.15 Uhr im Hörsaal 001 des Zentralen Hörsaalgebäude, Platz der Göttinger Sieben.

Weitere Infos zur UdL und zur Anmeldung für das Semester im UdL-Büro, Waldweg 26, werktags von 11 bis 12 Uhr, im Internet unter uni-goettingen.de/udl oder unter Telefon 05 51 / 4 99 72 39,  montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr.

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