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Göttingen Notstand bei der Kinder-Intensivpflege?
Die Region Göttingen Notstand bei der Kinder-Intensivpflege?
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08:00 27.10.2018
Helle Dokken, Ursula Sanz, Mona Otto und Erdmuthe Bach-Reinert. Quelle: Peter Krüger-Lenz
Göttingen

Ein Bericht über die Kinderintensivstation der Medizinische Hochschule Hannover hatte für Aufregung gesorgt. Allein in diesem Jahr hätten dort 300 Jungen und Mädchen abgewiesen müssen, weil Personal fehle, hatte der leitende Oberarzt Dr. Michael Sasse berichtet. Zwei Zimmer auf der Station stünden seit einem Jahr leer, weil die Patientenbetreuung nicht gewährleistet werden könne.

„Betten sperren wir nur sehr selten“, sagt Dokken. Doch auch sie sagt, das Pflegepersonal an der UMG fehle, vor allem das besonders für Kinder-Intensivpflege geschulte Schwestern.

58 Stellen warten auf Bewerber

1676,5 Pflegestellen sollten in der UMG besetzt sein, 1618 sind es derzeit. 58 Stellen warten auf geeignete Bewerber. Der Großteil dieser unbesetzten Stellen entfällt dabei auf die Kinder-Intensivmedizin. 55 Stellen sind dort derzeit mit etwa 70 Pflegekräften besetzt, 20 könnten noch besetzt werden.

20 Krankenbetten stehen in der Kinder-Intensivpflege zur Verfügung, je zur Hälfte für Frühgeborene und pediatrische Fälle. Betreut wird im Dreischicht-Betrieb. Eine Pflegekraft sollte sich um einen kleinen Patienten kümmern, wenn es um die Betreuung geht, bei Überwachung kann eine Pflegekraft auch zwei Patienten übernehmen. So lautet die Forderung der Krankenhausmitarbeiter.

Untergrenzen für die Betreuung

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat gerade Untergrenzen für die Betreuung in Krankenhäusern auf den Weg gebracht. Demnach dürfen ab 1. Januar auf Intensivstationen Pflegekräfte in der Tagschicht maximal zwei Patienten betreuen, nachts drei. Für die entsprechenden Stationen der UMG kein Problem, sagt die Pflegedirektorin. Entscheidend für die Erfüllung der Vorgabe sei ein Durchschnittswert, der an der UMG locker eingehalten werde. Am Tag des Gesprächs arbeiteten acht Schwestern für 17 Patienten, sechs Kolleginnen hatten sich krank gemeldet, berichtete Ursula Sanz, Stationsleiterin Kinder intensiv.

Der Ansatz des Ministers sei zu schwach, sind sich Dokken, Sanz, Pflegedienstleiterin der Kinderklinik und Erdmuthe Bach-Reinert vom Personalrat einig. Auch stimmen sie überein, dass zum einen der Fachkräftemangel zu den Besetzungsproblemen führt, zum anderen aber auch der Schichtdienst und die Notwendigkeit, in Krankheitsfällen beim Personal sehr kurzfristig einspringen zu müssen. „Die Pflege muss gewährleistet sein“, erklärt Dokken. Bach-Reinert ergänzt: „Vom Personal wird signalisiert, dass die Zahl der Mitarbeiter nicht ausreicht.“

Notfälle werden nie abgewiesen

Sanz berichtet aus der Praxis, das täglich morgens überprüft werde, wie viele Mitarbeiter im Dienst seien. Dementsprechend könne nur eine bestimmte Anzahl an Patienten aufgenommen werden, wobei klar ist, dass Notfälle nie abgewiesen werden. Erschwert werde die Planung auch dadurch, dass in Göttingen nur die UMG Kinder-Intensivpflege anbiete. Patienten können nicht in andere Häuser verlegt werden. Zudem würden in Fällen, in denen speziell ausgebildetes Personal notwendig sei, Pflegekräfte der UMG von umliegenden Krankenhäusern beispielsweise aus Höxter und Herzberg angefordert. Etwa 300 Einsätze kommen so in jedem Jahr zusammen, sagt Sanz.

Auch eine hohe Fluktuation verkompliziert die Stellenbesetzung. Der Frauenanteil in der Kinder-Intensivpflege liege weit über 90 Prozent, sagt Sanz. Die bekämen häufig selbst Kinder oder zögen mit ihren Ehemännern nach deren Studienabschluss in andere Städte. Viele Auszubildende der UMG würden übernommen, berichtet Otto, 44 von 60 des jüngsten Abschlussjahrgangs. Dennoch fehle Personal. Doch Pflegedirektorin Dokken ist sich sicher: „Wir sind in Göttingen gar nicht so schlecht.“

Von Peter Krüger-Lenz

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