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Göttingen Fünf Jahre Haft wegen Drogenschmuggels
Die Region Göttingen Fünf Jahre Haft wegen Drogenschmuggels
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00:30 01.06.2018
Der Verurteilte hatte mehrfach große Mengen Marihuana über die Grenze geschmuggelt. Quelle: DPA
Göttingen

Die Kammer befand ihn außerdem der Beihilfe und des unerlaubten Handeltreibens mit Drogen für schuldig. Der 35-Jährige hatte in dem Prozess gestanden, an zwei Drogenkurierfahrten durch Europa beteiligt gewesen zu sein, bei denen insgesamt 61 Kilo Marihuana transportiert wurden. Einen Teil davon sollte ein Taxifahrer, der bei den Transporten als Fahrer fungierte, in Göttingen verkaufen. Der Taxifahrer war bereits in einem früheren Verfahren zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Geheimfach im Radkasten

Der in Deutschland lebende 35-Jährige hatte vor Gericht erklärt, dass ihn bei einem Aufenthalt in Marokko ein Landsmann auf Drogengeschäfte angesprochen habe. Dieser habe ihn dann immer wieder angerufen. Obwohl er nach eigenen Angaben eigentlich nie mit solchen Dingen zu tun haben wollte, ließ er sich darauf ein. Nach Überzeugung der Kammer besorgte er einen Pkw und ließ in einer Werkstatt in Brüssel im Radkasten Fächer einbauen, die als Drogenversteck dienen sollten. Das präparierte Auto bekam dann der Taxifahrer zur Nutzung.

Die erste der beiden angeklagten Kurierfahrten führte im Februar 2014 nach Troyes in Frankreich. Der Angeklagte war nach Ansicht des Gerichts mit einem Mietauto vorweggefahren, um nach eventuellen Kontrollen Ausschau zu halten, der Taxifahrer mit dem präparierten Pkw hinterher. In Troyes seien ihnen dann zwei Taschen mit insgesamt rund 30 Kilo Marihuana übergeben worden.

Verbleib der Drogen unklar

Nach einer Zwischenstation in Brüssel ging es mitsamt der Fracht nach Deutschland. Der Pkw wurde den Anweisungen entsprechend in Dortmund abgestellt, der Autoschlüssel auf einem Reifen deponiert. Als der Angeklagte sich später dorthin begab, war das Fahrzeug leergeräumt, im Handschuhfach lagen 4000 Euro. Der Verbleib der Drogen sei unklar, sagte der Vorsitzende Richter Matthias Thielbeer.

Die zweite Kurierfahrt führte in die Nähe von Madrid. Nach Überzeugung der Kammer verbaute der Angeklagte gemeinsam mit einem Unbekannten rund 31 Kilo Marihuana im Bereich des hinteren Radkastens. Eine spezielle Ummantelung sollte dafür sorgen, dass Spürhunde das Rauschgift nicht finden konnten.

Allerdings hatte die Polizei längst Wind von den Drogentransporten bekommen. Als der Taxifahrer mit seiner Fracht nach Deutschland zurückkehrte, geriet er prompt in eine Zollkontrolle. Die Beamten stellten 76 Päckchen mit je 500 Gramm Cannabis sicher.

Angeklagter stellte sich der Polizei

Als der Angeklagte erfuhr, dass der Kurierfahrer verhaftet worden war, setzte er sich nach Marokko ab. Nach drei Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und stellte sich im Mai 2017 der Polizei. Er habe gewusst, dass ihn hier eine Strafe erwarte, sagte der 35-Jährige in seinem Schlusswort. Er habe sich aber dazu entschlossen, weil seine Frau und seine Kinder weiter in Deutschland leben und er nicht länger von ihnen getrennt sein wollte. Er bereue, was er getan habe, und werde die Konsequenzen tragen: „Ich muss das durchmachen.“

Nach Ansicht des Gerichts hat der Angeklagte eine beträchtliche kriminelle Energie an den Tag gelegt. Mit seinem Urteil blieb es leicht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren gefordert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen auf eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren plädiert.

Von Heidi Niemann

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