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Göttingen „Sanierung? Für mich spricht gar nichts dafür“
Die Region Göttingen „Sanierung? Für mich spricht gar nichts dafür“
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19:09 15.04.2019
Die Stadthalle ist marode. Quelle: Christina Hinzmann
Kassel/Göttingen

Die Debatte um die Göttinger Stadthalle wird hitzig geführt. Auch Uwe Vater, Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur aus Kassel, hat die Tageblatt-Fragen dazu aus seiner Sicht beantwortet.

Göttinger Tageblatt: Stadthalle oder Multifunktionsbau – was braucht Göttingen?

Uwe Vater: Göttingen braucht eine Stadthalle, denn eine Multifunktionshalle, in die man zum Beispiel mit einem großen LKW (18 Tonnen) rein fahren kann für die Auf-und Abbauten mit einer Besucherkapazität von 2500 bis 6500 gibt es mit der Lokhalle ja bereits. Eine moderne Stadthalle hingegen, mit unterschiedlichen, den künstlerischen Erfordernissen angepassten Besucherkapazitäten von 600 bis 800 beziehungsweise rund 1400 Sitzplätzen, wäre wünschenswert.

Ist die Stadthalle aktuell am richtigen Standort untergebracht?

Nein. Bei unserem allgemein sehr starken zunehmenden Individualverkehr in den Städten ist eine Veranstaltungsstätte dieser Größenordnung ohne die Schaffung von ausreichendem Parkraum, sprich Parkhäusern oder Parkplätzen heute vollkommen deplatziert. Beim Bau der Stadthalle Mitte der 1960er-Jahre war das sicher noch völlig unbedeutend. Aber nun sind wir gleich 60 Jahre weiter und müssen uns verantwortungsbewusst den neuen Gegebenheiten stellen, wenn es geht. Klar ist der Gedanke schön in der Stadt zu wohnen und zu Fuß die Stadthalle auf zu suchen. Aber wer macht das schon. Viele Leute kommen von außerhalb mit dem eigenen Pkw und suchen oft verzweifelt einen Parkplatz. Nicht selten kommen Nachzügler nach Beginn der Vorstellung in die Stadthalle. Auf Befragen wird sofort gesagt, dass kein Parkplatz gefunden wurde und man nun irgendwo halb illegal parkt. Ich halte daher zum Beispiel das Gelände an der Lokhalle, mit dem ausbaufähigen angrenzenden Parkhaus, oder auch den Schützenplatz, für einen geeigneten Standort.

Was spricht für eine Sanierung der jetzigen Stadthalle?

Für mich spricht gar nichts dafür. Insbesondere bei den im Raum stehenden Millionensummen, die sicher noch nach oben hin eine Korrektur erfahren werden. Natürlich kostet ein Abriss noch einmal Geld. Aber es entsteht auch eine Fläche, die man sicher gut vermarkten und nutzen kann.

Was spricht für einen Neubau?

Allein der neue Standort bei einem Neubau ist für mich ein schlagendes Argument. Auch die modernen technischen Erfordernisse spielen eine große Rolle. Die Bühnengröße ist zum Beispiel auch immer ein Thema. Die Bühne muss bei einem Neubau circa 30 Prozent größer sein als die bisherige und auf verschiedenen Ebenen steuerbar sein für Orchester, Musicalproduktionen und so weiter. Mindesthöhe 1,00 Meter und zu erhöhen auf 1,40 Meter zum Beispiel für Ballettaufführungen. Bei allen modernen Produktionen wird die Licht-und Tonanlage ,geflogen’. das heißt, es müssen sogenannte Hängepunkte geschaffen werden, die das unter die Decke hängen der technischen Anlagen ermöglichen. Sichtbehinderungen der Zuschauer werden dadurch weitestgehend ausgeschlossen. Das bedeutet auch, dass die lichte Höhe, das ist das Maß zwischen der Bühnenspielfläche und die Höhe des Bühnenhauses deutlich höher sein muss als in der alten Stadthalle. Wenn diese technischen Voraussetzungen geschaffen sind, wird man ganz andere Künstler und Produktionen in Göttingen anbieten können. Ein einfacher Anfahrtsweg für die Technik muss geschaffen werden, der ein bequemes und schnelles Be-und Entladen der LKW auf die Bühnenfläche ermöglicht. Auch die Bewirtung der Tourneetechniker und Künstler muss im Hinterbühnenbereich möglich sein. Jede Tourneeproduktion hat eine eigene Küche dabei die einen Raum erfordert, in dem etwa 20 bis 40 Personen ganztägig verpflegt werden müssen. Einen dem entsprechenden großen Aufenthaltsraum braucht man dafür natürlich auch. All diese Dinge sind in der alten Stadthalle nicht oder nur sehr sehr eingeschränkt möglich.

Von Uwe Vater, MM-Konzerte

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