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Göttingen Verbreitung von Tageblatt-Bericht: Tricks vom Klinik-Konzern Asklepios
Die Region Göttingen Verbreitung von Tageblatt-Bericht: Tricks vom Klinik-Konzern Asklepios
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00:19 24.05.2013
GT-Geschäftsstelle: Hier wurden Tageblatt-Mitarbeiterinnen zu einem Verstoß gegen das Verbreitungsverbot verleitet. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Asklepios hatte beim Landgericht Göttingen am 5. April einen Beschluss erwirkt, der dem Tageblatt eine weitere Verbreitung des ersten kritischen Asklepios-Berichts vom 16. März untersagt (Tageblatt berichtete). Dieser wurde vom Tageblatt anerkannt, da die Gefahr bestand, dass unsere zahlreichen Informanten – oftmals Angestellte der Asklepios-Kliniken – ansonsten ihre ihnen zugesicherte Anonymität verlören.

Am 18. und am 19. April erschienen dann die leitenden Asklepios-Mitarbeiter Florian R. und Dominik R. in der Tageblatt-Geschäftsstelle in der Jüdenstraße und fragten nach Tageblatt-Ausgaben vom 16. März.

Nur drauf gewartet

Die dem Kundenservice verpflichteten Tageblatt-Mitarbeiterinnen kamen den speziellen Wünschen umgehend nach und händigten den ihnen unbekannten Besuchern die verlangten alten Zeitungsausgaben aus.

In zweien war der Artikel über Asklepios abgedruckt, gegen die die Klinik erfolgreich vor dem Landgericht geklagt hatte. Ein möglicher Fehler, auf den Asklepios offenbar nur gewartet hatte: Drei Wochen später bekam das Tageblatt Anwaltspost mit einem „Antrag auf Festsetzung eines Ordnungsgeldes“.

Für den von Asklepios selbst eingefädelten und provozierten Verstoß gegen den Landgerichtsbeschluss vom 5. April klagt Asklepios jetzt ein Ordnungsgeld in erheblicher Höhe ein.

Ziemlich einmalig

Das Vorgehen von Klägern, nach einer erfolgreich durchgesetzten Unterlassungserklärung noch einmal zu versuchen, sich alte Zeitungen in Zeitungsgeschäftsstellen zu besorgen und so das zum eigenen Vorteil erstrittene Verbot selbst aktiv zu unterlaufen, ist – wie eine kleine Umfrage unter bundesdeutschen Chefredakteuren ergeben hat – ziemlich einmalig in der deutschen Medienszene.

Bekannt sind solche Vorgänge allerdings im Bereich des Wirtschafts-Wettbewerbes.

Im Übrigen hat inzwischen auch der Norddeutsche Rundfunk über diesen Medien-Streit berichtet. Der entsprechende Bericht des Fernsehmagazins Zapp ist in der NDR-Mediathek abrufbar.

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