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Göttingen Deal am Tag des WM-Halbfinales
Die Region Göttingen Deal am Tag des WM-Halbfinales
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15:46 02.05.2017
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Göttingen

An das Datum können sich alle Beteiligten noch gut erinnern. Es war der 9. Juli 2014, Tag des WM-Halbfinales. Argentinien gegen die Niederlande. Der Tathergang ist nicht mehr allen gleichermaßen im Gedächtnis. Ein Polizist schildert den Fall am Dienstag so: Der damals 20-Jährige war ins Visier der Ermittler geraten, weil er vom Hausmeister einer Grundschule in Geismar wiederholt beim Handeln mit Drogen beobachtet worden war. Zivilfahnder legten sich mit einem Foto des mutmaßlichen Dealers auf die Lauer. Gegen Abend, zwei Stunden vor Anpfiff, man wollte die Aktion gerade abbrechen, kam plötzlich ein verdächtiger Golf. Der Fahrer mit glasigem Blick aus rot geränderten Augen. Sowas erkenne man als Polizist auch im Vorbeifahren.

Der Zeuge erzählt weiter von dem Mann auf dem Foto, der dann tatsächlich ans Golffenster kam, sich dabei ständig umschaute. Als er die Polizisten bemerkte und mit dem Rad fliehen wollte, folgte der Zugriff: "Halt Polizei!" Die Beamten brachten den Verdächtigen mit viel Mühe zu Boden. "Der war kaum zur Ruhe zu kriegen." Außerdem habe er sich ständig zur Hosentasche greifen wollen, in der sich ein Messer befunden habe. Eines, das man mit einer Hand hätte öffnen können. So war das damals.

Oder so: "Wir wollten zu einem Freund, WM-Halbfinale schauen", erklärt der Angeklagte vor Gericht. Man hatte sich auf der Straße getroffen, sein Freund war auf der Suche nach einem Parkplatz. Deshalb habe er sich immer umgeschaut. Warum er weggelaufen sei? "Panikreaktion. Ich hatte ja schon was auf Tasche." Etwa 20 Gramm Marihuana waren es. Aber nicht zum Verkaufen, sondern nur für den Eigenbedarf oder nur mal zum Weitergeben ohne Gewinn. Gewehrt habe er sich auch nicht. "Wie denn auch mit zwei Polizisten auf dem Rücken?", fragt der schmächtige junge Mann. Und apropos Tasche - das Klappmesser, das laut Akte kein Einhand-Messer war, hatte er gar nicht in der Hosentasche sondern in der Jacke.

Und dann kommt der Golffahrer in den Zeugenstand: "Glasige Augen?" Nein, die habe er nicht gehabt. Auch richtig befreundet sei er mit dem Angeklagten damals nicht gewesen. Er habe halt Drogen kaufen wollen, da habe er sich an seinen alten Klassenkameraden erinnert. 52 Geschäfte sollen laut Anklage zwischen den beiden abgelaufen sein. Nein, eher so fünf vielleicht. Und natürlich habe er auch das Halbfinale sehen wollen, aber sicher nicht mit dem Angeklagten.

Da der Angeklagte die letzten knapp drei Jahre genutzt hat, sich mit neuer Freundin ein neuen Leben aufzubauen, durfte er ohne Verurteilung den Gerichtssaal verlassen. Und für alle, die sich an den 9. Juli 2014 auch nicht mehr so genau erinnern können: Argentinien gewann im Elfmeterschießen 4:2.

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