Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Verkauf von Baptistenkirche und Voigtschule: Konzepte vorgestellt
Die Region Göttingen Verkauf von Baptistenkirche und Voigtschule: Konzepte vorgestellt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:23 09.06.2013
Entsteht hier bald ein „ArtCenter“? Die Verwaltung hat dieses Angebot für das Gebäude der ehemaligen Voigtschule am besten bewertet. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Entschieden wurde wie angekündigt noch nichts in der Sitzung, die aus einem öffentlichen und einen nicht-öffentlichen Teil bestand – wobei nicht alles, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, verborgen blieb.

Harald Melzer und Peter Friele von der Verwaltung stellten eingangs die eingegangenen Angebote, deren Inhalte und Bewertung vor. Demnach wollen zehn Bieter die Gebäude im Paket kaufen, einer nur das Gebäude Nummer 15 und zwei nur das Gebäude Nummer 13. Für die Bewertung konnten maximal 100 Punkte vergeben werden, wovon maximal 50 auf den Kaufpreis entfallen (diese Punktzahl wurde im öffentlichen Teil jeweils nicht genannt), 40 auf das Nutzungskonzept und zehn auf das Freiflächenkonzept.

Mit 43 Punkten am besten bewertet wurde das Angebot Nummer 3, das die Einrichtung eines „ArtCenters“ mit Ateliers und Aula im Gebäude der ehemaligen Voigtschule  vorsieht. Hinzu kommen Büroräume und Praxen im Keller und Wohnungen im Dachgeschoss. Die ehemalige Baptistenkirche soll für Veranstaltungen genutzt werden. Dort soll es auch ein gastronomisches Angebot geben, und zwar drinnen und draußen.

Zehn von 13 Angebote würden eine kulturelle Nutzung vorsehen, „das ist ein Erfolg der öffentlichen Diskussion“, sagte Gerd Nier (Linke) – um der Verwaltung dann zu unterstellen, sie habe bereits im Vorfeld einzelne Fraktionen beeinflusst und diesen gegenüber das Angebot 3 empfohlen. „Wir haben uns die Dinge vorstellen lassen“, sagte  Christian Henze (SPD). Das sei ein „vollkommen normaler Vorgang“.

Stadtbaurat Thomas Dienberg wies Niers Kritik entschieden zurück: „Das ist kein Skandal, sondern seriöse Vorbereitung.“  Zudem gehöre das in den nicht-öffentlichen Teil. Hans Otto Arnold (CDU) sagte: „Es wird nicht im Hinterstübchen gemauschelt.“ Nier solle aufhören, zu „zündeln“. Im Übrigen sei die Bewertung der Verwaltung nur eine Vorlage, „die Ihnen helfen soll“, sagte Dienberg. „Die Beurteilung ist nicht in Stein gemeißelt.“ Die Politik entscheide am Ende.

Die Fraktionen wollen sich die Angebote nun genau anschauen – und prüfen. Denn wie wolle die Verwaltung sicherstellen, dass die Bieter auch an ihren konzeptionellen Inhalten festhielten, fragten Nier und Felicitas Oldenburg (FDP). Das müsse geklärt werden. Bis zum 26. Juni ist dafür noch Zeit. Dann soll der Rat entscheiden.

Die 13 Angebote im Überblick

  1. Ausschließlich Wohnungen in beiden Gebäuden. 19 Punkte.
  2. Praxen, Kita, Büros und Wohnungen im ehemaligen Schulgebäude, keine Angaben zur Nutzung der Baptistenkirche. 31 Punkte.
  3. Einrichtung eines „ArtCenter Göttingen“. Gastronomie im Kirchengebäude. 43 Punkte.
  4. Kulturzentrum im ehemaligen Schulgebäude mit Kita, Übungs- und Unterrichtsräumen für musikalischen und sportlichen Bereich und Restaurant plus Nutzung der Außenanlagen. Kirchengebäude nicht berücksichtigt. 30 Punkte.
  5. Beschränkt auf das Kirchengebäude, dort im rückwärtigen Bereich Wohnungen und im Erdgeschoss Nutzungen im Bereich Verwaltung, Kultur, Soziales denkbar. 19 Punkte.
  6. Ebenfalls beschränkt auf die Baptistenkirche. Der Kirchenraum soll als Veranstaltungsraum für Kultur- und Sozialeinrichtungen vermietet werden, dazu Gastronomie, Vereinsräume oder Wohnungen. 33 Punkte.
  7. Gesundheitszentrum in beiden Gebäuden, mit Arztpraxen, Reha, ambulanten Einrichtungen, Fortbildung. 30 Punkte.
  8. Einrichtung eines „internationalen interkulturellen Inklusionszentrums“ entweder in einem oder beiden Gebäuden mit kulturellen Aktivitäten für Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf. Dazu Probenräume, Ateliers, Kurse, Audio- und Videostudios. Wohnungen für Hausmeister, Gäste und Künstler. 27 Punkte.
  9. Musizierschule im Kirchengebäude. Dazu Raum zum Üben und für Konzerte und andere Veranstaltungen wie Filmvorführungen. Im Dachgeschoss Wohnungen. Das ehemalige Schulegebäude soll für kulturelle, soziale, pädagogische und integrative Zwecke genutzt werden. Dazu Kita und Café. 34 Punkte.
  10. Ankauf als Paket oder nur Kirche. Dort religiöse Begegnungsstätte, sonst alles von Kleinkunst über Einzelhandel und Büros bis hin zu Wohnungen denkbar. Verschiedene Nutzungen auch für das ehemalige Schulgebäude. 20 Punkte.
  11. Veranstaltungsraum in der Kirche für Rockmusikstiftung, auf Mietbasis auch für Kino, dazu Übungsräume für Musiker. Büros im ehemaligen Schulgebäude, dazu Praxen, Kita und Wohnungen. Nebengebäude am Wall als Musik- und Veranstaltungsraum. 40 Punkte.
  12. In der Kirche Kinosaal, Gastronomie und Nebenräume, dazu Wohnungen. Hostel und Wohnungen in den Obergeschossen des ehemaligen Schulgebäudes. Im Keller und Erdgeschoss Übungsräume, Büros und Ateliers. Nebengebäude als Gartenhaus. 38 Punkte.
  13. Kirchensaal wird kultureller Begegnungsort, Abriss des rückwärtigen Teils des Gebäudes, dafür Wohnungen. Büros und Praxen im ehemaligen Schulgebäude, dazu Wohnungen. Nebengebäude als Atelierhaus. 39 Punkte.
Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Wortreich hatte die Verwaltung einen Tag vor der jüngsten Sitzung des Bauausschusses angekündigt, „die Nutzungskonzepte aller 13 bis zum Stichtag am 6. Mai 2013 eingegangenen Angebote zum Ankauf der beiden städtischen Immobilien in der Bürgerstraße 13 (ehemalige Baptistenkirche) und 15 (ehemaliges Gebäude der Voigtschule)“ in der Sitzung vorzustellen.

03.06.2013

In der Diskussion um den Verkauf der städtischen Gebäude Bürgerstraße 13 (ehemalige Baptistenkirche) und 15 (ehemalige Voigtschule) hat die Verwaltung gestern ein „transparentes Verfahren“ zugesichert.

23.05.2013

In der Diskussion um einen Verkauf der beiden Häuser Bürgerstraße 13 (ehemalige Baptistenkirche) und 15 (ehemalige Voigtschule) bezweifelt Uwe Scheibler, Vorsitzender des Vereins Stadt und Planung, dass bei einem Verkauf der Immobilien unterm Strich große Erlöse für die Stadt übrig bleiben.

21.05.2013