Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen So war der Verkehrssicherheitstag in Göttingen
Die Region Göttingen So war der Verkehrssicherheitstag in Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 16.10.2018
Jolina Hering und Jan Kasten-Diek im Überschlagsimulator beim ersten Verkehrssicherheitstag von Polizeiinspektion Göttingen und Verkehrswacht Göttingen in der Innenstadt. Quelle: Eichner-Ramm
Göttingen

Erstmals haben Polizei und Verkehrswacht Göttingen direkt in der Innenstadt mit dem Verkehrssicherheitstag Station gemacht. Im Fokus standen dabei die Folgen von Ablenkung im Straßenverkehr.

„Ablenkung ist der Killer Nummer eins.“ Mit diesen Worten bringt es der Verkehrssicherheitsberater im Präventionsteam der Polizeiinspektion Göttingen, Jörg Arnecke, auf den Punkt. Ablenkung sei zum Beispiel der kurze Blick auf die Textnachricht im Smartphone während der Fahrt, aber auch schon das Telefonat mit oder ohne Freisprechanlage, betont er. Und Arnecke wird am Sonnabendvormittag in der Göttinger Innenstadt nicht müde, die Passanten auf die Fakten hinzuweisen. „Wer bei Tempo 100 für eine Sekunde auf sein Handy schaut, legt 30 Meter im Blindflug zurück“, sagt Arnecke, „und bei einer Sekunde bleibt es ja normal nicht“, ergänzt er.

Texten beim Fahren entspricht 23-fachem Unfallrisiko

Ein weiteres Beispiel, das jüngere wie ältere Interessierte beim ersten Verkehrssicherheitstag mitten in der Stadt erfahren, überrascht manchen: Telefoniere der Fahrer mit Freisprecheinrichtung, sei die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt, als hätte er 0,8 Promille intus und das Unfallrisiko steige um das Fünffache. Viele würden während des Fahrens auch Textnachrichten schreiben, weiß der Präventionsexperte der Polizei. Damit einher gehe ein 23-faches Unfallrisiko und die Reaktionsfähigkeit entspreche einem Promillegehalt im Blut von 1,1. „Da dürften sie nicht mehr fahren und man ist dann auch nicht mehr in der Lage, ein Fahrzeug zu führen“, macht Arnecke klar.

1. Göttinger Verkehrssicherheitstag Quelle: Max Ballhaus

Mit ihrer Aktion auf dem Markt vor dem Alten Rathaus wollen Polizei und Verkehrswacht Göttingen vor allem jüngere Verkehrsteilnehmer und Senioren ansprechen und auf die Gefahren durch Ablenkung am Steuer hinweisen. Und das gelingt augenscheinlich am Sonnabend, wie Peter Hüttenmeister, Vorsitzender der Verkehrswacht Göttingen, bestätigt. Schon zum Start der Präventionsaktion gegen 9 Uhr hätten Überschlagsimulator, Reaktionstest oder Gurtschlitten viele Interessierte angezogen. Dabei sei es auch nicht nur der Spaß-Faktor gewesen, der die jungen Leute angesprochen habe, sind sich Hüttenmeister und Arnecke einig. „Es kamen auch ganz gezielt Fahranfänger, die sich über das Thema informieren wollten“.

„Das Handy lasse ich in der Tasche“

Jolina Hering und Jan Kasten-Diek enstprechen mit 20 und 23 Jahren genau der Zielgruppe der Aktion. Den Führerschein hätten sie mit 17 Jahren gemacht, sagen sie. Gerne ließen sie sich am Sonnabend ansprechen. Im Gespräch mit den Angehörigen der Verkehrswacht und Polizeihauptkommissar Arnecke betonten beide, dass Texten während der Fahrt für sie nicht in Frage komme. „Das Handy lasse ich in der Tasche und die Tasche bleibt zu“, sagt Hering, „damit ich gar nicht erst in Versuchung komme“. Auch für ihren Begleiter Kasten-Diek ist das Smartphone während der Fahrt tabu, wie er selbst sagt und wundert sich, wie oft ihm Verkehrsteilnehmer mit dem Handy in der Hand an der Ampel auffielen. Dabei sei das ja verboten, sagt der 23-Jährige und fragt Arnecke: „Wie ist das eigentlich mit Essen, Trinken oder Rauchen während der Fahrt?“ Der zitiert sogleich den entsprechenden Paragrafen der Straßenverkehrsordnung (StVO), wonach sich der Fahrer so zu verhalten habe, dass er sein Fahrzeug sicher führen könne. Im Übrigen sei seit Novellierung der StVO nicht nur das Handy am Steuer untersagt, sondern auch jedes elektronische Gerät, ergänzt der Polizist.

1. Göttinger Verkehrssicherheitstag: Gurtschlitten. Quelle: Max Ballhaus

145 Einzelgespräche und etwa 100 Überschläge

Als der Verkehrssicherheitstag am Sonnabendnachmittag in der Göttinger Fußgängerzone zu Ende geht, sind die Kooperationspartner Polizei und Verkehrswacht mehr als zufrieden mit der Resonanz. Annähernd 500 Menschen hätten sich für die Aktion interessiert, bilanziert Arnecke. Der Überschlagsimulator – „das ist ein bisschen wie in der Achterbahn, nur seitlich“, beschreibt Jolina Hering – wurde von etwa 100 Personen genutzt, auf dem Gurtschlitten, der die Wucht eines Aufpralls simuliert, nahmen etwa 40 Menschen Platz. Außerdem seien rund 145 Einzelgespräche über die besonderen Gefahren im Straßenverkehr, nämlich Alkohol, Betäubungsmittel und Ablenkung, geführt worden. Nun hoffen Polizei und Verkehrswacht, dass die Aktion dazu beiträgt, die Unfallzahlen zu senken.

Von Britta Eichner-Ramm

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Samuel Koch sitzt seit einem Unfall in der TV-Show „Wetten, dass...“ im Rollstuhl. Heute ist der Sportler vor allem Schauspieler und Autor. In Göttingen sprach er über „Die Krise als Chance“.

13.10.2018

Der Ausbau der Robert-Koch-Straße zwischen dem Christophorusweg und dem Kreuzbergring wird voraussichtlich bis September 2019 andauern.

15.10.2018

Bei der Solidaritätskundgebung plädierten Redner gegen die Rodung des Hambacher Forsts und für den Ausstieg aus der Kohleenergie.

12.10.2018