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Göttingen Faustschlag ins Gesicht
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00:18 16.12.2017
Demo Video-Screenshot Quelle: r
Göttingen

Auf Youtube und Twitter ist am Mittwoch ein Video von der Demonstration am Sonnabend in der Göttinger Innenstadt aufgetaucht. Zu sehen ist, wie ein Ordner von mehreren Polizisten Schläge mit Stöcken und der Faust einsteckt und zu Boden geht.

Es sollte eine friedliche Demonstration gegen die Durchsuchungsaktion der Hamburger Sonderkommission bei G-20-Gegnern unter anderem auch in zwei Göttinger Wohnungen werden. Jetzt beweist eine kurze Videosequenz, dass es nicht friedlich geblieben ist. Der zweieinhalbminütige Ausschnitt zeigt, wie die Spitze des Demonstrationszugs in der Roten Straße auf eine Gruppe Polizisten zugeht, diese leicht zurückdrängt. Einzelne Mitglieder der eingesetzten Braunschweiger Beweis- und Festnahmeeinheit reagieren mit dem Schlagstock.

Mehrere Treffer mit dem Schlagstock

Zwischen dem „Schwarzen Block“ – etwa 200 teilweise Vermummten – und der Polizei steht ein Ordner, sein Name Marian Ramaswamy. Das Haus seiner Familie war am Dienstag ebenfalls von der Hamburger Soko untersucht worden. Das Video zeigt, wie er mehrere Schläge mit dem Schlagstock einstecken muss, bevor ihn ein Faustschlag ins Gesicht trifft und er zu Boden geht.

Anschließend wird der 27-Jährige von der Polizei auf den Boden gedrückt, mit dem Knie im Nacken festgehalten und schließlich in einen Polizeitransporter gezogen. Nach eigener Aussage verliert Ramaswamy in dieser Phase wiederholt das Bewusstsein. Mehrfach ist auf dem Video zu hören, wie er ruft, er bekomme keine Luft. Seine Mutter versucht, ihm zu helfen, kommt aber nicht durch die Abschirmung. Eine Beobachterin der Bürgerrechtsorganisation „BürgerInnen beobachten Polizei und Justiz“ dokumentiert das Geschehen und ist fassungslos über das Vorgehen der Polizei.

Ermittlung wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Gegen den in Gewahrsam Genommenen werden Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung eingeleitet. Doch auch für die Polizisten wird es ein juristischen Nachspiel geben. Es wurde Strafanzeige wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung im Amt erstattet und eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Göttingen erhoben. Das Video, das der Staatsanwaltschaft Göttingen übergeben wurde, spreche für sich, sagte Anwalt Sven Adam. Zu behaupten, der Verletzte sei nicht verletzt, wie in der Polizeipressemeldung im Nachgang der Demonstration zu lesen war, sei absurd. „Die gut sichtbaren Taten sprechen jedenfalls eine andere Sprache, und ich bin schon sehr auf die Erklärungen der Beamten gespannt“, so Adam weiter.

Polizeipräsident Uwe Lührig bestätigt am Mittwoch auf Nachfrage: „Das sieht in der ersten Einschätzung ziemlich hart aus.“ Da sei massiv Gewalt angewendet worden. Allerdings zeige das Video nur einen Ausschnitt der Szene. „Das Gesamtbild kennen wir noch nicht.“ Er habe allerdings umgehend nach der Sichtung des Videos die Polizeiinspektion beauftragt, Ermittlungen zu den Vorgängen aufzunehmen. Zudem werde er sich das gesamte Videomaterial, das von Seiten der Polizei zu dem Einsatz angefertigt wurde, persönlich ansehen.

„Polizeiführung hat wissentlich geleugnet“

Gerd Nier (Linke), Anmelder der Demonstration vom Sonnabend, reagiert erschüttert auf das veröffentlichte Videomaterial. Er habe sich nach dem Vorfall bei der Einsatzleiter erkundigt. Ihm sei versichert worden, der junge Mann sei nicht verletzt oder misshandelt worden. Es handele sich um ein Gerücht, dass der Tatverdächtige das Bewusstsein verloren habe, heißt es in einer Polizeimitteilung von Sonnabend. „Nun scheinen die Videoaufzeichnungen eindeutig zu belegen, dass die Polizeiführung den Vorfall wissentlich geleugnet oder zumindest völlig verharmlost hat“, so Nier. Gegenüber dem Tageblatt bestätigt Lührig am Mittwoch, dass Ramaswamy sehr wohl bewusstlos gewesen sein soll.

Die Grüne Jugend fordert eine umfassende Erklärung des Polizeipräsidenten. „Hier findet aktuell eine fatale Enthemmung polizeilichen Handelns statt. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit werden gerade mit Füßen getreten.“

Von Markus Scharf

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