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Göttingen Nach Fausthieb: Sechs Wochen Babybrei
Die Region Göttingen Nach Fausthieb: Sechs Wochen Babybrei
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00:17 01.10.2016
Nur noch ein Schrotthaufen: Tiefergelegter BMW nach Unfall unter Alkohol und Drogen.   Quelle: Sacher
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Göttingen/Rosdorf

Die Jugendstrafe fiel mit einem halben Jahr milde aus. Massiv aber sind die Bewährungsauflagen. Dennoch nahm der 20-Jährige das Urteil sofort an. 8000 Euro Schmerzensgeld muss er an seine Opfer zahlen. Deren Forderungen in möglichen Zivilklagen könnten aber noch höher ausfallen.

Für Schlagzeilen hatte im März der dramatische Unfall gesorgt. Der tiefergelegte BMW war zwischen Obernjesa und Rosdorf gegen einen Baum gekracht, der Fahrer war herausgeschleudert worden, eine Beifahrerein war eingeklemmt. Beide kamen schwer verletzt ins Krankenhaus. Reines Glück, dass beide überlebten. Bei dem 20-Jährigen waren nach dem Unfall knapp 0,9 Promille und eine massive Intoxikation mit Amphetaminen festgestellt worden. Ein Gutachten ergab, dass der Mann gefahren sei. Deshalb wurde er angeklagt wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und Körperverletzung.

Damit nicht genug. Parallel ergab sich das Bild eines Schlägers. In vier Fällen, so gab der Anklagen auch zu, hat der Rosdorfer völlig ahnungslosen, unbeteiligten jungen Männern die Faust ins Gesicht geschlagen. Etwa am 24. April in der Disco Red Carpet. Da erwischte es einen Polizeikommissar-Anwärter, der mit Kollegen seine Prüfung feierte. Auf der Tanzfläche hieb ihn der Faustschlag des Angeklagten einfach um. Schlimmer noch erging es einem Jurastudenten, der ins Gespräch vertieft nachts durch die Stadt schlendere. In Höhe der Postbank schlug der Täter zu, brach dem 20-Jährigen den Kiefer mit einem einzigen Schlag zweimal.

Mindestens eine Stahlplatte im Gesicht wird er immer tragen müssen. Auch der Kommilitone erhielt einen Hieb. Dessen 1000-Euro-Brille war danach verloren. Viertes Opfer war ein Göttinger, der als einziger nicht völlig arglos war. Am Alten Rathaus hatte der Angeklagte von ihm das Handy verlangt, dann aber sofort zugeschlagen. Ein Raubversuch war das nicht, denn offensichtlich ging es nicht um Beute. Zwei Opfer wurden so schwer verletzt, dass sie sechs Wochen mit der Nuckelflasche von Babybrei lebten, einer gar so lange im Studium fehlte.

Warum aber schlug er zu? Das stellte das Gericht vor Rätsel. Der Angeklagte behauptet, nichts zu erinnern. Das passiere immer, wenn er was trinke. Das Jugendschöffengericht ging darauf in seinen Bewährungsauflagen ein: Fünf Pflichttermine bei der Drogenberatung, sechs Monate Drogenscreening, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit und monatlich 200 Euro Wiedergutmachungszahlung an die Opfer. Der Führerschien ist vorerst weg. Der Student mit Kieferbruch soll 4000 Euro erhalten, sein Kumpel mit der Brille 1500, die anderen 500 oder 1000 Euro Schmerzensgeld. Das Geständnis sei zwar strafmildernd, die Taten aber sprächen von "ganz niederer Gesinnung".

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