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Göttingen Vier Sparkassen im Landkreis fusionieren
Die Region Göttingen Vier Sparkassen im Landkreis fusionieren
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00:23 25.10.2018
Sparkasse in Südniedersachsen. Quelle: ah_fotobox - Fotolia.com / Montage: Tater
Duderstadt/Osterode/Hann. Münden/Bad Sachsa

Die vier regionalen Sparkassen im Landkreis Göttingen wollen sich zusammenschließen. Wenn die Räte zustimmen, wird die Fusion der Kreditinstitute Osterode am Harz, Duderstadt, Münden und Bad Sachsa zum 1. Juni 2019 wirksam, erklärte der Göttinger Landrat Bernhard Reuter (SPD) am Montag. Tageblatt-Chefredakteur Uwe Graells befürwortet die Fusion.

Alle derzeitigen Zweigstellen der vier beteiligten Sparkassen blieben erhalten, versicherte Reuter. An allen Hauptstellen bleibe das bisherige Komplettangebot erhalten, in Herzberg komme eine weitere Hauptstelle dazu. Auch werde es keine fusionsbedingten Kündigungen geben. Vorgesehen sei allerdings ein sozialverträglicher Personalabbau in der Größenordnung von 40 Stellen. Derzeit beschäftigen die vier Sparkassen 377 Mitarbeiter. Der Name der neuen Sparkasse: „Sparkasse in Südniedersachsen“.

Eigenkapital stärken

Ziele der Fusion seien Kosteneinsparungen, die Stärkung des Eigenkapitals und die dauerhafte Sicherung von Arbeitsplätzen, erklärte Reuter. Bis zum Jahresende müsse der Zusammenschluss beschlossen sein, um im kommenden Jahr wirksam werden zu können. Bis dahin muss die Politik in den jeweiligen Räten die Fusion beschließen, und die Verbandsversammlungen der Sparkassen müssen ebenfalls entsprechend entscheiden. Dieser Prozess soll vor Weihnachten abgeschlossen sein.

Akute Probleme der vier Sparkassen gebe es derzeit nicht, erklärte Reuter. Allerdings herrsche derzeit „eine konjunkturelle Ausnahmesituation“ vor. Reuter: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass eine Hochkonjunkturphase so lange andauert.“ Man könne sich jedoch nicht darauf verlassen, dass dies lange anhält: „Es gibt genügend Verrückte auf der Welt, die beispielsweise Handelskriege provozieren.“ Spätestens für solche Entwicklungen müssten gerade die kleineren Sparkassen vorbereitet sein: Die Erträge müssten gesteigert, die Kosten verringert und das Eigenkapital gestärkt werden, um schwierigere Situationen ohne größere Schäden überstehen zu können.

Neue Bereitschaft

Die entsprechende Einsicht, sagte Reuter, habe es in der Vergangenheit durchaus gegeben, aber bis vor kurzem nicht die Bereitschaft, eine Fusion als Konsequenz daraus in Betracht zu ziehen. Das sei anders geworden.

Die Fusion werde angestrebt „im Bewusstsein der öffentlichen Aufgabe, durch die Errichtung leistungsfähiger Sparkassen in ihrem Gebiet den Wettbewerb zu stärken und die angemessene und ausreichende Versorgung aller Bevölkerungskreise und insbesondere des Mittelstandes mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen in der Fläche sicherzustellen“, heißt es in dem Fusionsvertrags-Entwurf, der dem Tageblatt vorliegt. Der Schritt zu einem Zusammenschluss sei „von dem Willen getragen, im Interesse von Bevölkerung und Wirtschaft die Leistungsfähigkeit der bestehenden Institute nachhaltig zu stärken und eine schlagkräftige öffentlich-rechtliche Sparkasse für die Region Südniedersachsen zu schaffen“.

Acht Millionen mehr durch Fusion

Durch die Fusion allein, erwartet Reuter, lasse sich eine Ergebnisverbesserung in Höhe von acht Millionen Euro erzielen – durch Einsparungen bei den Personalkosten, noch mehr bei den Sachaufwendungen und durch höhere Erträge durch einen effektiveren Vertrieb. Sollte alles nach Plan laufen, ginge die Fusion der vier Sparkassen im Landkreis Göttingen sehr zügig über die Bühne. Für die Bilanzierung gilt der offizielle Fusionstermin, der 1. Juni 2019, rückwirkend – zum Jahresende wird eine Gesamtbilanz für das gesamte Jahr 2019 erstellt.

An der fusionierten Sparkasse wird der Landkreis Göttingen 44,81 Prozent halten, die Stadt Duderstadt 16,15 und die Stadt Osterode 14,46 Prozent. Es folgen die Stadt Bad Lauterberg mit 9,64 Prozent, Hann. Münden mit 9,38 und die Stadt Bad Sachsa mit 5,56 Prozent.

Hauptsitz Duderstadt

Im juristischen Ablauf wird die jetzige Sparkasse Osterode die anderen drei Institute aufnehmen. Ihren juristischen Sitz jedoch wird die „Sparkasse in Südniedersachsen“ in Duderstadt haben, erklärte Reuter. Davon losgelöst werde die neue Sparkasse „dauerhaft einen gleichberechtigten doppelten Vorstandssitz in Duderstadt und Osterode am Harz“ haben, heißt es im Fusionsvertrag. Privat organisierte Vorstandsbüros soll es nicht mehr geben, weil die Vorstände flexibel an unterschiedlichen Orten tätig sein sollen. „An allen bisherigen Hauptstellen“, so der Fusionsvertragsentwurf, „verbleibt ein Vorstandsbüro zur repräsentativen Nutzung vor Ort. Die Vorstandsmitglieder haben ihre Präsenz an beiden Vorstandssitzen sicherzustellen.“

Vorstandsvorsitzender der fusionierten Sparkasse soll Uwe Hacke werden, derzeit Vorstandschef der Sparkasse Duderstadt. Als sein Stellvertreter ist Thomas Toebe vorgesehen, Vorstandsvorsitzender in Osterode. Dazu kommen Thomas Scheffler aus Hann. Münden, Uwe Maier aus Osterode und Markus Teichert aus Duderstadt als weitere Mitglieder im neuen Vorstand. Bis zum Jahr 2024 soll die Zahl der Mitglieder dieses Gremiums auf drei reduziert werden. „Die Vertragslaufzeiten, Vergütungen und Versorgungszulagen der fünf ordentlichen Vorstandsmitglieder“, heißt es im Fusionsvertrag, „werden unverändert von der fusionierten Sparkasse übernommen.“

Auch die Zahl der Mitglieder der Verbandsversammlung soll mittelfristig sinken. In einer Übergangsphase bis zum 31. Oktober 2026 soll es 41 Mitglieder geben, danach reduziert sich die Zahl der Mitglieder auf 21. Anfangs entsendet der Landkreis Göttingen 18 Vertreter, Duderstadt sieben, Osterode sechs, Bad Lauterberg und Hann. Münden jeweils vier und Bad Sachsa zwei. Ab November 2026 reduzieren sich diese Zahlen entsprechend der Verkleinerung der Verbandsversammlung.

Bad Sachsa rotiert

Der Verwaltungsrat, das Kontrollgremium der fusionierten Sparkasse, wird aus sechs Vertretern der Arbeitnehmer und aus zwölf Mitgliedern aus den Reihen der Kommunen bestehen. Fünf von ihnen werden auf Vorschlag des Landkreises Göttingen entsandt, jeweils zwei auf Vorschlag aus Duderstadt und Osterode. Für Bad Sachsa bedeuten die Anteilsverhältnisse, dass sie im 18 Mitglieder starken Verwaltungsrat nicht dauerhaft vertreten ist. Um der Stadt dennoch eine Vertretung in dem Gremium zu ermöglichen, werde sie einen Sitz im Verwaltungsrat im jährlichen Wechsel mit einem Vertreter des Landkreises einnehmen können, erläuterte Reuter. Vorsitzender des Verwaltungsrates wird der Verbandsgeschäftsführer, Landrat Bernhard Reuter. Erster Stellvertreter wird der Verwaltungschef der Stadt Duderstadt, zweiter Stellvertreter derjenige aus Osterode.

Die unterschiedlichen Stiftungen der vier bisherigen Sparkassen bleiben von der Fusion unberührt. Reuter erwartet dadurch keine Komplikationen.

All das müssen noch die politischen Gremien der beteiligten Kommunen bestätigen. Den Auftakt machen Duderstadt und Hann. Münden mit ihren Stadtratssitzungen am 4. Dezember. Am 6. Dezember folgt Bad Sachsa, am 16. Dezember Osterode. Am 18. Dezember sind der Kreistag Göttingen und Bad Lauterberg an der Reihe. Am 19. und 20. Dezember schließlich müssen noch die Verbandsversammlungen der bisherigen Sparkassen ihre Zustimmung geben.

Von Matthias Heinzel

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