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Göttingen Voigtschule: Hat Investor andere Pläne als angenommen?
Die Region Göttingen Voigtschule: Hat Investor andere Pläne als angenommen?
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00:17 31.10.2013
Von Ulrich Schubert
Könnte „verdichtet“ werden: freie Fläche zwischen den Objekten an Bürgerstraße und Stadtwall. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Das fürchten die Bauexperten unter den Ratspolitikern. Denn sie fragen sich, warum die Stadtverwaltung jetzt als scheinbare Formalie zum Verkauf der Objekte die Grundlage für eben solche unerwünschten Änderungen schaffen wolle.

Bevor die Stadt die beiden großen Häuser im Sommer verkauft hat, hatte es eine heftige Diskussion um die künftige Nutzung gegeben. Im Ergebnis sollten sie vor allem kulturellen Zwecken dienen. Hintergrund der neuen Debatte ist eine vorgesehene Änderung des Bebauungsplanes für den betroffenen Bereich zwischen Gartenstraße und Angerstraße mit fünf Gebäuden. Die Verwaltung will damit nach ihren eigenen Angaben die rechtlichen Grundlagen für die Pläne des Käufers schaffen.

Vor allem soll das bisherige „allgemeine Wohngebiet“ künftig als sogenanntes Mischgebiet mit mehr Nutzungsmöglichkeiten auswiesen werden.

Ateliers für Künstler und Kreativ-Büros

Das sei erforderlich, damit das vom Investor geplante Art-Center mit Ateliers für Künstler, Kreativ-Büros für  alte und neue Medien und Übungsräumen für Musiker realisiert werden kann. Zugleich soll eine alte Vorgabe von 1968 gestrichen werden: Danach müsste das mächtige Schulgebäude nämlich eigentlich abgerissen und eine Grünfläche angelegt werden, wenn es nicht mehr als Schule genutzt wird. Im Bauausschuss des Rates wollte sich die Verwaltung jetzt das politische Okay geben lassen, den Bebauungsplan entsprechend ändern zu dürfen.

Das aber sei doch gar nicht nötig, konterte der Ausschussvorsitzende Christian Henze (SPD) und stellte dabei vor allem die Begründung der Verwaltung in Frage. Schließlich lasse die gültige Bau-Nebenverordnung zu den Baugesetzen in ausgewiesenen Wohngebieten ausdrücklich „nicht störende Handwerke“ zu.

Und auch Gebäude für „kulturelle Zwecke“ sind „damit erlaubt“. „Was steckt wirklich dahinter“, wollte Gerd Nier von den Linken wissen, und fügte orakelnd an: „Da wird aus dem Art-Center wohl schnell ein Arzt-Center?“ Auch im bereits bestehenden Center in Bielefeld, das vom Investor in seiner Bewerbung als Beispiel angeführt war, gebe es bereits Praxen und Anwaltskanzleien, bestätigte Martin Rieth (Piraten).

„Verdichtung“ des Geländes

Und Göttingens Umweltbeauftragte Britta Walbrun  fürchtet, dass mit der vorgesehenen „Verdichtung“ des Geländes neue oder angebaute Gebäude den Blick auf den besonders geschützten Wall beeinträchtigen werden: „Wenn wir jetzt die falschen Weichen stellen, kann der Investor oder ein neuer Käufer in 50 Jahren Dinge machen, die wir nicht wollen“, sagte sie.

Im vorgesehen Bebauungsplan blieben das sowohl das Naturdenkmal Wall als auch sein Umfeld „völlig unberücksichtigt“ kritisierte für den Verein „Stadt und Planung“ der Vorsitzender Uwe Scheibler. Rat und Verwaltung sollten sich im Bebauungsplan rechtlich absichern, damit ihre Vorstellungen auch nach dem Verkauf dieser besonderen Objekte realisiert werden, forderte für die Grünen Horst Roth.

Genau das aber solle mit dem jetzigen Aufstellungsbeschluss für eine dann folgende Änderung des Bebauungsplanes untersucht werden, versicherte die Verwaltung. Schließlich stimmte der Ausschuss gegen das Votum von Nier zu – mit einer entscheidenden Korrektur: Als Ziel und Zweck des Verfahrens soll jetzt ein ausgewiesenes Mischgebiet oder auch ein „allgemeines Wohngebiet“ festgelegt werden, wenn damit die Wünsche der Stadt abgesichert werden.

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