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Göttingen Mit Mut zurück in den Beruf
Die Region Göttingen Mit Mut zurück in den Beruf
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00:18 20.05.2017
Quelle: Lieske
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Göttingen

Das Bundesprojekt "Perspektive Wiedereinstieg Göttingen" an der Volkshochschule Göttingen (VHS) bietet Frauen Hilfe beim Rückkehr in den Beruf. Mit der Kampagne "Jetzt bin ich dran! Zurück in den Beruf" wollen die Initiatoren auf das Programm aufmerksam machen.

Information ist das Wichtigste

Um auf das Programm aufmerksam zu machen, planen die Initiatoren am Freitag, 19. Mai, eine Informationskampagne. Mit einem Info-Mobil wollen sie interessierte Frauen in der Region Göttingen erreichen. Stationen sind die Fußgängerzone Hann. Münden (Kirchplatz, 9 bis 10 Uhr), Der Wochenmarkt in Bovenden (11.20 bis 12.20), die Feilenfabrik Duderstadt (13.45 bis 14.45 Uhr) und der "Kauf Park" (16.10 bis 17.10 Uhr).

Als selbstständige Innenarchitektin bekam Svenja Wendt ihr erstes Kind. Mit dem zweiten Kind kam dann der Umzug von Heidelberg nach Northeim und damit auch der Austritt aus dem Beruf. "Es war eine bewusste Entscheidung auszusteigen", sagt Wendt. Inzwischen hat sie vier Kinder - "Eine tolle Idee", wie die 49-Jährige lachend feststellt. Nach zwölf Jahren schaffte sie mit dem Programm der VHS nun den Weg zurück in den Beruf. Durchaus mit einem überraschenden Ergebins, wie sich zeigen sollte. Ein bisschen den Anstoß für die Rückkehr ins Berufsleben habe eine Stellenanzeige bei einem Architekturbüro in Weende gegeben, erzählt die 49-Jährige. Doch es habe der Mut zur Bewerbung gefehlt. Schließlich wandte sie sich an "Perspektive Wiedereinstieg Göttingen".

Mehr Informationen hier:

Stationen Info-Mobil_2 (6,1 kB)

In dem Programm gehe es nicht einfach nur darum, die Frauen auf den aktuellen Stand zu bringen, sondern ihre individuellen Fähigkeiten zu berücksichtigen und was sie im Beruf wollen, so Susanne Berdelmann, von der VHS. "Die Entscheidungsfindung ist schwierig. Man muss gucken, was realistisch ist", sagt Berdelmann. Auf den neuesten Stand zu kommen, sei dabei das geringste Problem. Oft sei das in kürzester Zeit geschafft.

Das größte Problem stehe ganz am Anfang, stellt Bärbel Okatz von der VHS fest: "Die große Schwierigkeit ist die Information." Viele Frauen wüssten gar nicht, welche Hilfsangebote es für sie gibt. "Wir müssen ganz ganz breit informieren", sagt Okatz. Der benötige Umfang der Hilfe sei dabei sehr unterschiedlich. "Manche Frauen kommen gezielt mit Bewerbungsunterlagen", sagt Berdelmann. Aber auch wer mehr Unterstützung benötigt, für den gibt es Angebote. In den umfangreichen Programmen seien beispielsweise Kurse zur Selbstpräsentation, aber auch Praktika enthalten. Fester Bestandteil seien außerdem Gruppencoachings. Diese dienten zum Einen dem Austausch untereinander, aber auch der Gewöhnung an einen acht-Stunden-Tag. Außer der VHS sind die Agentur für Arbeit Göttingen und die Koordinierungsstelle Frauenförderung der Stadt Göttingen an dem Projekt beteiligt. "Wir ziehen gemeinsam an einem Strang", sagt Okatz. Alle Beteiligten könnten auf ein breites Netzwerk zurückgreifen.

Dieses Netzwerk half auch Svenja Wendt bei ihrem Wiedereinstieg in ihren erlernten Beruf. Der Weg war dabei aber nicht gradlinig. Auch das sei normal, sagt Berdelmann, es solle schließlich auch das Richtige sein. So stand auch bei Wendt zeitweilig eine Selbstständigkeit im Raum. Besondere Inspiration bei der Entscheidungsfindung für ihre berufliche Zukunft habe ihr ein Praktikum beim Rosengarten in Reinhausen gegeben. Viel wichtiger aber noch: Die Erfahrungen, die sie in ihrer Zeit der Familienbetreuung gesammelt hat, wirken sich positiv aus. "Man guckt über andere Zeiträume und lernt Prioritäten zu setzen", sagt Wendt. Damit sei diese Zeit mit Blick auf den Wiedereinstieg in den Beruf auf keinen Fall eine verlorene. Seit dem 20. März arbeitet Wendt nun wieder in Teilzeit als Innenarchitektin, und zwar bei der Weender Firma, bei der sie zunächst nicht den Mut hatte, eine Bewerbung zu schreiben.

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