Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Vorsicht, Petermännchen!
Die Region Göttingen Vorsicht, Petermännchen!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:28 07.07.2017
Wer im niedrigem Wasser watet, sollte Badeschuhe tragen. Quelle: dpa
Göttingen

Vor allem ein Fisch kann Strandurlaubern gefährlich werden: Das Petermännchen ist eines der gefährlichsten Gifttiere in Eu­ropa. Die von ihm abgegebenen Giftstoffe lösen so­fort heftigste Schmerzen aus, die sich auch auf andere Körperregionen ausdehnen und über Wochen und Monate andauern können.

„Die Verletzungen sind nicht lebensbedrohlich, aber sehr schmerzhaft“, sagt Professor Andreas Schaper, einer der beiden Leiter des GIZ-Nord. Der Toxikologe bezeichnet das Petermännchen als „Kreuzotter der deutschen Küste.“

Das GIZ-Nord, das für die Bundesländer Schleswig-Holstein, Bremen, Ham­burg und Niedersachsen zuständig ist, hat vor allem im Sommer regelmäßig mit solchen Vergiftungsfällen zu tun. Allein im vergangenen Jahr hatten die Göttinger Experten 39 Anfragen zu Vergiftungen, die vermutlich durch Petermännchen ausgelöst wurden.

Unter anderem war im September ein Mann bei Cuxhaven mit dem Fisch in Berührung gekommen. Petermännchen haben giftige Stacheln an den Rückenflossen und einen giftigen Dorn auf dem Kiemendeckel. Elf Vergiftungsfälle wurden als mittelschwer eingestuft. Meist bilden sich Schwellun­gen und Blasen. Nach 24 Stunden erscheint die Wunde oft taub und gefühllos.

Vorsicht ist vor allem im Frühjahr und Sommer beim Urlaub an Nord- und Ostsee geboten. In dieser Zeit hal­ten sich Petermännchen zum Laichen in flachen Gewässern auf und graben sich dort in Sand und Schlamm ein, so dass nur noch die Augen sichtbar sind. Die mei­sten Verletzungen ereigneten sich beim Waten im niedrigen Wasser, beispielsweise bei einer Wattwanderung, sagt Schaper.

Die beste Erste-Hilfe-Maßnahme bei Vergiftungen durch Petermännchen ist nach Angaben der Göttinger Giftexperten die so genannte „Temperatur-Schock-Methode“. Dazu wird das betroffene Hautareal zunächst einer dosierten Tempe­raturerhöhung ausgesetzt, am besten mit einem Fön.

Da jedoch am Strand nicht immer ein Fön und eine Steckdose verfügbar sind, kann man auch eine brennende Zigarette nehmen. Diese wird für einige Minuten über die Hautstelle gehalten. Der Abstand sollte zwischen einem halben und einem Zen­timeter be­tragen, damit es keine Verbrennungen gibt. Direkt danach sollte man einen Eis­beutel auf die Haut legen. Die extreme Temperaturdifferenz bewirkt, dass das Gift de­aktiviert wird.

Auch Feuerquallen können Vergiftungen hervorrufen. Im vergangenen Jahr registrierte das GIZ-Nord neun Vergiftungsfälle, die auf Nesseltiere zurückzuführen waren. Wer beim Baden mit einer Feuerqualle in Kontakt kommt, sollte sofort das Wasser verlassen, raten die Göttinger Giftexperten.

Häufig zei­gen sich die Symptome erst nach 30 bis 60 Minuten. Als Sofortmaß­nahme sollte man dann Essig oder Rasierschaum auf das betroffene Hautareal aufbrin­gen. „Rasierschaum inaktiviert die Nesselkapseln“, erklärt Schaper. Unter keinen Umständen sollte man versuchen die Nesselkapseln abzuwischen, da dadurch die Giftinjektion verstärkt werden könne.

Stattdessen sollte man den aufgetragenen Rasierschaum in der Sonne trocknen lassen. Anschließend kann man ihn mitsamt den Nesselkapseln problemlos mit einer Kreditkarte oder einem anderen Gegenstand entfernen. Noch ein Tipp: Da Quallen nachtaktiv sind, sollte man lieber nicht nachts baden.

Doch auch wer den Urlaub zuhause verbringt und nur mit Fischen im Aquarium zu tun hat, ist vor Verletzungen nicht gefeit: Regelmäßig bekommt das GIZ-Nord Anfragen zu Vergiftungsfällen von Aquariumsbesitzern, die bei Reinigungsarbeiten durch gif­tige Fische verletzt wurden. Vor allem der bei Aquarianern beliebte Rotfeuer­fisch hat es in sich - seine Flossen sind gespickt mit Giftdrüsen. 

Das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen ist rund um die Uhr zu errei­chen unter Tel. 0551 / 19240.

nie

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!