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Göttingen Vorwürfe auch in Göttingen
Die Region Göttingen Vorwürfe auch in Göttingen
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00:19 26.10.2017
Quelle: gt
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Göttingen/Hildesheim

Die IPP-Analyse bezieht sich auf die Haltung des Bistums gegenüber Vorwürfen gegen Peter R., der bereits im Zentrum des Missbrauchsskandals am Berliner Canisius-Kolleg mit mehr als 100 Opfern stand. Dem Pater wurden nach Angaben des Instituts elf Missbrauchsfälle in seiner Hildesheimer Zeit (1982 bis 2003) nachgewiesen. Dies sei aber wohl nur die Spitze eines Eisbergs, erklären die Gutachter. Sechs der Fälle seien strafrechtlich relevant gewesen, aber mittlerweile verjährt.

Diese elf Fälle stellte das IPP in den Mittelpunkt seiner Analyse. Aus Peter R.’s Göttinger Zeit seien weitere, allerdings vage Hinweise auf Übergriffe bekannt geworden, hatte das Bistum bereits im Jahr 210 eingeräumt. Bestätigt ist hingegen eine Messerattacke – andere Quellen sprechen von einem Schraubenzieher als Tatwaffe – auf Peter R. im Jahr 1986. Damals griff ein ehemaliger Canisius-Schüler, nach Angaben von Mitschülern ebenfalls Opfer des Paters, den Geistlichen in dessen Büro in der Nikolaistraße an und verletzte ihn. Dort leitete der Priester damals das Rutilio-Grande-Haus, eine Einrichtung für Jugendliche. Blutend schleppte sich der Geistliche in das Büro der St. Michael-Gemeinde in der Turmstraße. Nach Tageblatt-Informationen verhinderte Peter R., dass die Polizei eingeschaltet wurde. Der Angreifer habe nur Geld gewollt, soll der Pater gesagt haben. Nach dem Überfall soll sich der Täter das Leben genommen haben.

1988 ging Peter R. für ein halbes Jahr nach Mexiko. Nachdem der Pater beschuldigt wurde, dort ein Mädchen missbraucht zu haben, musste er Göttingen verlassen. Bald danach wurde das Rutilio-Grande-Haus geschlossen. Ein Jesuit, der damals vertretungsweise im Jugendhaus wirkte, habe den Leiter der Ordensprovinz auch auf Gerüchte unter Jugendlichen über Übergriffe durch R. Hingewiesen, erklärte damals Heribert Graab, selbst Jesuitenpater und langjähriger Pfarrer an St. Michael.

Trotz aller damaligen Vorwürfe sei dem Priester der Umgang mit Kindern und Jugendlichen nicht verboten und seine Arbeit nicht kontrolliert worden, erklärt das IPP. „Der damalige Umgang des Bistums Hildesheim mit diesen Fällen ist von einem Muster der Naivität, Verantwortungslosigkeit und unklaren Kommunikation geprägt“, heißt es in dem Gutachten. Bistum und Jesuiten hätten sich die Verantwortung für den Priester gegenseitig zugeschoben, erklärten die Gutachter. Insbesondere lasten sie dem Bistum an, den Priester nach intern bekannt gewordenen Missbrauchsfällen immer wieder in andere Gemeinden versetzt zu haben, ohne dort über den tatsächlichen Grund zu informieren.

Die Gefährdung von Minderjährigen sei vom Bistum demnach wissentlich in Kauf genommen worden. Selbst 2010 nach Bekanntwerden massenhaften Missbrauchs in katholischen Einrichtungen habe das Bistum im Fall eines Serientäters weiter unangemessen reagiert, stellten die Gutachter fest.

Von Matthias Heinzel

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