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Göttingen Jugend von heute
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18:00 31.08.2018
Ausschreitungen in Chemnitz Quelle: 2018 Getty Images
Göttingen

Und in den Medien tauchen Jugendliche vor allem im Zusammenhang mit Messerstechereien und Krawall auf, aber wenn da mal einer Oma über die Straße geholfen wird, steht das natürlich nicht in der BILD-Zeitung. Ich habe mich jedenfalls sehr über den Zuspruch eines jugendlichen Radlers gefreut, als ich letzte Woche spätabends mein plattes Fahrrad stundenlang heim schieben musste, auch wenn mich ein Fahrradtausch noch mehr begeistert hätte.

Mit großer Aufmerksamkeit habe ich den Bericht letzten Samstag zur Raumnot Jugendlicher und den daraus resultierenden Konflikten in Adelebsen und über die sie dabei unterstützende aufsuchende Jugendarbeit des Landkreises im Tageblatt gelesen. Gut, dass es diese Unterstützung gibt, denn wir sollten die Bedürfnisse Jugendlicher unbedingt ernst nehmen. Und es sollte uns alarmieren, wenn wir lesen, dass sich in Adelebsen schon der rechtsradikale „Freundeskreis“ und die „Hells Angels“ an die jungen Leute rangewanzt haben. Wenn wir als Gesellschaft Jugendliche vernachlässigen und solchen Typen überlassen, drohen uns nämlich irgendwann Verhältnisse wie in Sachsen, wo die Landespolitik die staatliche Jugendarbeit in den Neunzigern weitgehend eingestellt und damals der NPD überlassen hat.

Gleichzeitig wird der Neonazismus von der Landesregierung schon seit Biedenkopfs Zeiten bagatellisiert. Und so ist es in Sachsen heute völlig normal, wenn Jugendliche rechtsradikal sind. Das wird offen gezeigt und regt kaum jemand auf. Und wenn am Montag der stellvertretende Ministerpräsident Martin Dulig von der SPD in den Tagesthemen zu den abscheulichen Vorgängen in Chemnitz sagt, man müsse den Anfängen wehren, dann kann man ihm nur antworten, dass es dafür in Sachsen ungefähr 25 Jahre zu spät ist. Aber bei uns eben noch nicht. Und deshalb sollten wir uns in Zuwendung und Toleranz üben und Jugendliche stärken, um sie gegen solche Tendenzen zu immunisieren.

Schlimmer als wir damals, sind die Jugendlichen heute nämlich auch nicht. Die Mode ist nur noch alberner.

Von Lars Wätzold

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