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Göttingen Hoch die Tassen
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00:20 16.07.2018
Quelle: dpa
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Göttingen

Als ich letzte Woche las, dass die Grüne Hochschulgruppe Mehrwegbecher auf dem Campus fordert, musste ich mal wieder wehmütig an mein eigenes Studium denken, das ich Mitte des Pleistozän mit einem Diplom abschloss, weshalb ich übrigens bis heute als Diplomat in zahlreichen Ländern umfassende Immunität genieße. Da kann Boris Becker aber einpacken mit seinem Sportattaché-Quatsch.

Und ich fühlte mich irgendwie ertappt, als ich in dem Bericht vom „allgemeinen Tassenschwund“ las, denn der Inhalt unseres damaligen WG-Küchenbuffets bestand zum Großteil aus Studentenwerksbeständen. Gerade die Mensatasse besticht ja durch ihr schlichtes, funktionales Design, das sich nie geändert hat, weshalb sie beliebig wiederbeschafft werden konnte.

Lars Wätzold behält den Überblick. Quelle: Christina Hinzmann

Gejubelt haben wir damals übrigens, als mit der Eröffnung der Mensa am Turm endlich normale Teller eingeführt wurden und damit eine Alternative zum circa 60 Zentimeter breiten, klobigen Tablett-Teller mit Mulden für Hauptkomponente, Stärkebeilage und Gemüse verfügbar war, der kaum in unseren Schrank passte und sich außerdem beim romantischen Menü als ziemlicher Stimmungskiller erwies.

Wir hatten halt kein Geld für Küchenkram, denn wir lebten in den Tag und vertranken unser Bafög in der Nacht, während sich das Studium von allein erledigte.

Die Studis heute hingegen haben ja gar keine Zeit mehr für die schönen Dinge des Lebens, denn zum einen ist durch die blödsinnige Bologna-Reform studieren sehr aufwendig und zum anderen müssen sie zusätzlich Geld verdienen, weil die Mieten so hoch sind.

Für Savoir Vivre bleiben da natürlich keine Ressourcen mehr. Stattdessen wachsen nun seelenlose Karrieristen heran, die sich auch nicht mehr gesellschaftlich engagieren; was uns alle alarmieren sollte. Ich kam jedenfalls wirklich ins Grübeln, als ich las, dass sich diesmal nur acht junge Frauen zur Wahl des Gänseliesels beworben haben, wo das doch so ein tolles, repräsentatives Amt ist – quasi die Bundespräsidentin von Göttingen. Um in den nächsten Jahren sicherzustellen, dass es überhaupt noch ein Liesel gibt, sollten deshalb dringend die Teilnahmeregeln modernisiert werden; und zwar hin zum All-Gender-Liesel.

Schließlich kann man bei Facebook mittlerweile sogar zwischen 60 verschiedenen Geschlechtsidentitäten wählen, aber unser Gänseliesel muss immer noch eine klassische Frau im Sinne der binären Geschlechterordnung sein? Das ist doch nun wirklich von vorgestern und einer modernen Universitätsstadt, die ja immerhin auch die Charta der Vielfalt unterschrieben hat, schlicht unwürdig.

Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@goettinger-tageblatt.de

Von Lars Wätzold

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