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Göttingen Wie ein Wal umzieht
Die Region Göttingen Wie ein Wal umzieht
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21:25 25.02.2018
Hier seht man die Verwandtschaft zwischen Mensch und Wal: Präparator Carsten Wortmann zeigt das Schulterblatt mit den „fünf Fingern“, die für die Stabilität der Walflossen sorgen. Quelle: pid
Göttingen

Das Skelett stammt von einem Pottwal, der im Januar 1998 vor der Halbinsel Nordstrand verendet war. Die Göttinger Wissenschaftler hatten damals eigenhändig vor Ort den größten der insgesamt drei gestrandeten Pottwal-Bullen zerlegt und rund 40 Tonnen Fleisch und Speck vom Skelett abgetrennt. Anschließend wurden die über 150 Knochen mit großem Aufwand präpariert und in mühsamer Puzzlearbeit zusammengebaut. Jetzt müssen sie alles erneut auseinanderbauen: Die Universität baut das Gebäude um. Deshalb müssen der Wal und mehr als 100.000 weitere präparierte Tiere ausgelagert werden.

Die Universität will in dem unmittelbar neben dem Göttinger Bahnhof gelegenen Institutsgebäude der Zoologie ein „Forum des Wissens“ einrichten und so einen zentralen Ausstellungsort für seine zahlreichen akademischen Sammlungen schaffen. Parallel dazu sollen auch die Ausstellungs- und Depoträume der zoologischen Sammlung saniert und ausgebaut werden. Das Wal-Skelett ist das imposanteste Objekt der Sammlung.

Der Umzug des Walskeletts stellt die Göttinger Zoologie vor erhebliche Herausforderungen.

Beim Transport von der schleswig-holsteinischen Nordseeküste nach Göttingen hatte es damals eine Panne gegeben: Weil die 4,30 Meter breite Fluke – die Schwanzflosse des Wals – zu weit aus dem Container herausragte, wurde im Elbtunnel die Höhenkontrolle ausgelöst, so dass der Verkehr für eine Weile lahmgelegt war. In Göttingen wurden die Knochen dann in Wässerungscontainer umgebettet und monatelang gewaschen, gekocht und entfettet. „Insgesamt haben wir damals 750 Kilo Waschpulver verbraucht,“ erzählt der Kustos der Sammlung, Dr. Gert Tröster.

Die meisten Probleme bereitete der Schädel: Da der fünf Meter lange tonnenschwere Schädel nicht durch das Treppenhaus passte, musste eine 15 Quadratmeter große Öffnung in die Außenmauer des Gebäudes gebrochen werden, um den Koloss mit einem Autokran in den zweiten Stock hieven zu können.

Mehr als 40 aufgefädelte Wirbel

Jetzt stehen die Wissenschaftler vor dem Problem, das mühsam zusammengesetzte Wal-Skelett dort wieder hinauszubekommen. Beim Abbau arbeiten sich Kustos Gert Tröster und Präparator Carsten Wortmann von hinten nach vorne vor. In der vergangenen Woche haben sie damit begonnen, die mehr als 40 aufgefädelten Wirbel von dem Gestell abzulösen. Danach kommen die 13 Rippenpaare dran. Damit beim Zerlegen des Skeletts nicht alles zusammenkracht, mussten sie vorher ein Stützgestell installieren.

Das größte logistische Problem wird dann wieder der etwa 1200 Kilo schwere Schädel sein. „Der muss wieder durch die Wand“, sagt Präparator Wortmann. Auch der Unterkiefer lässt sich nicht mal eben einfach in einen Umzugskarton packen. Dazu ist er viel zu lang und vor allem viel zu schwer: „Ich hebe den nicht hoch“, sagt Wortmann lachend.

In drei Wochen wollen die Experten den Wal auseinandergebaut haben. Dann muss wieder ein Kran ran.

Von Heidi Niemann

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