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Göttingen Wandgemälde in Göttingen: Debatte zum Bekennerschreiben gefordert
Die Region Göttingen Wandgemälde in Göttingen: Debatte zum Bekennerschreiben gefordert
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14:12 29.09.2018
In der Nacht zum Donnerstag mit weißer Farbe zerstört: Das Wandbild am Gebäude des Mittagstisches an der Turmstraße. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Eine Debatte „über das, was passiert ist und passieren wird“. Die beste Gelegenheit besteht am Sonntag ab 15 Uhr. Am Nachmittag des 30. September soll das Kunstwerk mit Kaffee und Kuchen, Führungen und Livemusik gefeiert werden.

Juliane Meyer ist Fernsehjournalistin beim Hessischen Rundfunk. Vor allem ist die 55-Jährige seit 15 Jahren ehrenamtlich beim Mittagstisch aktiv: „Hinter dem Tresen beim Spülen, am Tresen bei der Essensausgabe und vor dem Tresen.“ Sie hat das fotorealistische Wandgemälde des Künstlers Friedel Deventer „mitinitiiert“ und den Prozess der Entstehung mit der Kamera dokumentiert. „Am Sonntag ist Premiere. Bis dahin muss ich umschneiden und umtexten.“

Polizei: Ermittler hoffen auf sachdienliche Hinweise

Unbekannte hatten „die weiße Bombe“ (Meyer) gezündet, das Gemälde durch Übermalen mit weißer Farbe zerstört. Sie haben ein Bekennerschreiben hinterlassen. Am Freitagnachmittag erklärte Jasmin Kaatz von der Pressestelle der Polizeiinspektion Göttingen, es gebe keine neuen Erkenntnisse. Das Staatsschutzkommissariat habe die Ermittlungen übernommen, da „politische Motive nicht gänzlich auszuschließen sind. Es besteht ein Anfangsverdacht.“ Die Ermittler hoffen auf „sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung“ – die hätten noch nicht vorgelegen.

Bekennerschreiben: „Ideen- und Konzeptdiebstahl“

Nur ein Vorwurf des Bekennerschreibens: „Dass sich das Künstlerpaar Bilder und Motive der letzten Antidokumenta 2017 in Göttingen bedient und als ihr Konzept präsentiert“, sei „beschämend und respektlos gegenüber von der Straße kommenden“ Künstlern sowie „Ideen- und Konzeptdiebstahl“; und: Das Wandbildprojekt möge wohl „bei unserer Müll- und Resteverwertung aus Gutmenschensicht ein soziales Projekt sein“, aus Sicht der Verfasser des Schreibens jedenfalls nicht – diese Haltung „entzieht sich dem kritischen Blick und dem gesunden Menschenverstand“.

Fassadengemälde am Gebäude des Mittagstisches

Zerstörtes Kunstwerk als „Mahnmal“ erhalten

Ähnliches gilt umgekehrt aus der Sicht Juliane Meyers. Allerdings: „Wir brauchen in Göttingen jetzt eine Debatte zum Inhalt des Bekennerschreibens. Viele Bürger, die gespendet haben, sollten zu Wort kommen; und auch die Bekenner kommen mit ihrem Schreiben zu kurz.“ Meyer plädiert dafür, das zerstörte Kunstwerk „so zu belassen, wie es ist. Als Mahnmal.“ Sie betont: „Wir müssen offen diskutieren über das, was passiert ist und was passieren wird. Die Zerstörung ist nur ein scheinbarer Triumph des Hässlichen. Das Gemälde war da. Wir brauchen die Debatte. Jetzt geht’s los.“

Ehemaliger Leiter des Mittagstisches: „Kein Leugnen des Konflikts“

Diesen Vorschlag begrüßt Ralf Reinke. Der heute 64-Jährige hatte 1994 die Leitung des Mittagstisches übernommen – und „in gut 20 Jahren vieles etabliert“. Er sei, entgegen der Ankündigung des Künstlers Deventer, das Werk mit dem Hintergrundmotiv (Himmel, Landschaft) zu übermalen, dafür, zu versuchen, „die oberste Schicht der weißen Farbe, soweit das eben geht, abzutragen, sodass die Figuren schemenhaft zu erkennen sind“.

Es sei nicht gut, die Zerstörung durch „Übermalung ungeschehen zu machen. Bitte kein Leugnen des Konflikts.“ Allerdings glaubt Reinke nicht, dass sich die Verfasser des Bekennerschreibens zu erkennen geben. „Sie schreiben, dass sie Nutzer des Mittagstisches sind, hatten also die Möglichkeit zum Gespräch. Das ist nicht geschehen. Aber das ist nicht schlimm. Nicht alle Konflikte lassen sich im Konsens auflösen. Widersprüche muss man auch aushalten können.“

Anmerkung der Radaktion: Wir haben den Text am Sonnabend, 29. September, angepasst. In Bezug auf das Fest am Sonntag zur Einweihung des Gemäldes war zu lesen: „Die Fete fällt aus, die Veranstaltung nicht.“ Wir möchten uns für die missverständliche Formulierung entschuldigen. Das Fest in der Turmstraße findet wie geplant statt.

Von Stefan Kirchhoff

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