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Göttingen Warmes Wetter, viele Mücken
Die Region Göttingen Warmes Wetter, viele Mücken
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06:00 29.06.2018
Eine weibliche Asiatische Tigermücke: In Deutschland zu finden aber ohne Dengue-Erreger. | Quelle: picture alliance / dpa
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Göttingen

Es ist warm und manchmal feuchtwarm: „Das hat in Teilen Deutschlands zu einer Mückenplage geführt”, sagt Prof. Helmut Eiffert, Oberarzt am Institut für Medizinische Mikrobiologie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Auch die Krankenkasse KKH bestätigt: „Die Rekordtemperaturen im Mai haben für eine rasche Vermehrung der Mücken gesorgt – und die sind derzeit richtig aggressiv”, teilt die KKH mit.

Tigermücken und asiatische Buschmücke auch in Deutschland

Mückenstiche sind, zumindest in Südniedersachsen, zwar lästig aber kaum gefährlich. Infektionskrankheiten, wie Malaria, Dengue oder japanische Enzephalitis werden dort nicht diagnostiziert - es sei denn, sie werden von Patienten aus den Tropen eingeschleppt. Dennoch: „Die Mücken, die solche Krankheiten übertragen, gibt es mittlerweile auch in Deutschland”, sagt Eiffert. Tigermücken beispielsweise oder asiatische Buschmücken. Die ersten sind Überträger des Dengue-Fiebers, die zweiten die der japanischen Enzephalitis und des Westnil-Fiebers. Diese Infektionen, ebenso wie Gelbfieber, Malaria und Chikungunya werden laut Eiffert nicht in Deutschland übertragen. Dennoch: Mücken lieben warme Sommer, immer wieder kommt es auch in Europa zu kleineren Infektionsinseln, beispielsweise auf Madeira, wo es bereits Dengue-Fälle gab. Die Mücken allein reichen nämlich nicht. „Man braucht auch den Patienten”, sagt Eiffert. Nur dann kann sich eine Infektion verbreiten, wie 2004 im Bereich Verona. Dort kam es zu einem lokalen Chikungunya-Ausbruch. Der Erreger wurde aus dem Bereich des indischen Ozeans eingeschleppt.

„Um 1850 gab es Malaria in Ostfriesland”

Viele Erreger sind aber sehr wohl in der Lage, in Mittel- und sogar Nordeuropa zu überleben. Wie Eiffert mitteilt, gab es Zeiten, da war Malaria sowohl in Schweden als auch in Norddeutschland verbreitet. „Um 1850 gab es Malaria in Ostfriesland”, so der Wissenschaftler. In kühleren Regionen brauchen die Erreger aber mehr Zeit um sich zu entwickeln.

„Auf gar keinen Fall kratzen“

Derzeit aber geht von Mücken eher die Gefahr aus, dass sich Mückenstiche entzünden, sie werden immer häufiger medizinisch behandelt, teilt die KKH mit. Denn mit jedem Stich können auch in Südniedersachsen Erreger übertragen werden, die oft die Ursache für starke Schwellungen und schwere Entzündungen sind. Diese können sich noch verstärken, wenn die Stiche aufgekratzt werden. Keime gelangen unter anderem durch Umweltgifte, die die Mücken aufnehmen, oder durch Bakterien von tierischem Kot in den Körper. „Hat eine Mücke zugestochen, auf keinen Fall kratzen, da es sonst zu einer bakteriellen Infektion kommen kann“, rät Bernd Leonhardt von der KKH in Göttingen. „Wird die Hautpartie um den Stich herum dick und heiß, ist stark gerötet oder schmerzt, unbedingt einen Arzt aufsuchen.“ Das gilt auch, wenn nach Mückenstichen während oder nach eines Urlaubs in Risikogebieten hohes Fieber und Begleitsymptome auftreten.

Sindbis-Virus in Deutschland

Vereinzelt, so Eiffert, sei in Süddeutschland auch Sindbis-Virus, das Gelenkentzündungen auslösen kann, nachgewiesen worden. „Ein Grund zur Panik besteht aber nicht, da bislang nur wenige Mücken in Deutschland gefährliche Erreger übertragen“, so Leonhardt. Wissenschaftler wie Eiffert und seine Kollegen vom Niedersächsischen Gesundheitsamt beobachten und erfassen jede Ausbreitung. Eiffert: “Wir sind auf der Hut”.

Tipps von der Krankenkasse, um sich Mücken vom Hals zu halten:

• Mückenschutzmittel auf die Haut auftragen.

• Auf stark riechende Parfums und Kosmetika verzichten.

• Helle, lange Kleidung aus dicht gewebtem Stoff tragen.

• Fliegengitter und Moskitonetze nutzen.

• Vor einer Auslandsreise über Impfungen imformieren. Malaria kann man mit einer medikamentösen Behandlung vorbeugen.

• Schwangere sollten vor allem Länder wie Brasilien meiden, in denen das Zika-Virus grassiert.

Von Britta Bielefeld

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