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Göttingen Was vom Hotelgast übrig bleibt…
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00:17 09.01.2013
Ganze Schrankzeile für Fundsachen: Christine Dehner vom Hotel Freizeit In mit von Gästen vergessenen Badelatschen. Quelle: Heller
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Göttingen

Der Mensch ist vergesslich, vor allem in ungewohnter Umgebung. Das muss man aus der Fülle der Dinge schließen, die nach Hotelübernachtungen vom Gast übrig bleiben und die von den Reinigungskräften gefunden werden. Die Betriebe sind verpflichtet, die Fundsachen aufzubewahren und der Abholung zugänglich zu machen, nicht aber, sie unaufgefordert nachzusenden.

Umfrage bei Göttinger Hoteliers

Bei einer Umfrage unter Göttinger Hoteliers zum Thema Fundsachen ergibt sich ein Bild von kulantem, serviceorientierten Umgang. „Wir haben doch auch eine Fürsorgepflicht unseren Gästen gegenüber“, sagt Peter Ollhoff, Hotelier und Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes. Nicht nur, weil der Gast wiederkommen soll, sondern „weil wir in der Branche stolz auf unsere Sozialkompetenz sind“.

So ist es für alle befragten Hoteliers eine Selbstverständlichkeit, dass nicht nur aufbewahrt, sondern auf Anfrage auch nachgeschickt wird – meist ohne Kosten für den Gast. „So lange normale Portokosten entstehen, muss das auch drin sein“, sagt Ollhoff. Er rät davon ab, etwa unfrei zu schicken: „Die Kosten sind dem Empfänger nicht zuzumuten.“ Und wenn dieser wegen der 15 Euro, die er zahlen soll, die Annahme des liegengebliebenen T-Shirts verweigert, zahlt der Hotelier bei Rücksendung das Doppelte.

„In der Regel ohne Kosten für den Gast“ sendet auch das Romantik-Hotel Gebhardts nach. Auch der Nachbar, Hotel Stadt Hannover, verlangt Kostenerstattung nur, wenn der Gegenstand von besonderem Wert ist und der Versand versichert werden muss. Die unfreie Zusendung, mit dem Gast so vereinbart, ist dann oft die sicherste und preiswerteste Lösung. Auch das Central-Hotel, sagt Tanja Reiter, bittet nur dann um Erstattung in Briefmarken, wenn die Gegenstände groß sind und man mit Päckchen nicht mehr auskommt. Im Eden-Hotel, so Lieselotte Goggel, lässt man sich Kosten zwar erstatten, aber lediglich in Höhe des Portos.

Keine Zusatzkosten

Grundsätzlich ohne Zusatzkosten sendet das Hotel Freizeit In – auch schon einmal ein Telefon-Netzteil nach Japan, was mit 60 Euro Porto zwar den Wert überstieg, aber der Gast wünschte es so. In dem großen Haus bleibt so viel liegen – oft auch im Spa-Bereich, so dass es einzelnen Gästen nicht zugeordnet werden kann –, dass eigens ein Raum für Fundsachen nötig ist. Mehrmals jährlich werden noch werthaltige Gegenstände, die niemand zurückforderte, dem Projekt der Asklepios-Klinik „Menschen im Schatten“ zur Verteilung zur Verfügung gestellt, erklärt Hotelchef Olaf Feuerstein.

Und was bleibt so liegen? Die Hitliste wird angeführt von Netzteilen und Ladegeräten. „Wir haben praktisch von jedem Handytyp ein liegengebliebenes Ladegerät, das nicht zuzuordnen war“, sagt Sywall. Das erfreue dann die Gäste, die ihr Netzteil zu Hause vergessen haben und denen die Rezeption eines ausleihen kann.

Detektivische Arbeit

Dessous, Zahnbürsten, Bademäntel, Kosmetikartikel und Rasierer bleiben oft liegen, auch mal goldene Uhren, Laptops, ja sogar dritte Zähne. Im Freizeit In vergaß jüngst eine „offensichtlich sehr vermögende Dame“, ihren Safe zu leeren. Er wurde unter Zeugen geöffnet und der Inhalt wanderte gleich in den Direktionstresor. Er wurde später vom Ehemann abgeholt. Im Hotel Zum Stresemann fand Ollhoffs Personal jüngst die Brieftasche samt 1100 Euro und Papieren eines schwedischen Gastes, der schon nach Italien abgereist war. Über die Buchung konnte in detektivischer Arbeit ein deutscher Freund des Schweden gefunden werden, der mit dessen Einverständnis die Geldbörse zur Aufbewahrung nahm.

Und eine Rezeptionistin mit Jahrzehnten Erfahrung erinnert sich an einen liegengebliebenen Vibrator von „erschreckenden Ausmaßen“, den der Gast dann aber „zur Entsorgung freigegeben“ habe.

Dass guter Wille bei Nachsendungen auch peinlich enden kann, weiß eine Kollegin zu berichten: Unaufgefordert habe man eine Fundsache nachgesendet, aber zurückgeschickt bekommen mit der Bemerkung, „Das muss ein Irrtum sein. Mein Mann war gar nicht in Göttingen im Hotel“.
„Auf gar keinen Fall etwas unaufgefordert nachsenden“, sagt denn auch Annette Rothweiler-Treichel, Inhaberin des Biohotels Werratal. „Man weiß nie, mit wem jemand da ist.“ Im Hotel gehe Diskretion noch vor Service.

Die Rechtslage

Von Gästen vergessene Gegenstände ist der Hotelier verpflichtet, sorgfältig zu verwahren. Das sei, so Rainer Balke, Justiziar des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), eine so genannte „nachvertragliche Verpflichtung“. Einen Rechtsanspruch auf Nachsendung vergessener Gegenstände gebe es allerdings nicht. Auch müsse kein Hotelier auf seine Kosten nachsenden. Der Dehoga empfehle einen kundenorientierten Umgang mit Fundsachen. Man wolle schließlich ein guter Gastgeber sein.

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