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Göttingen Weihnachtswunsch: Ferkelweide für den Schweinehirten
Die Region Göttingen Weihnachtswunsch: Ferkelweide für den Schweinehirten
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18:42 23.12.2009
Beim Aufbau der „Crèche de Jumelage“: Ute Bergmeier. Quelle: Pförtner
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Eine Frau hat einen Angler ausgepackt, eine andere hat einen Schweinehirten bekommen. „Die Lavendelpflückerin ist meine“, sagt Ute Bergmeier, Vorsitzende des Partnerschaftskreises Bondoufle – Nörten-Hardenberg. Bei den Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft von Bondoufle und Nörten-Hardenberg 2008 in der französischen Kommune bei Paris haben die deutschen Frauen die mittelfingergroßen Figuren als Geschenk von den französischen Partnern bekommen. Ratlosigkeit zeichnete sich zunächst auf den Gesichtern der Beschenkten ab, erinnert sich Ute Bergmeier. Mit einem Krächzen seien die Franzosen dem stillen Fragezeichen begegnet.

Kräsch oder „la crèche“, das Wort bedeutet „Krippe“. Die Bondoufler hatten ihre Freunde aus Deutschland mit den Figuren für eine Weihnachtskrippe überrascht. Schnell haben sich die Nörtener dazu entschieden, die Figuren zusammen auszustellen. Weil die Hauptpersonen fehlten, haben sie Maria, Josef und das Jesuskind beim Weihnachtsmarkt in Bondoufle nachträglich erworben. Erstmals wurde die „Crèche de Jumelage“ oder Partnerschafts-Krippe Weihnachten 2008 in der Klosterkirche Marienstein aufgebaut.

Französische Krippen seien oft riesig, erzählt Bergmeier. Anfang Dezember darf der Aufbau beginnen. Jeden Tag wird die Krippe dann um eine weitere Figur ergänzt. Das Jesuskind soll erst Heiligabend in die Krippe gelegt werden. Für ihre Krippen bauten die Franzosen Landschaften wie für Modelleisenbahnen, weiß Bergmeier. „Die dargestellten Szenen dienten zur Unterrichtung des Volkes“, erklärt sie aus der Entstehungsgeschichte. Deshalb beschränkte man sich nicht auf die Darstellung der Heiligen Familie. Viele Familien eines Dorfes konnten sich in den Figuren wieder finden. So gibt es in der Krippe aus Bondoufle den Fischverkäufer, den Schweinehirten, eine Kirchgängerin. Eine Frau hält innig ein Lamm auf dem Arm, ein Mann trägt ein Huhn – vielleicht zum Markt? Sie alle sind in Alltagskleidung. Nur Maria und Josef fallen aus dem Bild: Sie tragen lange, barocke Gewänder.

„Ich hoffe, irgendjemand bekommt die Idee, den Figuren eine Landschaft zu bauen“, sagt Bergmeier. Für den Schweinehirten wünscht sie sich eine große Ferkelweide. Zur Christvesper mit Krippenspiel am Heiligen Abend – um 15.30 Uhr für Familien mit Kleinkindern, um 17 Uhr werden die Schulkinder angesprochen – wird die Krippe in der Klosterkirche Marienstein aufgebaut.

Kleine Krippengeschichte

Krippen waren ursprünglich in den Kirchen zu Hause. Zu den kirchlichen Feiertagen wurden Geschichten aus der Bibel nachgestellt. 1781 aber verbot Kaiser Josef II „abergläubische Bräuche“ in den Kirchen. Die Krippen wurden zeitweilig verbannt und hielten im deutschsprachigen Raum Einzug in die Privathäuser.
In der Zeit der französischen Revolution etwa zehn Jahre später durften auch in französischen Kirchen keine Weihnachtskrippen mehr aufgestellt werden. Auch dort bewahrte man die Tradition in den Familien. In der Provence begann man aus Holz, Gips, Ton und Brotteig, Figuren zu gestalten und zu Krippen zusammenzustellen. 1803 fand in Marseille die erste Messe der kleinen Heiligen – „Santouns“ statt. Als Folge eines Hirtenspiels des 19. Jahrhunderts, in dem die Geburt Jesus in ein Dorf der Provence verlegt wurde, hielten auch Figuren des Alltags Einzug in die biblischen Ensembles. Inzwischen sind Miniaturen aus der Provence zur Weihnachtszeit in ganz Frankreich zu finden.

Von Ute Lawrenz

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