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Göttingen Wenig Sorgen um Lehrermangel in Göttingen
Die Region Göttingen Wenig Sorgen um Lehrermangel in Göttingen
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19:03 12.08.2018
In Göttingen hält sich der Lehrermangel im Vergleich zu anderen Regionen in Niedersachsen in Grenzen. (symbolbild) Quelle: dpa
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Landkreis Göttingen

Zu wenig Lehrer, zu viele nicht ausreichend qualifizierte Quereinsteiger – die jüngste Kritik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an der niedersächsischen Bildungspolitik glich einem Hilferuf. Im Landkreis Göttingen ist die Situation allerdings entspannter.

Geht es nach den Gewerkschaftern, werden zu viele Lehrer an andere Schulformen abgeordnet und oft seien Quereinsteiger überfordert – Punkte, unter denen aus Sicht der GEW auch die Schüler leiden würden. Zentral ist für die GEW, dass aus ihrer Sicht in Niedersachsen Lehrer fehlen: 550 Lehrerstellen sind dem niedersächsischen Philologenverband zufolge unbesetzt. Besonders betroffen sind davon aus Sicht der GEW eher ländliche Regionen.

Andere Situation im Landkreis Göttingen

Im Landkreis Göttingen sieht es hingegen anders aus. Zwar gilt auch hier, wie die Bianca Schöneich, Sprecherin der Landesschulbehörde betont, dass die Personalplanungen noch nicht abgeschlossen sind. Aber keiner der vom Tageblatt kontaktierten Schulleiter an verschiedenen Schulformen klagt über akuten Personalmangel. „Es könnte besser sein“, sagt zwar Tom Wedrins, Schulleiter an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Göttingen – aber ähnlich wie seine Kollegen an anderen Grund-, Haupt, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien berichtet er von keinen akuten Problemen bei der Sicherstellung der Unterrichtsversorgung.

Das bestätigt auch Wolfgang Schimpf, Leiter des Göttinger Max-Planck-Gymnasiums (MPG) und Vorsitzender der niedersächsischen Direktorenvereinigung. In letztgenannter Funktion ist er auch mit der Situation in problematischeren Regionen vertraut, sagt aber: „In den großen Städten gibt es eine ganz andere Bewerberlage“.

Das drücke sich schon bei den Abschlussnoten der Bewerber aus: In Göttingen hätten Anwärter „in der Regel eine 1 vor dem Komma“ der Abschlussnote – im ländlichen Raum habe hingegen der Beste meist eine 2, so Schimpf. Die Anziehungskraft des Oberzentrums strahlt nach Schimpfs Angaben außerdem ab: Häufig würden junge Lehrer in Göttingen wohnen und Fahrgemeinschaften zu etwas entfernter gelegenen Schulen bilden.

Wenig Quereinsteiger

Dementsprechend ist laut Schimpf auch die Anstellung von Quereinsteigern – Bewerbern, die nicht auf Lehramt studiert haben, in Göttingen und Umgebung ein weniger zentrales Thema. Eine Einschätzung, die die meisten befragten Schulleiter teilen. Lediglich vereinzelt kommen diese zum Einsatz. Und wenn, dann fallen die Erfahrungen durchmischt aus.

Geht es nach Schimpf, muss bei der Einschätzung von Quereinsteigern allerdings differenziert werden: Denn in Niedersachsen gelte auch als Quereinsteiger, wer zwar kein Lehramtsstudium absolviert habe, aber danach mit einem Vorbereitungsdienst ähnlich dem Referandariat und begleitender didaktischer Vorbereitung im Studienseminar den Lehrerberuf ergreife. „Das ist der normale Weg, da ist gar nichts gegen zu sagen“, sagt Schimpf.

Wesentlich kritischer sieht Schimpf die sogenannten „direkten Quereinsteiger“, die sich direkt bei Schulen bewerben und keinen Vorbereitungsdienst absolvieren: „Das lehnen wir ab“, beschreibt Schimpf die Position der Direktorenvereinigung. Denn ohne den Vorbereitungsdienst sei es vor allem den Schulleitern überlassen, die Kandidaten didaktisch fit zu machen. „Das ist nicht zu leisten“, erklärt Schimpf.

Zwar ist in Niedersachsen vorgesehen, dass auch direkte Quereinsteiger didaktische Kenntnisse beispielsweise an Studienseminaren erwerben. Trotzdem habe ihre Schule in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass praxisnahe didaktische Kenntnisse gefehlt hätten, schildert Tanja Laspe, Schulleiterin an der Georg-Christoph-Lichtenberg Gesamtschule. „Das sollte über weitere Unterstützungsmaßnahmen aufgefangen werden“, sagt sie, ähnlich wie es die Position der GEW ist.

Dass auch ein direkter Quereinstieg funktionieren kann, betont hingegen Thomas Nebenführ, Schulleiter am Duderstädter Eichsfeldgymnasium. Zwar sei eine intensive Begleitung notwendig, beispielsweise in Form von Coaching durch Kollegen. „Das hat uns gut geholfen“, sagt er trotzdem, weil er so im Mangelfach Kunst eine Lehrkraft bekam.

Abgeordnet an andere Schulformen

Im Landkreis Göttingen werden in diesem Schuljahr voraussichtlich nur wenige Gymnasiallehrer an andere Schulformen abgeordnet: Lediglich zwei Gymnasien in Osterode seien von der Praxis betroffen, vor der Göttinger Schulleiter im vergangenen Jahr eindrücklich gewarnt hatten, teilte die Landesschulbehörde mit. Noch liefen allerdings Einstellungsverfahren, sagt aber Sprecherin Bianca Schöneich.

Auch Wolfgang Schimpf, Leiter des Göttinger Max-Planck-Gymnasiums (MPG) und Vorsitzender der niedersächsischen Direktorenvereinigung, geht davon aus, dass Abordnungen von Gymnasiallehrern im Landkreis Göttingen nicht nötig sein werden. 2017 hatte er noch eindringlich davor gewarnt, dass die Arbeit an Grundschulen Gymnasiallehrer vor große Herausforderungen stelle.

Was es Schöneich zufolge aber geben wird, sind Abordnungen von Grundschullehrern an andere Grundschulen – denn das Instrument sei nötig, um regionale Unterschiede in der Bewerberlage auszugleiche.

Von Christoph Höland

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