Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Wie Enkeltrick-Betrüger einem 90-Jährigen 15 000 Euro abluchsen
Die Region Göttingen Wie Enkeltrick-Betrüger einem 90-Jährigen 15 000 Euro abluchsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 22.02.2013
Quelle: dpa (Symbolfoto)
Anzeige
Göttingen

Es sind fast immer Opfer, die lange in Republiken des untergegangenen Sowjetreiches lebten und heute in Deutschland noch immer die Vorstellung haben, man könne sich mit Geld von Strafverfolgung freikaufen. Auch bei den verhandelten Taten ging es immer darum, dass ältere Deutschrussen angerufen wurden. Behauptet wurde, ein Angehöriger – meist der Sohn – habe einen Unfall gehabt, habe dabei ein Kind schwer verletzt und könne sich mit Zahlungen zwischen 20 000 und 25 000 Euro vor einer Strafanzeige der Familie des Mädchens retten. Oder das Kind müsse schnell operiert werden, wurde behauptet, wozu  viel Geld nötig sei.

Zwei Anklagen liegen gegen die 49 und 29 Jahre alten Litauer vor. Sie sollen als Teil der Bande gewerbsmäßig gehandelt und siebenmal den Trick versucht haben, sechsmal erfolgreich.

Auf russisch

Oft reagierten die Angerufenen wie jener 90-Jährige aus Paderborn: Nach dem undeutlichen Hilferuf des vermeintlichen Sohnes erklärte dessen angeblicher Anwalt auf russisch, der Sohn sei im Gesicht verletzt, könne nicht deutlich sprechen. Viel schlimmer sei, dass ein 16-jähriges Mädchen schwere Kopfverletzungen erlitten habe und operiert werden müsse. Die Familie des Kindes fordere 24 000 Euro, andernfalls gebe es eine Anzeige wegen „schwerer Körperverletzung ohne Absicht gegen eine Minderjährige“.

Der schockierte Senior – seine Frau war schwerst krank und an diesem Tag gerade reanimiert worden – war sofort bereit, alles, was er erspart hatte, für seinen Sohn zu geben. Er bot 15 000 Euro. Das Telefonat wurde in die Länge gezogen, alles sollte „protokolliert“ werden. Und noch während man am Telefon sprach, klingelte es bereits, und der angebliche Bruder des Opfers (der jüngere der Angeklagten) kam und holte das Geld.

Polizei hört mit

So wurde eine 87-Jährige in Göttingen um 12 000 Euro betrogen, eine 75-Jährige in Uslar um 3000, der 90-Jährige in Paderborn  um 15 000, ein 77-Jähriger (450 Euro) und zwei betagte Eheleute (8000) in Olsberg sowie noch einmal eine Rentnerin in Paderborn um 10 000.

Weil die Polizei aber bereits auf die Litauer aufmerksam geworden war, hörte sie deren Handys ab und zeichnete alles auf, bis sie am 22. August 2012 zuschlug und die Angeklagten festnahm. Allerdings: Sie, so die Litauer, seien nur die Geldboten. Die Hintermänner fehlen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Gleich dreimal wurde am Freitag um die Mittagszeit versucht, ältere Frauen mit dem sogenannten Enkeltrick um Geld zu bringen. Doch dreimal scheiterte das Vorhaben.

14.10.2012
Duderstadt Informationsveranstaltung - Erfahrungen mit dem Enkeltrick

Vorbeugung gegen Abzocke am Telefon, Warnung vor betrügerischer Post und Tipps zum Umgang mit dem so genannten Enkeltrick bietet der Sozialverband Bilshausen.

02.09.2012
Göttingen Rentnerin legt Täter rein - Enkeltrickser festgenommen

Gestern berichtete das Tageblatt über zwei gescheiterte Enkeltrick-Versuche, heute kann eine Festnahme vermeldet werden. Ein 25 Jahre alter Pole, der in Berlin einchlägig bekannt geworden ist, konnte bei einem weiteren Versuch, eine Rentnerin hereinzulegen, festgenommen werden.

24.07.2012

Wann ihm denn klar geworden sei, wird einer der Angeklagten gefragt, dass er sich strafbar gemacht hat. „Als die Anklage kam, letztendlich“, antwortet der 32-Jährige treuherzig. Er habe geglaubt, das Geschäft sei so in Ordnung, wenn T-Mobile es durchgehen lässt. Schließlich habe die noch keinen Cent Schaden angemeldet.

22.02.2013

Es ist auf den ersten Blick nur ein befestigter Feldweg. Für viele Landolfshäuser aber ist die Verbindung vom Neubaugebiet und Mühlenberg um einen Teil des Ortes herum wichtig – auch als Abkürzung zum außerhalb liegenden Friedhof. Der Weg ist in einem desolaten Zustand – mit langen Rissen im Teer und großen Löchern. Jetzt will die Gemeinde Landolfshausen ihn für etwa 17 000 Euro vernünftig sanieren.

19.02.2013

In der Gemeinde Gleichen leben immer weniger Menschen. Ende 2011 registrierte die Gemeindeverwaltung in den 16 Gleichen-Dörfern 9163 Bürger mit Hauptwohnsitz. Das sind 101 (1,09 Prozent) weniger als 2010 – damals zählten noch 9265 zur Hauptbevölkerung. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Statistik der Gemeinde hervor.

22.02.2013
Anzeige