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Göttingen Wie funktioniert die soziale Infrastruktur der Zukunft?
Die Region Göttingen Wie funktioniert die soziale Infrastruktur der Zukunft?
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16:35 31.08.2018
Die Erreichbarkeit von Arztpraxen ist ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge. Quelle: dpa
Göttingen

Nach Zahlen der Bertelsmannstiftung werden Gemeinden und Städte im Großraum Südniedersachsen in der Zeitspanne vom Jahrtausendwechsel bis ins Jahr 2030 bis zu 30 Prozent ihrer Bevölkerung verloren haben. Durch den Wegfall von Steuereinnahmen sinkt die Handlungsfähigkeit der Gemeinden. Die Folgen für die Infrastruktur sind nur schwer absehbar.

Seit zwei Jahren diskutieren regionale Planer im Rahmen des Projekts „UrbanRural Solutions“ Szenarien einer zukünftigen Versorgung des ländlichen Raums. Der jetzt vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) vorgelegte Atlas soll Verantwortlichen in Politik, Verwaltung, Vereinen und Verbänden als Grundlage für ihre Planungen dienen, so Kreisrat Marcel Riethig (SPD). Er helfe „soziale Infrastruktur zu erhalten und zu entwickeln und damit die Lebensqualität im ländlichen Raum steigern“.

Jugend und Ältere im Fokus

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nimmt der Atlas zwei Bevölkerungsgruppen besonders in den Fokus. Zum einen die wachsende Gruppe der Älteren, zum anderen Kinder und Jugendliche, für die es weiter attraktive Angebote vor Ort geben soll. Beide Gruppen haben eine Gemeinsamkeit: sie sind noch nicht oder nicht mehr uneingeschränkt mobil.

Als zentrale Themen ergaben sich daher in den Vorüberlegungen die prinzipielle Erreichbarkeit, sowie die Nahversorgung mit Gütern und medizinischen Dienstleistungen. Daher kartiert der Atlas nicht nur sämtliche Pflege-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, er gibt auch Aufschluss darüber, wie gut diese in den jeweiligen Orten zu erreichen sind. So sind beispielsweise im Altkreis Göttingen aktuell 35 Prozent der Menschen länger als 30 Minuten unterwegs, um zu ihrem Hausarzt zu kommen – ohne Auto.

Hausärztemageln ist abzusehen

Allerdings wirft der ILS in seiner Untersuchung auch einen Blick in die Zukunft. Und in der könnte sich die Situation noch einmal deutlich verschlechtern. Denn in den kommenden sieben Jahren gehen etwa ein Drittel der niedergelassenen Hausärzte in den Ruhestand, in einzelnen Kommunen wie Duderstadt sind es sogar mehr als die Hälfte. Wie erfolgsversprechend die Suche nach einer Nachfolge ist, hängt wiederum mit der Attraktivität der Standorte zusammen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich mit Blick auf die Lebensmittelmärkte. Zwar bezeichnen die Autoren des Daseinsvorsorgeatlas die „derzeitige Nahversorgung für viele Einwohner der Region noch als gut oder ausreichend“. Aktuell zählen die Statistiker 14 Dorfläden, 65 Lebensmittel- oder Supermärkte und 48 Discounter. Doch schon heute gilt: Bewohner kleinerer Ortslagen müssen mehrheitlich für den Einkauf ins Auto oder den Bus steigen. Und bei der Annahme, dass bei voranschreitender Konzentration des Marktes in naher Zukunft kleinere Versorger aufgeben müssten, wären in fünf Gemeinden des Landkreises gar keine Geschäfte mehr fußläufig zu erreichen.

Positives Bild der heutigen Situation

Die Auswertung der Daten ergibt ein positives Bild der heutigen Versorgungslage mit den verschiedenen Einrichtungen der Daseinsvorsorge in der Region. Auf kleinräumiger Ebene hat die Studie aber schon jetzt erhebliche Defizite herausgearbeitet. Mit Blick in die Zukunft ergebe sich für Orte unterhalb der 5000-Einwohner-Grenze eine sich düstere Prognose.

In Workshops wurde in den vergangenen zwei Jahren viel über mögliche Ideen diskutiert, mit denen die Folgen des demografischen Wandels in der Region zumindest teilweise abzufangen wäre. Eine ist die stärkere Nutzung digitaler Lösungen wie der Telemedizin oder des Online-Handels. In beiden Fällen leide jedoch die soziale Komponente. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „UrbanRural Solutions“ läuft noch bis zum Frühjahr 2019. Bis dahin sollen einige der Ideen auch in der Praxis getestet were

Von Markus Scharf

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