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Göttingen Nette Senioren nerven überspannte Studenten
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19:37 02.12.2018
Wir sind die Neuen: Thorsten (Marius Ahrendt), Katharina (Dorotheé Neff), Anna (Angelika Fornell), Eddi (Lutz Gebhardt). Johannes (Paul Wenning) und Barbara (Gaia Vogel) sind nervige Alte und spießige Studenten. Quelle: Georges Pauly
Göttingen

Ein Stück, das wie für Göttingen geschrieben ist: „Wir sind die Neuen”. Die Komödie hat am Sonnabend im Deutschen Theater Premiere gefeiert. Den Gästen gefiel es, es gab reichlich Applaus.

Wir sind die Neuen. Quelle: Georges Pauly

Mittelpunkt der Geschichte, die auch als Kino-Film bekannt geworden ist, ist ein Haus, in dem zwei Wohngemeinschaften leben. Oben die strebsamen jungen Studenten, unten ziehen drei Alt-68er ein. Beide Gruppen gibt es ja in Göttingen nicht gerade selten und so fanden vermutlich viele der Besucher die eine oder andere Eigenheit der sechs Protagonisten bei sich selber – oder bei jemanden den man kennt oder der jemanden kennt – wieder.

Ein Albtraum in braun

Da ist zum einen die Fraktion, die ständig für die Uni lernt, immer ordentlich angezogen ist und mit Mitte 20 zielstrebig auf Ehe und Karriere hinarbeitet. Diese jurastudentliche Idylle wird jäh gestört, als die trinkfreudige kurz-vor- der-Rente-Gang einzieht.

Die eine Wohnung ist weiß, aufgeräumt, clean. Die andere: ein Albtraum in Braun. Ledersofa, Hochbett, abgegriffener Holztisch, kleine Yucca-Palme. Auf der Bühne liegen die Wohnungen nebeneinander. Anna (Angelika Fornell), Eddi (Lutz Gebhardt) und Johannes (Paul Wenning) kennen sich aus alten Zeiten. Anna, finanziell abgebrannte Schleiereulen-Expertin, Eddi, kranker Familienvater mit gescheiterter Beziehung und Johannes, sozial engagierter Jurist mit altertümlicher Brille treiben Einsamkeit und knappe Kassen nach 35 Jahren wieder in eine Wohngemeinschaft. Schließlich „ist es lustiger und billiger”, findet Anna.

Arroganz knickt vor Erfahrung ein

Die drei Streber von unten haben allerdings weder Verständnis noch „Kapazitäten” für die freundlich fraternisierenden Hippies frei. Im Gegenteil: Einladungen zum Gelage mit Göttinger Bier und Frisbee spielen im Garten werden arrogant abgekanzelt. Lautstarke WG-Diskussionen, oder auch Zentralversammlungen“ der Alten am Abend bekämpfen die Jungen mit Besenstil-Wummern von oben. „Ich lass mich doch nicht von übermotivierten Studenten ins Bett schicken”, schimpft Anna.

Es kommt, wie es kommen muss, die Arroganz der artigen Studenten bröckelt, als Katharina (Dorotheé Neff) an ihrem Jura-Stoff verzweifelt, und Johannes um Hilfe und ein Glas Wen um 11 Uhr morgens bittet. Dann wird auch noch Thorsten (Marius Ahrendt) mit Bandscheiben-Problemen im Rettungswagen vorgefahren und Barbara (Gaia Vogel) heult sich wegen ihres Verlobten im lila Jogginganzug die Augen aus dem Kopf. Anna hilft Thorsten mit Physiotherapie wieder auf die Beine, Eddi tröstet die verzweifelte Barbara mit Beziehungstipps, und Johannes gibt vor der Webcam von Katharina und Thorsten Jura-Vorlesungen. Am Ende feiern die beiden Wohngemeinschaften gemeinsam Partys und lernen voneinander, was man vorher geflissentlich verachtete.

Nett war früher

Die Geschichte lebt von den zwar manchmal klischeehaften aber dennoch sehr amüsanten Dialogen und von den großartigen Schauspielern: Eddi, in seinem abgewetzten Jeans, riecht bestimmt nicht nur nach seiner alten Lederjacke, sondern auch ein wenig nach nassem Hund. „Wir wollten nett sein, das hat man früher so gemacht“, sagt er zu den verständnislosen Studenten. Thorsten, immer akkurat gescheitelt, versprüht den Charme eines Metallpfostens in einem deutschen Vorgarten. Dass er den Herd mit seinem Smartphone fotografiert, um tagsüber sicher zu sein, dass er ihn abgeschaltet hat, macht ihn am Ende zum liebenswürdigen Mitbewohner mit Macken. Ein wenig überzeichnet sind die sechs Charaktere, was dem ganzen aber Schwung – wenn auch kaum Tiefgang – verleiht. Eben eine Komödie. Es wird gelacht, am Ende geklatscht, schnell ist die Zeit rum. Ein amüsantes Stück hat Erich Sidler auf die DT-Bühne gebracht.

Von Britta Bielefeld

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