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Göttingen Wochenendkolumne: Gauck und die weiße Negerin
Die Region Göttingen Wochenendkolumne: Gauck und die weiße Negerin
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20:06 12.04.2013
Quelle: EF
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Eines davon ist der neunjährige Justin, der im Rollstuhl sitzt. Während nun Gauck, begleitet von Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte seine Runden dreht, ein Glas Rotwein in der Hand, hockt Daniela Schadt vor dem Rollstuhl von Justin und plaudert gelassen eine Viertelstunde mit ihm.

Die Eltern stehen daneben und sind erkennbar angetan. Gauck über Schadt: „Wir beide haben schon vor längerer Zeit festgestellt, dass sie ihre eigene Art der Kommunikation mit Menschen besitzt.“ Gaucks Art jedenfalls kommt ebenfalls bestens an.

Zwei junge Mädchen, mit denen er zum Gruß angestoßen hat, kichern verlegen und stecken das Glas ein: „zur Erinnerung“. Ebenfalls zur Erinnerung hat sich Kreishandwerksmeisterin Katja Thiele-Hann Autogramme von Gauck und Schadt auf einem weißen Porzellanteller besorgt: „Das haben sich meine Auszubildenden gewünscht. Die sind so stolz, dass  ich beim Symposium über Demografie teilnehmen durfte.“ 

Darauf noch ein Abschluss-Bier

Gauck posiert inzwischen zusammen mit  seinem Pastorenkollegen, Propst Bernd Galluschke aus Duderstadt, und Stephan Weil für ein Erinnerungsfoto und plaudert sich von Stehtisch zu Stehtisch, derweil der Protokollwächter schon leicht entnervt auf die Uhren schaut. Immerhin ist man gut 20 Minuten über der Zeit.

Der Flieger nach Berlin wartet. Plötzlich, fast unbemerkt, ist der hohe Besuch verschwunden – die Gäste sind derart ins Gespräch vertieft, dass es kaum auffällt.

In Gespräche, bei denen die Formulierungen sich ähneln: „Kaiserwetter für den Staatsbesuch. Tolle Rede von Gauck. Frau Schadt wirkt aber nett. Der Ministerpräsident strahlt ja wie ein Honigkuchenpferd – soviel Jubel hat der in Niedersachsen wohl noch nicht erlebt...“

Die CDU-Politiker aus der Region mäkeln im Anschluss noch ein wenig daran herum, dass Landrat Bernhard Reuter, SPD, es vorgezogen habe, den Niedersächsischen Landkreistag (dessen Vorsitzender er ist) bei der Jahrestagung in Visselhövede zu eröffnen – statt den Staatsbesuch im Landkreis Göttingen zu empfangen.

Dass Reuters Lebensgefährtin, Grundschullehrerin im Eichsfeld, bei der Demografie-Tagung mit Gauck geladen war, sei da kein Ersatz. Das müsse doch noch mal gesagt werden, nachdrücklich! Unter Kartenspielern nennt man das wohl nachtarocken. Darauf noch ein Abschluss-Bier. Und alle gehen glücklich nach Hause. Duderstadt hatte mal wieder einen tollen Tag, und alles lief gut...
Erstaunlich gut gelaufen ist auch alles in der Redaktion - nachdem wir über das Kunstwerk des Monats April in der Sammlung der Universität geschrieben hatten. Da war eigentlich mit einem Aufschrei zu rechnen. Denn das Werk aus dem 17. Jahrhundert heißt doch tatsächlich „Weiße Negerin“.

Political Correctness und Frühlingswochenende

Da es aber von Rembrandt stammt, blieb die Forderung aus, mit der wir gerechnet hatten: Dass man solche Begriffe doch bitte nicht verwenden dürfe. Verwunderlich in einer Zeit, in der alle Kinderbücher auf Political Correctness überprüft und umgeschrieben werden, selbst die Texte der Brüder Grimm nach 200 Jahren sprachlich in die „richtige Richtung“ gebürstet werden sollen.

Da wäre dann bitte auch das wunderbare Buch von Axel Hacke an der Reihe, der sich mit dem Verhören beschäftigt hat - also mit falsch verstandenen Texten. Sein Lieblingsbeispiel handelt von dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius, dessen vertonte Gedichtzeilen „und aus den Wiesen steiget / der weiße Nebel wunderbar“ so verstanden worden sind: „und aus den Wiesen steiget / der weiße Neger Wumbaba“.

Mal sehen, wer diesen Buchtitel in der nächsten Auflage „nachbessert“.
Ansonsten warten wir mal wieder (und diesmal hoffentlich erfolgreich) auf das erste Frühlingswochenende. Die Kollegen haben den Grill schon vorbereitet - und am Kiessee startet am Sonntag der große Frühjahrs-Volkslauf. Es darf also ruhig ein wenig wärmer werden. So ein Duderstädter Kaiserwetter wie am Donnerstag: Das wäre toll.

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