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20:52 26.10.2018
Markus Scharf Quelle: Hinzmann
Göttingen

Gleichzeitig sind im Jahr 2017 allein in Deutschland mehr als 2600 Labrador-Welpen geboren. Lassen Sie das jetzt mal eine Weile auf sich wirken.

In der Zwischenzeit erzähle ich ein bisschen aus dem heimischen Garten. Dort steht ein Apfelbaum. Er steht dort schon lange, länger zumindest als ich. Das aber ist ihm kaum anzusehen. Er ist eher der Oskar Matzerat unter den Obstlieferanten. Seine Früchte sind klein und schwer genießbar. Gepflückt haben wir sie in der Vergangenheit eigentlich immer nur aus sportlichem Ehrgeiz. Die Ernte landete auf dem Kompost und belastete damit statistisch mein 55-Kilogramm-Budget. Seit Juli wohnt ein Labrador-Welpe in dem Garten mit dem Baum. Er ist ganz süß, riecht aber manchmal schlecht. In diesem Jahr habe ich die Äpfel heimlich im Morgengrauen geerntet und versteckt.

Das eigentlich Problem aber ist nicht unser jämmerlicher Kümmerapfel. Pflaumen sind viel schlimmer. Zum einen sind sie gefühlt überall, zum anderen haben sie eine beeindruckende Wirkung, wenn man sie halb vergoren samt Kern vom Boden schlabbert. Aber auch das allein wäre noch erträglich, wenn man es nicht mit Geflügelfutter kombiniert. Damit Sie jetzt kein eigenartiges Bild von mir bekommen, löse ich das Ganze jetzt mal auf.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist es 3.46 Uhr. Ich sitze auf dem Fußboden im Flur zwischen zwei Kinderzimmern und habe Tränen in den Augen. Neben mir thront der Welpe. Wir sind aus dem elterlichen Schlafzimmer herausgeflogen. Soeben kam ein kleines Mädchen vorbei und sagte, es könne bei dem Gestank nicht schlafen.

Das Licht scheint von außen durch die Haustür auf den kleinen blonden Hund. Er sieht zufrieden aus, im Gegensatz zu mir vermutlich. Er ist kugelrund und umgeben von dem stechenden Bouquet eines vorverdauten Apfel-Pflaumen-Vogelfutter-Medleys. Er hatte heute erst den versteckten Apfelvorrat gefunden und erheblich dezimiert. Anschließend machte er sich aus dem Staub und schlabberte ein wenig Pflaume bevor er seine Freunde im Hühnerstall besuchte.

Während er vor mir sitzt und dampft, nutze ich die schlaflose Zeit für ein paar tiefgreifende Gedanken. Also: Wenn wir die Zahl der Labrador-Welpen in den kommenden Jahr systematisch erhöhen und wirksame Mittel gegen Schlaflosigkeit und Geruchsbelästigung entwickeln, sollte sich das Problem mit den weggeworfenen Lebensmitteln lösen lassen. Wir degenerierten Menschen könnten natürlich auch einfach anfangen, Lebensmittel vollständig zu verwerten. In dem Punkt sind uns Labrador-Welpen echt einige Schritte voraus.

Von Markus Scharf

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